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Start in Flensburg : Glutenfrei mit dem Kajak bis nach Travemünde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zeigen, dass es geht: Christian Ide, seit 15 Jahren von Zöliakie betroffen, geht auf eine harte Ostseetour

Allein sieben wasserdichte Packsäcke sind zu verstauen. Eine Klappkiste mit Lebensmitteln, Seekarten, Leuchtmittel, massive Heringe und jede Menge weiteres Zeug, das man braucht, wenn man in dieser Jahreszeit zehn Tage mit dem Kajak auf der Ostsee unterwegs ist, und zwar autark. „In den Häfen werde ich Wasser bunkern müssen“, sagt Christian Ide; die vier bis fünf Liter, die er dabei hat, reichen für ein bis zwei Tage.

Der 40-Jährige erhielt vor 15 Jahre die Diagnose einer Gluten-Unverträglichkeit, auch Zöliakie genannt. „Das ist eine Behinderung“, sagt der Mann, dem man so gar nicht eine Behinderung ansieht. Durchtrainiert, optimistisch, dem Leben zugewandt, zudem ein weit gereister Seekajakfahrer. Auf der Rückseite des 20 Jahre alten T4-VW-Bulli weisen Aufkleber aus Spanien, Portugal, Frankreich, Schottland und fast allen skandinavischen Ländern auf seine Einsatzgebiete hin. Und jetzt die wenige Grad warme Spätwinter-Ostsee, in zehn Tagen die gesamte schleswig-holsteinische Küste entlang. Heute Mittag geht es los, am ersten Tag nur bis Langballigau. Danach will er 35 bis 40 Kilometer pro Tag paddeln. „Vielleicht komme ich sogar etwas weiter als Travemünde“, hofft er.

Ide will zeigen, dass man wegen einer Behinderung nicht auf Abenteuer verzichten muss. Denn das ist es gewiss: Mit Zelt, Isomatte und Schlafsack, sämtlichen Lebensmitteln einschließlich einer Miniflasche Rum aus heimischer Produktion bei Temperaturen, die zumindest morgens nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen, auf Paddeltour zu gehen.

„Ich kann nicht mal eben zum Kiosk gehen und mir was zu beißen holen“, sagt er. Bäcker sind komplett tabu, doch sehr viele Lebensmittel auch. Ide hat sich mit glutenfreien Lebensmitteln eingedeckt und dabei vor allem auf kalorienreiche Nahrung geachtet. Wer acht Stunden am Tag paddelt, verbrennt viel. Glutenfreies, gefriergetrocknetes Kartoffelpüree sei kulinarisch vielleicht diskussionswürdig, aber als Nährstofflieferant gut geeignet. Ein bekannter örtlicher Outdoor-Laden hat ihn mit ein paar Tüten glutenfreier Trekkingnahrung ausgestattet. Ein paar Leckerlis sind auch dabei, und für den Tee glutenfreier Rum.

„Das schaffst Du!“: So heißt eine Aktion der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft, mit der sie Betroffene ermuntern will, sich Dinge zuzutrauen. Auf ihrer Homepage berichtet sie über Ides Kajak-Abenteuer.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 07:29 Uhr

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