zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 17:06 Uhr

Gema ärgert die „Bunte Innenstadt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fette Gebühren-Nachforderung für nicht-kommerzielles Innenstadtfest / Nächsten Freitag Benefiz-Konzert für Begleichung der Gema-Schuld

Seniorenchöre, singende Landfrauen, Zahnärzte mit Klangteppich im Wartezimmer, Musikschulen, die für den Unterricht Noten kopieren – sie alle und viele andere mehr können ein Lied davon singen, was es heißt, vom Radar der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte erfasst zu werden. Dann werden Rechnungen aufgemacht, die meist nur zähneknirschend bezahlt werden. Jetzt hat es auch die ehrenamtlich tätige Gruppe erwischt, die seit drei Jahren in Flensburg die „Bunte Innenstadt“ als Gratis-Vergnügen organisiert. Die Gema fordert 2700 Euro Gebühren nach. Weil aber keiner der Veranstalter an der bunten Innenstadt aber auch nur einen einzigen Cent verdient hat, drohen schmerzhafte private Geldverluste.

Dass Marianne Chmielewicz und Guido Hanslik jetzt relativ gelassen sind, liegt an einer guten Idee. Die heißt „Gema wieder raus“ und soll als ebenfalls nicht kommerzielle Benefiz-Veranstaltung den Veranstaltern das fehlende Geld einspielen. Diese Idee wurde aus dem Kreis der Musiker geboren, die von Beginn für die „Bunte Innenstadt“ gespielt hatten – die Flensburger Bands „Jellybay“ und „Ageless Minds“. Am Freitag, 26. Februar, ab 20.30 Uhr, im Saal der Phänomenta spielen sie gegen die Gema, nicht für Eintrittsgeld, aber mit der Hoffnung auf reichlich Spenden für die Bunte Innenstadt, die trotz der schmerzhaften Erfahrung am Konzept eines nicht kommerziellen lokal-kulturellen Bürgertreffs in der Flensburger Innenstadt festhalten will.

Davon war nicht unbedingt in jeder Phase der letzten Wochen und Monate auszugehen. Marianne Chmielewicz und Guido Hanslik vom Veranstaltungsteam mussten schon schwer schlucken, als die Gema ihnen ihre Rechnung aufmachte. Und zwar für drei Jahre. Weil das bunte Flensburg vom Start weg so gut frequentiert wurde, hatte Hanslik die Gema für 2015 vorsichtshalber mit ins Boot nehmen wollen. „Wir wollten eigentlich einen Kostenvoranschlag, aber den haben wir nicht rechtzeitig bekommen.“ Dafür wurde die Rechnung umso pfeffriger, weil die Urheberrechts-Gesellschaft bei der Gelegenheit auch die vorangegangenen Bunte-Innenstadt-Feiern nachberechnete. „Das war schon heftig“, erinnert sich Hanslik. „Wir sollten weit über 5000 Euro zahlen. Zum Glück konnten wir die Gema noch runterhandeln.“

Die Flensburger Veranstalter finden das Gebaren der Gema grenzwertig, weil so nicht-kommerzielles kulturelles Engagement schon im Vorwege abgewürgt zu werden droht. Gema-Sprecherin Gaby Schilcher bittet um Verständnis für die Künstler. „Bei solchen Bürgerfesten findet niemand etwas dabei, dass er den Bäcker für das belegte Brötchen bezahlt. Dass auch geistiges Eigentum einen Wert hat, wird hingegen ausgeblendet.“

Also denn: Zwei Bands und Torben Dittmer als moderierender Poetry-Slammer treten am nächsten Freitag an, die privaten Investoren von der Gema-Schuld zu befreien. Der Hut geht rum. Und selbstverständlich, so Chmielewizcz, bekommt die Gema auch die ihr für diese Benefizveranstaltung zustehenden Gebühren.


Spenden nimmt die Initiative auf ihrem Nospa-Konto

DE4921750000 0164 858599

BIC Nolade21 Nos entgegen.


zur Startseite

von
erstellt am 20.Feb.2016 | 07:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert