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Flensburger Tageblatt

22. Januar 2017 | 11:06 Uhr

Geordnetes Chaos auf der Zielgeraden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 1. Dezember eröffnet mit dem Hotel Hafen Flensburg das erste Vier-Sterne-Haus in der Stadt / Ende eines jahrelangen Schandflecks

Es ist schwer vorstellbar, dass hier in weniger als zwei Wochen Gäste einchecken, ihre Zimmer aufsuchen, ein Bad nehmen und etwas später chic in Schale im Restaurant Platz nehmen, um hier ein Drei-Gänge-Menü zu genießen. Die Tiefgarage ist ein Materiallager; neben einigen Stapeln mit Steinwolle warten Dutzende von Kartons mit Einrichtungsgegenständen auf ihre Leerung. Man hat das Gefühl, dass außer Tiefbauern und Dachdeckern noch alle Gewerke auf dieser Baustelle aktiv sind, die zu den spannendsten der letzten zwei Jahre in Flensburg zählt.

Den Überblick in diesem geordneten Chaos bewahren Bauleiter Ole Crass und Hotelchefin Kirsten Herrmann, die ihr kleines Büro im Erdgeschoss bereits bezogen hat und seit Tagen im Dauerstress ist. Zeit für eine kleine Führung nimmt sie sich trotzdem. Und zeigt als erstes den mit Bronze veredelten Tresen der Rezeption in Form eines Schiffsbugs. Zusammen mit den Seekarten nachempfundenen Wänden im Restaurant „Columbus“ betonen sie das „schiffige“ Ambiente des neuen Hafen-Hotels.

Doch auch hier stehen überall Kartons, verpackte Möbel, Werkzeugkisten. Da geht die Tür zur Küche auf und siehe da: Überall Menschen in Weiß, die herumwuseln und mit Töpfen und Löffeln hantieren. „Die Küche ist das einzige, was komplett fertig ist“, freut sich Kirsten Herrmann. Das Team um Küchenchef Björn Brinkmeyer bekocht täglich alle Menschen, die auf der Baustelle arbeiten – egal ob Handwerker oder Hotel-Bedienstete. Außerdem testen sie die Gerichte der Speisekarte, zum Beispiel „Geschmorte Rinderbacke mit Steckrüben und Kartoffelstampf“ oder Gänsekeule.

Ab 1. Dezember trudeln die Gäste ein, „die ersten drei Wochenenden sind komplett ausgebucht“, freut sich die Chefin, doch der Betrieb beginnt schon in wenigen Tagen. „Dann kommen die Testschläfer.“ Die sollen helfen, den Ernstfall zu simulieren, erleben, ob in den Zimmern alles an der richtigen Stelle steht, liegt und hängt, das Wasser warm genug ist, die Fernseher richtig programmiert sind, ob das Frühstücksei nicht zu hart oder nicht zu weich und auch sonst alles so ist, wie es in einem Vier-Sterne-Hotel sein soll.

Damit setzt man sich gleich an die Spitze der Flensburger Hotel-Landschaft. Ab 130 Euro kann man hier mit Blick auf den Hafen oder die Rückseite des „Oluf“ übernachten. Wer eine „Fregatte“ haben will, muss etwas tiefer in die Schiffskasse greifen, hat dafür aber mehr Platz als in jeder Kapitänskajüte. Einer dieser üppig bemessenen Räume ist zu einem Schulungsraum umfunktioniert worden: Hier werden Mitarbeiter mit dem Buchungssystem vertraut gemacht. Die „Käptn’s Lounge“ ist in der früheren Kutschen-Durchfahrt des historischen „Kayser’s Hof“ untergebracht, der späteren Disco „Sunny“. Die Torbogen sind noch erhalten. „Die alten Holztüren haben wir auch noch gefunden“, so Herrmann, „sie sind gerade zur Renovierung beim Tischler.“ Die Hocker, deren Sitzflächen jeweils aus einem Kompass bestehen, sind ein weiteres maritimes Schmankerl in der handverlesenen Ausstattung aller Räume.

Im Erdgeschoss kann man die Grundrisse der einzelnen Häuser an der Schiffbrücke nachvollziehen. Hier gehen alte und neue Bausubstanz eine attraktive Liaison miteinander ein. Trotz der Bebauung des Hinterhofs ist überraschend viel Freiraum geblieben – ausreichend Platz für ein Hofkultur-Konzert wäre hier allemal.

Wenn alles fertig ist – und das wird es zum 1. Dezember nicht sein – wollen Kirsten Herrmann und die Hotel-Investoren die Flensburger zu einem Tag der offenen Tür einladen.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 13:21 Uhr

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