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Flensburger Tageblatt

01. September 2016 | 05:36 Uhr

Zwangsversteigerung in Flensburg : Glücksburg: Niemand will die Hahn-Villa am See

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Villa hat allen erdenklichen Luxus. Ein Käufer fand sich trotzdem nicht.

Flensburg | So ein schönes Haus – und niemand will es haben! Ohne auch nur das geringste Gebot blieb am Montag im Flensburger Amtsgericht eine Zwangsversteigerung, wie es sie so nicht alle Tage gibt. Zur Auktion stand eine Villa an der Glücksburger Schlossallee, die Anfang des vorigen Jahrzehnts von dem Flensburger Unternehmer und Investor Marco Hahn gebaut worden war. Für gut zwei Millionen Euro hätte man das gute Stück haben können, der Verkehrswert wurde vom Gutachter auf 4,17 Millionen taxiert.

Das Interesse an der Luxus-Immobilie hält sich in Grenzen, der Raum A220 im Altbau des Justiz-Komplexes reicht völlig aus für die rund 15 Besucher, von denen jeder dritte in offizieller Mission gekommen ist. So sind die beiden Gläubiger vertreten, die die Zwangsversteigerung betrieben haben: die Baden-Württembergische Landesbank und die Nord-Ostsee-Sparkasse.

Als Schuldnerin wird von der Rechtspflegerin Claudia Hahn genannt, Gattin von Marco Hahn. Es geht um Verbindlichkeiten von fast neun Millionen Euro. Gläubiger sind die Baden-Württemberg-Bank mit rund 5,1 Millionen Euro, die Nospa mit 2,3 Millionen und ein Privatmann mit 1,5 Millionen Euro. Marco Hahn hat die Immobilie 2009 für rund acht Millionen Euro an seine Ehefrau verkauft. Die am Montag anwesenden Vertreter der beiden Geldinstitute wollten sich gegenüber dem sh:z nicht zu der Angelegenheit äußern.

Obwohl das vierköpfige Gremium des Amtsgerichts, darunter zwei Anwärterinnen, den Besuchern exakt 31 Minuten Zeit gegeben hatte, regte sich nichts. In der „Bietstunde“ wurde entspannt geplaudert, auch konnte man noch Fragen an die Rechtspfleger stellen. Ein Besucher wollte wissen, ob er auch ein Gebot abgeben könne, ohne eine Sicherheitsleistung zu stellen. Die beiden Gläubigervertreter stellten klar, dass sie das nicht akzeptieren würden – und das war’s. Damit ist das Verfahren einstweilig eingestellt; auf Antrag der Gläubiger kann es aber wieder eröffnet werden. Dann gilt nicht mehr die Bestimmung, dass mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes geboten werden muss.

Im Wertgutachten für das mondäne Anwesen werden 2152 Quadratmeter als Bruttogrundfläche angegeben, davon 1652 als Wohn- und Nutzfläche. Allein das Kellergeschoss ist 667 Quadratmeter groß, das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss jeweils rund 330 Quadratmeter. Im Dachgeschoss kommen noch einmal 280 Quadratmeter hinzu. Das Grundstück ist 8685 Quadratmeter groß. Alle Zahlen stammen aus der heute nicht mehr öffentlich zugänglichen Objektbeschreibung.

Auffällig ist die offene Bauweise mit einer rundum laufenden Galerie im ersten und zweiten Obergeschoss; vom Foyer im Erdgeschoss fällt der Blick auf den Sternenhimmel ganz oben unterm Dach. Die Ausstattung der Villa ist, wie der Beschreibung im Angebot zu entnehmen ist, der reine Luxus: Swimmingpool mit Gegenstromanlage, 3,50 Meter hohe Räume mit drei Meter hohen Türen, Billardzimmer, mehrere Bäder, mehrere Küchen, Sauna, Weinkeller, Fitnessraum, Kamine, eine Bar, eine Tiefgarage mit üppigen Ausmaßen und einer Drehscheibe für Kraftfahrzeuge.

Inwieweit es Zusammenhänge zwischen Marco Hahns Übersiedeln in die Schweiz und später nach England sowie eines möglichen Verkaufs der Villa an seine Frau gibt, ist nicht bekannt.

 

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