zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Flensburger Schiffbau-Gesellschaft : FSG bekommt Bürgschaft vom Land – Ein wichtiges Signal fürs Überleben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landesregierung sichert der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft Bürgschaften in zweistelliger Millionenhöhe zu.

Flensburg | Die gute Nachricht zuerst. Das Landeskabinett beschloss am Dienstag, der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mit Kredit-Bürgschaften in zweistelliger Millionenhöhe aus der Klemme zu helfen. Nach Informationen des Flensburger Tageblatts handelt es sich um eine Summe von 63 Millionen Euro. Dafür gibt es bislang keine offizielle Bestätigung. „Wir haben bekommen, was wir beantragt haben“, sagte FSG-Chef Rüdiger Fuchs gestern lediglich. Er freue sich, dass damit entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt seien. „Das sichert uns Arbeit bis zum Frühjahr 2018.“

750 Beschäftigte bangten in den vergangenen Monaten um ihre Zukunft. 98 verlieren voraussichtlich ihren Job.

Die FSG war auf die Bürgschaft zur Finanzierung ihres Neubauprogramms, das ein Volumen von 365 Millionen Euro hat, zwingend angewiesen. Wirtschafts-Staatssekretär Frank Nägele betonte, dass es ein besonderes Gewicht gehabt habe, dass die Belegschaft „durch Lohnverzichte und weitere Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt des Unternehmens geleistet hat“. Fuchs ergänzte, man habe den Nachweis erbringen können, dass „wir nach vier Jahren Verlust ab 2017 wieder profitabel sind“.

Man arbeite mit Hochdruck an neuen Aufträgen, um Angebote auf wettbewerbsfähiger Basis machen zu können. Flensburgs designierte Oberbürgermeisterin Simone Lange zeigte sich erleichtert, dass die Werft durch den positiven Bescheid aus Kiel „ihren hoffentlich erfolgreichen Umstrukturierungsprozess gehen kann“. Es schmerze sie jedoch, dass nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden könnten.

Mit 24 Beschäftigten habe man einvernehmliche Lösungen finden können, berichtet Betriebsrat Ralf Sasse. Bei 74 Kollegen indes steht eine Entscheidung noch aus. Bis heute müssen bei zwei Dritteln von ihnen die Auflösungsverträge unterschrieben sein. Wie etwa bei Sven Marquard (Name geändert). „Man hat mir vor einer Woche meine Entlassung mitgeteilt“, sagt der junger Familienvater. Er hat die Wahl, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, in der ihm Chancen für die berufliche Zukunft außerhalb des Flensburger Traditionsunternehmens ermöglicht werden sollen. In dieser Übergangsphase würde Marquard 80 Prozent seines derzeitigen Netto-Lohns erhalten. Darüber hinaus wird ihm eine Abfindung zugestanden. Wenn nicht, dann wird es zu einer betriebsbedingten Kündigung zum Ende des Monats kommen.

Es ist ist ein Abbau von insgesamt 140.000 Fertigungsstunden vorgesehen – ein Minus von 17 Prozent. Personalabbau soll 3,6 Millionen Euro an Einsparungen bringen. Fuchs: „Damit haben wir Kapazitäten und Aufträge zur Deckung gebracht und einen Teufelskreis durchbrochen.“

Dem Sanierungsplan hatten Ende September etwa 75 Prozent der Mitarbeiter zugestimmt. Auf Anraten der Gewerkschaft und des Betriebsrats. „Doch die Abstimmung ist unter völlig falschen Voraussetzungen gelaufen“, sagt Marquard. So habe es ein Versprechen gegeben, einzelne Abteilungen nicht komplett aufzulösen. „Doch genau das ist geschehen. Die Maßnahmen ziehen sich quer durch alle Bereiche, auch den der Qualitätssicherung, wo über die Hälfte der Beschäftigten gehen muss.“ Dazu sagt Michael Schmidt, Verhandlungsführer der IG Metall: "Fakt ist, dass der Arbeitgeber beabsichtigte, einzelne Abteilungen, unter anderem die Qualitätssicherung, als Dienstleistungsbereich unter dem Dach einer eigenen Gesellschaft auszugliedern." Betroffen davon wären etwa 120 Beschäftigte, die zwar weiterhin auf dem Gelände der Werft gearbeitet hätten, aber in einen Billig-Tarif gewechselt wären."Das", so Schmidt, "haben wir im Rahmen der Verhandlungen verhindern können."

Ein weiterer Vorwurf Marquards lautet, es sei massiv mit der drohenden Insolvenz gedroht worden, wenn die Belegschaft nicht mitzöge. Der Sozialplan habe vorgesehen, langjährig Beschäftigte mit Kindern zu verschonen. Marquard jedoch berichtet, abgesehen von seinem Fall, von Betroffenen, die schon zwanzig Jahre und länger dabei sind, Familien mit fünf Kindern etwa schlitterten nun in eine ungewisse Zukunft. Sven Marquard nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich fühle mich belogen!“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Nov.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen