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Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 17:34 Uhr

Furioser Auftakt der Hofkultur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

900 Gäste genießen die ersten beiden Tage der Flensburger Sommerkonzerte im Hof des Schifffahrtsmuseums

Feuriger Start in die 22. Auflage der Flensburger Hofkultur: Das Eröffnungskonzert bestritt die fulminant aufspielende Salsa-Formation Mi Solar aus Berlin. Die Erwartungshaltung war hoch gesteckt: Denn wer eine Einladung zum Jazz-Festival Montreux erhält, kann qualitativ so schlecht nicht sein. Die international besetzte Band hielt, was sie versprach. Nicht nur deshalb, weil sie den nervigen Nieselregen vertrieb und die Wolken vom Himmel zauberte.

Das Septett um die kubanische Sängerin Mayelis Guyat brachte mit einer scharf gewürzten Mixtur den Hof des Schifffahrtsmuseums zum Kochen. Ob Salsa, Merengue oder Latin-Jazz – pulsierende Rhythmik machte den Hinterhof schnell zum Dancefloor. Die Frontfrau kommt mit einer gewaltigen Bühnenpräsenz daher, prophezeit gleich anfangs, man werde das Publikum von den Sitzen reißen. Doch da sich zwischen Stühlen schlecht tanzen lässt, war das Gros der niedergelassenen Gäste nach der Halbzeit bewegungsmüde geworden. Vielleicht, so meinten einige der 600 Zuhörer, hätte man Sitzmöbel angesichts dieser elektrisierenden Klänge gänzlich verbannen sollen, doch mit Rücksicht auf die Altersstruktur hat man auf diese Maßnahme wohl verzichtet.

Von ganz anderem Kaliber war die Band, die tags darauf an gleicher Stelle antrat – vor knapp halb so vielen Zuschauern. Eine Gemeinsamkeit gab es aber doch: Beide Gruppen hatten einen Song des Musikprojekts Buena Vista Social Club im Repertoire.

Basta Fou ist ansonsten alles andere als exotisch, denn die zwei Frauen und vier Männer haben sich vor vier Jahren in Flensburg gefunden. Die „gemeinsame Liebe zum Holzhandwerk“, die Frontmann Mike Pelzer immer wieder anführt, ist eine Art Gründungsmythos der Band.

Zu ihren deutschen Texten und der Mehrstimmigkeit kommen erlesene Instrumente hinzu: so etwas Warmes wie ein Kontrabass (Dennis Arp) oder so etwas Markantes wie Trompete (Sigrid Gondesen-König) und Akkordeon (Kaisa Ilmalahti). Doch die großen Erwartungen werden bei dem einen oder anderen Zuhörer zunächst enttäuscht. Schlichte Rhythmen dominieren am Anfang. Pelzers Stimme geht unter im ersten Set und damit die ganze Lyrik. Ein Jammer um Texte wie „Als die Flut kam, glühte das Watt, und dort, wo eben noch Sandbänke lagen, strich die See den Horizont glatt“, die man dann eben kennen muss. „Als die Flut kam“ ragt nach einer Staccato-Flut als erster überaus melodischer Song heraus mit feiner Klavierlinie.

„Basta Fou“ – das klinge für sie eher nach „Schluss mit lustig“, sagt Mareike Hölker vom Kulturbüro eingangs, als sie die Band auf die Bühne bittet. Aber sie freut sich, dass sie es besser weiß und eine Formation wie diese praktisch vor der Haustür zu finden ist. Tatsächlich geht der Bandname auf eine Bucht vor den Shetlandinseln zurück, die Basta Voe heißt. Doch der kreative Klangpoet Mike Pelzer mixte etwas Französisch drunter und machte Basta Fou daraus. Pelzer ist dank eines neuen Mikros im zweiten Set viel besser zu hören und auch zu verstehen – die Frauenstimmen als Chor bleiben zurückhaltend. Die Songs gehen mehr nach vorn und Polka, Tango, Shuffle in die Beine. Sonderlich redselig sind die Basta Fous nicht, so dass am Ende plötzlich und unerwartet das Ende des Konzerts kommt. Macht nichts. „Wir haben noch eine Zugabe, und die spielen wir jetzt“, sagt Frontmann Pelzer kurzerhand – und der Jubel für die Musik einer Band, die ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint, und einen besonderen Abend, ist gerechtfertigt.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 07:49 Uhr

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