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Flensburger Tageblatt

24. April 2014 | 19:30 Uhr

Schleswig-Flensburg - Gemeinschaft und französisches Flair

vom

Vorbereitung auf Weltgebetstags-Gottesdienste.

Schleswig-Flensburg | Odile ist nicht da. Beziehungsweise Waltraud, die Odiles Text sprechen soll, fehlt. Jemand anders bietet an einzuspringen. Margit Sitzwohl nickt automatisch. Die Kirchenvorsteherin von St. Petri in Flensburg ist spontane Rollenwechsel mittlerweile gewöhnt. Weil es unmöglich ist, einen Termin zu finden, der zehn Damen passt. Nicht jede ist so flexibel wie derzeit Susanne Herold, die prominenteste Anwesende. Nach dem Ende ihrer politischen Karriere ist sie noch beurlaubt. Am morgigen 1. März um 15 Uhr werden alle Damen auf alle Fälle Zeit haben. Dann ist Weltgebetstag der Frauen (WGT), für den hier, im Gemeindesaal von St. Petri, gerade geprobt wird.

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Der "WGT e.V." wird von verschiedenen christlichen Einrichtungen gebildet und organisiert seit 1927 jährlich am ersten Freitag im März einen Gottesdienst, dessen Einnahmen dem Wohl von Frauen zu Gute kommen. Dieses Jahr begehen die vier Gemeinden St. Petri, St. Gertrud, St. Marien und die Diako den WGT gemeinsam. Margit Sitzwohl hat die Leitung übernommen. Zur heutigen Probe schenkt sie als erstes "Kir Royal" an die sieben Mitwirkenden aus. Etwas untypisch, aber einer kirchlichen Veranstaltung angemessen, enthält der französische Aperitif hier keinen Alkohol, sondern Kirschsirup und Mineralwasser. Auf dem hübsch gedeckten Tisch wechselt ein Camembert vom festen in den flüssigen Zustand, nicht ganz geruchlos. Keine Frage - die Lebensmittel spielen auf das diesjährige Veranstalterland an: Frankreich, das durch seine ehemaligen Kolonien ein Einwanderungsland ist, hat das Thema "Ausländer" für den WGT 2013 vorbereitet. Das Motto: "Ich bin fremd, Ihr habt mich aufgenommen."

Wohl dürfe man anders sein. "Jeder Mensch ist ja einzigartig", führt Margit Sitzwohl aus. Aber die christliche Gemeinschaft müsse einen Zusammenhalt bieten. Eine 270 Seiten starke Informationsschrift diente ihr, wie allen anderen Veranstaltern in über 170 Ländern, als Leitfaden für den zu haltenden Gottesdienst. Die Nordkirche feiert 500 WGT-Gottesdienste mit rund 30 000 Besuchern. Zahlreiche Gottesdienste finden auch im Kreisgebiet statt (siehe unten).

Am Anfang des Gottesdienstes wollen alle zehn Damen durch verschiedenfarbige Schals die Einzigartigkeit eines jeden Menschen darstellen. Odile als gebürtige Französin etwa hat ein völlig anderes Schicksal als Marie-Léone, die aus Ruanda stammt. Ihre Familie kam beim Völkermord in Ruanda um. Sie selbst konnte fliehen, fand in Frankreich Asyl, Ausbildung und eine neue Familie.

Es wird auch viel gesungen an diesem Probe-Nachmittag. Auf Deutsch, denn mit französischen Liedern kann die Gemeinde in der Flensburger Neustadt nicht viel anfangen. Margit Sitzwohl ist aber wichtig, dass viel französisches Flair rüberkommt. Sie hat eine Französin engagiert, die das Vaterunser auf französisch vorträgt. "Spiel uns mal was Typisches - was von der Piaf oder La Ballade des gens heureux", fordert sie die Akkordeonspielerin Anke Henn auf.

Nur eine Sitzung vor der Generalprobe ist noch viel Feinabstimmung erforderlich. Margit Sitzwohl drückt ihre Finger in leichter Unruhe an die Schläfen. Dann ist sie wieder mit Eifer bei der Planung: Nach dem Gottesdienst sollen selbst zubereitete französische Speisen wie Bouillabaisse und Mousse au chocolat serviert werden. Und ein paar Tage später fährt sie mit zwei anderen Damen nach Paris. "Einmal die neuen Glocken von Notre Dame streicheln. Die werden nämlich bis zu ihrem Einbau im April in der Kathedrale präsentiert", sagt sie. Mit dieser Belohnung in Aussicht lässt es sich sicher gut durchhalten. Und mehr ist aus dem diesjährigen WGT wohl auch nicht herauszuholen.

von Catrin Haufschild
erstellt am 28.Feb.2013 | 05:19 Uhr

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