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Flensburger Tageblatt

25. Juni 2016 | 19:45 Uhr

Flensburg und Kreis : Handwerk sorgt sich um Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreishandwerksmeister Görrissen beklagt Unterschiede in den Ländern der EU und weitere Wettbewerbsnachteile. Petra Schenkluhn wurde verabschiedet.

Flensburg | Der Einladung zum traditionellen Frühschoppen der regionalen Kreishandwerkerschaft waren in diesem Jahr mehr Besucher denn je zuvor gefolgt. Kreishandwerksmeister Günther Görrissen konnte mehr als 300 Gäste begrüßen, darunter viele Innungskollegen sowie Entscheidungsträger aus Politik in Kommunen, Land und Bund, Verwaltung und Wirtschaft. Erstmals fand dieses zum 29. Mal abgehaltene Event in der Bürgerhalle des Rathauses statt. Grund dafür war, dass neben der Ansprache des Kreishandwerksmeisters zu wirtschaftpolitischen Aspekten in der Region außerdem die langjährige Geschäftsführerin, Petra Schenkluhn, in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Einleitend führte Görrissen aus, dass das vergangene Jahr für Deutschland wie Europa eines der schwierigsten der vergangenen Jahrzehnte gewesen sei. Die Griechenland-Krise sei zwar aus den Schlagzeilen verschwunden, jedoch nicht überwunden. Eine Lösung des Ukraine-Konflikts komme nur zögerlich voran. Kriegerische Auseinandersetzungen im Mittelmeerraum, insbesondere in Syrien, zeigten entsetzliche humanitäre Auswirkungen. Gleichzeitig führten sie zum bekannten dramatischen Ansteigen der Flüchtlingszahlen und den daraus resultierenden Folgen. „Man glaubt, die Kriegsorte sind weit entfernt, doch plötzlich ist alles ganz nah, auch mitten in Deutschland“, sagte Günther Görrissen.

„Wir schaffen das“ sei die Bundeskanzlerin überzeugt – „Schaffen wir das wirklich?“ fragte der ehrenamtliche Vorsitzende der regionalen Interessenvertretung im Handwerk und wertete das Attentat von Paris und die Silvestervorkommnisse als Angriffe auf Gesetze und Freiheit. „Entscheidend ist das ’Wir’. Wir als Gesellschaft sind verpflichtet, mit vereinten Kräften diese schwierigen Aufgaben zu lösen, in Deutschland wie in ganz Europa“, so Görrissen. Für das ehrenamtliche Wir-Engagement von Einzelpersonen, Institutionen aller Art und insbesondere der Polizei in diesem Sinne bedankte er sich ausdrücklich – was die Zuhörer mit starkem Beifall kommentierten.

Trotz dieser europapolitischen Gegebenheiten sei das Jahr 2015 für das regionale Handwerk erfolgreich verlaufen: Im wiedervereinten Deutschland hätten noch nie so viele Menschen einen Arbeitsplatz gehabt; die Arbeitslosenzahl liege auf dem niedrigsten Stand seit 24 Jahren, betrage in Flensburg 9,1 und im Kreis 6,4 Prozent. Die Konjunkturlage sei gut, die Auftragsbücher gefüllt. Viele Aufträge seien jedoch nicht gleichbedeutend mit guten Geschäften – im Gegenzug seien hohe Material- und Warenkosten sowie berechtigterweise steigende Löhne und Gehälter zu bewältigen. Andere Länder hätten andere Lohn- und geringere Arbeitgeberstandards sowie Steuern zu erfüllen. „Wenn die EU hier nicht nachbessert, sind wir noch Lichtjahre von einer echten Wirtschaftsunion entfernt“, betonte der Kreishandwerksmeister. Des weiteren bereiteten unendliche Bauauflagen sowie die Discounter mit ihren Backshops und Fleischtheken dem örtlichen Handwerk große Probleme.

Auch beim Nachwuchs sehe es nicht rosig aus: Viele Schulabgänger gäben einem Studium den Vorzug, sodass die Azubis ausblieben. Dabei seien Ausbildungs- und Aufstiegschancen im Handwerk sehr gut, die Arbeitsplätze sicher. Demgegenüber stünde eine Studienabbrecherquote von weit über 30 Prozent. „Damit fehlt der deutschen Bildungspolitik die entscheidende kulturelle Leitidee“, wandte sich Görrissen an die anwesenden politischen Mandatsträger. Denn auch ein Bachelor-Abschluss ohne Berufserfahrung sei in der Wirtschaft nicht gewünscht.

Zentraler weiterer Punkt des diesjährigen Handwerker-Frühschoppens war die Verabschiedung von Petra Schenkluhn, die 15 Jahre lang die Geschäfte der Kreishandwerkerschaft geführt hat und jetzt in den Ruhestand geht. In zahlreichen Beiträgen wurde sie für ihre nachhaltige Arbeit fürs regionale Handwerk und den Ausbau der „KreiHa“ mit Lob und Dank überhäuft. Eine launige Laudatio hielt ihr langjähriger Weggefährte Albert Albertsen, der heutige Ehren-Kreishandwerksmeister (siehe folgende Seiten).

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erstellt am 25.Jan.2016 | 13:00 Uhr

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