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Flensburger Tageblatt

27. August 2016 | 11:54 Uhr

Ruine in Vorzugslage : Gerettet! Brauerei kauft Bellevue

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Millionen-Investition am Gastseglerhafen: Das beliebte Lokal soll nach fast zweijährigem Stillstand im September wieder eröffnet werden. Der Betreiber kommt aus der gehobenen Biergarten-Gastronomie.

Was jetzt kommt, ist seit mindestens zwei Jahren mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer wieder angekündigt worden und gilt wegen des regelmäßigen Nicht-Eintritts des Angekündigten mittlerweile als Stadt-Märchen: Das Bellevue, Flensburgs Gastronomie-Perle in schönster Wasserlage, wird grundsaniert und in altem Glanz wieder in Betrieb genommen. Diesmal kommt es wirklich so weit, verspricht einer, der über jeden Zweifel erhaben ist. Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer der Flensburger Brauerei, bestätigte gegenüber dem Tageblatt, dass die Brauerei das Gebäude gekauft und einen professionellen Betreiber fast sicher verpflichtet hat. „Bis zum Sommer ist es leider nicht mehr zu schaffen“, so Tembrockhaus. „Aber im September wollen wir die große Eröffnung feiern.“

Der Brauerei-Geschäftsführer hat wie die meisten Flensburger mitgelitten. Seit der Insolvenz des langjährigen Betreiber-Ehepaars im Mai 2009 befand sich das Lokal an der Hafenspitze im erst langsamen, nach seiner Schließung im Oktober 2013 galoppierenden Niedergang. Ein zähes Jahr lang arbeitete sich zuletzt der Kieler Getränkegroßhändler Frank-Dieter Cohrt an dem Objekt ab. Aber es gelang ihm nicht, in Verhandlungen mit der Stadt einen fair ausbalancierten Pachtvertrag zu bekommen. Das Gesprächsklima galt am Ende als feindselig, die Stadt verpachtete die wichtige Wasserterrasse gar an Mitbewerber. Tembrockhaus, der die Brauerei öffentlich als Cohrts Partner in Position gebracht hatte, hielt die Flensburger Vorstellungen selbst für völlig überzogen. Trotzdem ist er jetzt eingestiegen. „Die Lage war am Ende hoffnungslos verfahren. Das war für uns eine Bauchentscheidung“, sagt er. „Wir wollten das für Flensburg tun.“ Und auch für Flensburger Pilsener, wie er einräumt. „Als Flensburger Brauerei würde uns das schon ziemlich treffen, wenn an dieser Stelle ein Mitbewerber plakatiert.“

Seit vergangener Woche ist das marode Gebäude eingerüstet, Entsorgungsfirmen haben containerweise Müll abgefahren, die Herstellung der öffentlich zugänglichen Toilettenanlagen steht ganz oben auf der Agenda. Eine Million Euro muss die Brauerei in die Hand nehmen, um für den neuen Pächter eine funktionierende Plattform zu schaffen. Der künftige Pächter – den Namen wollte der Brauerei-Geschäftsführer noch nicht preisgeben – ist in Süddeutschland mit gehobener Biergarten-Gastronomie sehr erfolgreich und mit Flensburg verbunden. „Er ist in alle Planungen eingebunden und weiß also, worauf er sich einlässt.“

Die Flensburger werden schon vor der „großen“ Eröffnung einen Vorgeschmack bekommen. Zum Juni soll die Wasserterrasse eröffnet werden, die – momentan noch illegal überbaute – Außenterrasse an der Promenade soll folgen. Die Brauerei will den städtischen Auflagen nachkommen – an den Außentoiletten wird bereits gebaut, auch der Rückbau der Außenanlagen ist – zunächst – kein Thema. „Wir müssen sehen, wie die Kalkulation mit einer geringeren Zahl von überdachten Plätzen aufgeht“, sagt Tembrockhaus. „Sollte es nicht funktionieren, können wir immer noch reagieren und anbauen. Dann aber wird alles wie aus einem Guss aussehen.“ Die Brauerei ist zunächst in den noch elf Jahre laufenden Pachtvertrag eingestiegen. Tembrockhaus weiß, dass über kurz oder lang über die künftigen Bedingungen verhandelt werden muss. Bis dahin sollen verlässliche Zahlen erhoben werden. „Wir gehen unternehmerisch ins Risiko“, betont er. „Und wir vertrauen darauf, dass uns die Stadt am Ende nicht hängen lässt.“

 

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erstellt am 07.Apr.2015 | 07:30 Uhr

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