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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:29 Uhr

Hafenrundfahrt nach Germanenart

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänischer Nachbau des 1700 Jahre alten Langbootes aus dem Nydam-Moor bei Sottrupskov zog begeisterte Blicke auf sich

Ein friedliches Bild mit kriegerischem Langschiff bot sich am Wochenende an der Schiffbrücke. Auf Einladung des Ruderklubs Flensburg war das Nydam-Schiff von Sottrupskov mit der dänischen Nydam-Gilde zu einem zweitägigen Besuch an die Förde gekommen. Hunderte Schaulustige nutzten die Gelegenheit, einen Blick auf den detailgetreuen Nachbau des in Schloss Gottorf gezeigten Originals von 320 n.Chr. zu nehmen. Die Nydam-Gilde vom Alsensund nutzte im Gegenzug die Öffentlichkeit, um auf die nordgermanische Grabungsstätte des Opfersees hinzuweisen, die noch nicht abschließend erkundet ist.

Bei der Ankunft des Nydam-Bootnachbaus am Sonnabendnachmittag wurden die Ruderer aus Dänemark von einem illustren Empfangskommando begrüßt. Europaministerin Anke Spoorendonk war gekommen, ebenso Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber sowie Claus von Carnap-Bornheim. Dieser war aus dem Archäologischen Landesmuseum herbeigeeilt, um das erste Nydam-Boot in Flensburg seit 1864 willkommen zu heißen.

Das Original war von seinem Entdecker, dem Kopenhagener Archäologen Conrad Engelhardt, noch kurz vor Ausbruch des deutsch-dänischen Krieges nach Flensburg gebracht worden, wurde in den Jahrzehnten danach Spielball und Zankapfel der Politik. Für Spoorendonk ist das imposante Boot inzwischen aber Teil der Kulturgeschichte der deutsch-dänischen Region, Oberbürgermeister Simon Faber erinnerte daran, dass das es ein Vorgänger des Langschiffs der Wikinger gewesen sei.

Die Mitglieder des Flensburger Ruderklubs und ihr 1. Vorsitzender Detlef Handler waren sehr froh über den Besuch aus Dänemark. Die Wassersportler nutzen die einmalige Chance, sich auf diesem archetypischen Wasserfahrzeug in die Riemen zu legen. Ein beeindruckendes Erlebnis, wie Handler meinte. „Das ist kein Vergleich zu unseren Sportbooten. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die mit Schiffen wie diesen zur See gefahren sind.“

Diese Einschätzung teilten wohl die meisten der Gäste, die Sonnabend und Sonntag an die Riemen durften und schweißtreibende Rundtouren durchstanden. Dass Boote wie diese auch auf dem rauen Nordmeer ihre Tüchtigkeit bewiesen haben – kaum zu glauben. Auch Detlef Handler fiel das einigermaßen schwer. Besonders die sagenhafte Geschwindigkeit, die den Langschiffen nachgesagt wird, mag er nicht glauben.

Die in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia aufgerufene Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 Knoten gehört für ihn einwandfrei in den Bereich der Fabel. Fabelhaft fanden die Gäste aus Dänemark einen Scheck über 4000 Euro, den der RKF aus Mitgliederspenden zum 100. Vereinsjubiläums schon im Jahr 2014 gespeist hatte.

Gestern Mittag machte sich die Mannschaft der „Nydam Tweir“ auf den 40 Kilometer langen Heimweg. Gegenan. Ostwind, ausgerechnet. Zum Glück aber gab es „Janne“. Die Segelyacht aus Høruphav war mitgefahren, um den Nordgermanen der Nydamgilde das Leben etwas zu erleichtern – und warf eine Schleppleine über.

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erstellt am 30.Mai.2016 | 08:22 Uhr

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