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Kommentar zum Landgerichtsprozess : Goldene Brücke für den Täter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kammer hat nach dem Rechtsgrundsatz „In dubio pro reo“ entschieden.

 Die Mutter vertritt ihre Tochter als Nebenklägerin. Ganze vier Meter sitzt sie vom Angeklagten entfernt. Verfolgt die Schilderungen eines Übergriffs, der ihrem Kind die schmerzlichsten Stunden ihres Lebens beschert hat. Hört ergriffen zu, wie tapfer die 17-Jährige ihre Zeugenaussage hinter sich bringt. Vermeidet jeden Blickkontakt mit dem Täter. Doch dann muss sie mit ansehen, wie der Peiniger ihrer Tochter, gerade noch in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, aus der Haft entlassen wird. Wie hält man so etwas aus? Die nackten juristischen Tatsachen besagen, dass für einen Täter, der nach Beginn des Versuchs aus eigenem Antrieb von weiteren Handlungen Abstand nimmt, ein Rücktritt in Betracht kommt. Es ist de facto ein Strafaufhebungsgrund. Der Paragraf 24 StGB baut dem Delinquenten damit eine goldene Brücke. Doch auf welche Brücke kann das Mädchen bauen? Für sie ist es völlig unerheblich, welche Gründe dafür verantwortlich sind, dass der Mann irgendwann von ihr abgelassen hat. Sie muss mit ihrem Trauma leben. Und mit der Tatsache, dass er auf freiem Fuß ist.Die Kammer hat nach dem Rechtsgrundsatz „In dubio pro reo“ entschieden. Keine Strafe ohne Gesetz – das ist ein weiteres „Gesetz“ unter Juristen. Doch Recht und Gerechtigkeit finden nicht immer zueinander. Das ist die bittere Erfahrung des jungen Mädchens, das um Haaresbreite einer Vergewaltigung entging.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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