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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 22:55 Uhr

Flensburg : Graffiti-Sprayer stört mit illegalen „Tags“ das Stadtbild

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bürger und Geschäftsleute sind verärgert. Die Taten können mit einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Ein anonymer Graffiti-Sprayer verärgert Flensburg: „Unnötige Schmierereien“, empört sich eine Verkäuferin vom Schmuckladen Pandora in der Fußgängerzone - der Eingang zu ihrem Geschäft ist von mindestens fünf „Tags“ verunziert. „Wir müssen uns selber darum kümmern, das alles zu entfernen, und das kostet uns Einiges.“ Sie kennt den unbekannten Sprayer nicht, doch dem shz ist es gelungen ihn ausfindig zu machen. Woraus bezieht er seine Motivation? Es gehe um eine Form von Anarchismus und darum, „Aggressionen rauszulassen“, sagt der Mann, der Mitte 30 ist. „Ich möchte gewisse Stellen in der Stadt erreichen und den Leuten zeigen, dass niemand anders da war. Nur ich.“

Über Sinn und Unsinn von Graffiti wird nicht erst seit gestern diskutiert. Die so genannten „Tags“ werden oft in nächtlicher Aktion mit Sprayflaschen auf Wände wie Mauern gesprüht – und teils als Kunst, teils als Vandalismus wahrgenommen.

Seit ein paar Monaten finden sich an verschiedenen Ecken in Flensburg Symbole und Schriftzüge, die man, gelinde gesagt, als geschmacklos bezeichnen muss. Ein Smiley etwa in knallroter Farbe, das inspiriert sein könnte von der Serie „The Mentalist“, in der ein Mörder das blutige Zeichen nach der grausamen Tat hinterlässt.

Ein weiteres Graffiti, das ins Auge fällt, ist der Schriftzug „Amok“, zum Beispiel am Hafermarkt, in der Großen Straße, am Holm und rund um den Hafen. Warum ausgerechnet Amok? „Dieses Wort bleibt bei den Passanten hängen, im Vergleich zu einen Schriftzug mit einer Buchstabenkombination, die sich eh keiner merkt. Und außerdem verbreitet Amok Angst“, sagt der Sprayer.

Für ihn, sagt er, gebe es keine Grenze, es sei denn, er werde eines Tages von der Polizei erwischt. In so ziemlich jeder Stadt, erzählt er, gebe es eine gewisse Rivalität zwischen Kunstmalern und Sprayern. Das erkenne man daran, wenn Tags von anderen Tags übermalt würden. „Das empfinde ich als Beleidigung!“

Der Sprayer vergleicht seinen Aktionismus mit dem Konsum von Rauschmitteln: „Es ist wie Drogen nehmen, das ist niemals eine gute Idee, aber irgendwann hat man den Drang, das zu konsumieren. Und wenn man es dann tut, fällt man in eine Sucht, aus der man schwer wieder rauskommt.“

Seine Sucht ist das Adrenalin. „Ich liebe diesen Kick, den ich bekomme, wenn ich nur einen Zeitraum von wenigen Sekunden zur Verfügung habe. Wenn seine Graffiti die Runde machen, viele darüber reden, ist sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit.

In der Tat sind seine Hinterlassenschaften vielen aufgefallen, den meisten stößt das negativ auf. Aber was tun dagegen? „Kameras oder Security sind zu viel Aufwand“, sagt der Inhaber des Ecco-Ladens. „Das kostet einfach zu viel.“ Ähnlich reagiert auch Michael Bolz (19): „Tags gehören überhaupt nicht in die Innenstadt“, sagt er. „Am liebsten sollte man den Typen eine fette Geldstrafe aufbrummen, und am besten macht er auch alles selber wieder sauber.“

Die 25-jährige Sarah allerdings vertritt die Meinung: „Graffiti sind Kunst. Es ist interessant, den gleichen Schriftzug in verschiedene Bereichen der Stadt zu wiederzufinden, dann weiß man, wo dieser Mensch unterwegs war.“ Ulla Pantel (59) ist überzeugt: „Sie wollen ihre eigene Frustration bekämpfen und aus dieser Gesellschaft ausbrechen, indem sie machen, was sie wollen. Es geht um Aufmerksamkeit, sich einen Namen zu machen oder einfach darum, gegen die Regeln zu verstoßen.“

Die Polizei spricht von 180 angezeigten Graffiti-Fällen allein im letzten Jahr in Flensburg. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres zählte sie 82 Fälle. „Sollte der Täter gefasst werden“, sagt eine Polizeisprecherin, „erwarten ihn laut Gesetz wegen Sachbeschädigung eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.“ Der im Jugendstrafrecht mögliche Strafkatalog reicht von Ermahnungen über Weisungen und Arreste bis hin zur Jugendstrafe.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 14:30 Uhr

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