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Flensburger Tageblatt

20. Januar 2017 | 17:04 Uhr

Sauna-Streit auf höchster Ebene : Geschlechtertrennung im Dampfbad

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einem Jahr beschließt die Politik: Nach der Sommerpause soll es wieder eine getrennte Frauen- und Männersauna im Campusbad geben.

Wer nackt baden geht, braucht keine Bikini-Figur, heißt es so schön. Übergewichtige Frauen zum Beispiel sind eine der Gruppen, die das Flensburger Frauenforum aufzählt als solche, die „die Nutzung einer gemischten Sauna nicht wahrnehmen können und wollen“. Auch „traumatisierte Frauen mit Gewalterfahrungen, die keinen unbekleideten Männern begegnen wollen“, Frauen nach Operationen, muslimische Frauen listet das Gremium in einem Brief auf, mit dem es gegen die Einstellung der Damensauna im Campusbad vor einem Jahr protestierte.

Die Hartnäckigkeit der Befürworter des – auf Amtsdeutsch – „geschlechtergetrennten“ Angebots hat sich ausgezahlt, denn: Nach den Sommerferien wird es im Campusbad wieder im wöchentlichen Wechsel einen Tag Sauna nur für Frauen und einen Tag nur für Männer geben, bestätigt Andreas Ostmann, Geschäftsführer des Campusbades. Das werde voraussichtlich mittwochs sein von 14 bis 22 Uhr, sagt Ostmann. Das hat die jüngste Gesellschafterversammlung der Stadtwerke ergeben. Die Stadtwerke als städtische Tochter sind zuständig – die Gesellschafterversammlung setzt sich aus den Mitgliedern des Hauptausschusses zusammen.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit war vor einem Jahr das Hauptargument, die geschlechtergetrennte Sauna aufzugeben. „Für dieses spezielle Angebot haben wir deutlich weniger Gäste“, weiß Ostmann, die große Anlage lohne dafür nicht. Während an den Wochentagen im ersten Halbjahr 2015 im Durchschnitt 135 Gäste die Sauna besuchten, seien es an Tagen mit Herren- oder Damensauna lediglich knapp die Hälfte gewesen, sagt der Geschäftsführer des Bades. In der politischen Debatte bewegte sich die Summe der Mehrkosten stets um die 20  000 Euro.

Die Einstellung des Angebots sei nie laut verkündet worden, sondern eher stillschweigend geschehen, sagt Ellen Kittel-Wegner, Fraktionsvorsitzende der Grünen und stellvertretendes Mitglied im Gleichstellungsausschuss. Erst nachdem das Frauenforum damals „mit großem Erstaunen“ von der Streichung des „Gesundheitsangebots“ für alle erfuhr und sich an die gleichstellungspolitischen Sprecher der Fraktionen wandte, kam das Thema in Umlauf. Erstmals tauchte es Mitte September 2015 auf der Tagesordnung im Gleichstellungsausschuss auf. Ihre Fraktion habe mehrere Anträge dazu formuliert, erinnert die Grüne Ellen Kittel-Wegner. Sie spricht von einem „vielschichtigen Bedarf“: Diverse Gruppen seien identifiziert worden, die das Angebot seither vermissten.

Und mitnichten nur Frauen. Lutz Andres, 31-jähriger Bilanzbuchhalter, engagiert sich im Arbeitskreis gegen Homophobie. In diesem Sinne versteht der langjährige Saunagänger das geschlechtergetrennte Angebot eben nicht als exklusiv. „Wir möchten, dass jeder willkommen ist“, betont Andres und sagt, es gebe auch viele Männer, die sich in einer gemischten Sauna unwohl fühlten. Er berichtet von Situationen, in denen etwa eine Frau einem Mann nachgestellt habe und ihm in die Sauna gefolgt sei. In der gemischten Sauna finde man keine Ruhe, klagt er, selbst bei Aufgüssen werde geredet. Als die Männersauna eingestellt wurde, sei er auf andere Bäder im Land ausgewichen.

Der Druck der Frauen sei größer, für das Angebot zu kämpfen, während es für die Männer „nice to have“ sei, beobachtet Verena Balve, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Flensburg. Als solche wundert sie sich, dass das Angebot nicht überall als selbstverständlich betrachtet, sondern kontrovers diskutiert werde. „Im alten Stadtbad gab es sogar alltäglich die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob getrennt oder gemischt“, erinnert Balve. „Ich bewerte das gar nicht“, unterstreicht die Gleichstellungsbeauftragte und fügt hinzu: „Gerade vor dem Hintergrund einer immer bunter werdenden Gesellschaft sollte bei städtischen Angeboten darauf geachtet werden, dass alle Menschen erreicht werden.“

Thomas Dethleffsen ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und des Hauptausschusses in Personalunion – und kein Saunagänger. Die Entscheidung zur Wiedereinführung der getrennten Sauna sei „relativ klar“ gewesen und der Bedarf offenbar groß, berichtet er, bleibt selbst aber skeptisch. „Für alles gibt es Interessensgruppen“, sagt der Christdemokrat. Gerade in einem Schwimmbad könnte man sehr viele Dinge vorhalten.

„Die politischen Vertreter haben sich das Angebot gewünscht“, resümiert Campusbad-Geschäftsführer Andreas Ostmann und enthält sich einer persönlichen Bewertung. Auch wenn es in der Vergangenheit anders aussah, so „wäre es wünschenswert, dass wir größeren Zulauf haben“.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 12:45 Uhr

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