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Grossenwiehe : Friseursalon schließt nach 107 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für ihr Geschäft hat Inhaberin Inge Wollesen keinen Nachfolger gefunden. Ende des Monats geht sie mit 70 Jahren in den Ruhestand.

„Ich bin wirklich dankbar, dass ich das alles bis heute machen konnte. Aber irgendwann ist Schluss.“ Mit nun 70 Jahren wird Inge Wollesen ihren Friseursalon in Großenwiehe zum Ende des Monats schließen. An diesem Tag besteht der Betrieb 107 Jahre.

1910 wurde er von Bernhard Wollesen in Flensburg mit einem breit gefächerten Angebot gegründet: Von der Parfümerie über Leder- und Spielwaren bis zur „künstlichen Anfertigung sämtlicher Haararbeiten auch von ausgekämmten Haar sowie auch Spangenreparatur“. Nach der Umsiedlung um 1930 nach Schobüllhuus, heute Großenwiehe, übernahm Sohn Fritz nach dem Zweiten Weltkrieg den Friseursalon mit seiner Frau, der 1971 wiederum in die Hände von Fritz-Bernhard Wollesen und dessen Frau Inge überging. 1973 wurde der Betrieb baulich erweitert, er kümmerte sich um die Herrenhaarschnitte, sie um die Damenfrisuren.

Im Laufe der Jahre konnten beide auf eine treue, oder wie Inge Wollesen es ausdrückt, „ganz liebe Stammkundschaft bauen“. Im Herrensalon steht ein sehr großer, wuchtiger Friseurstuhl, der wegen seiner Einzigartigkeit zwischenzeitlich neu mit Leder bezogen wurde. In die Armlehne ist ein klappbarer Aschenbecher eingebaut, in früheren Zeiten ein wichtiges Utensil für manche Kunden. Für Wartende, Terminabsprachen waren für Herren nicht üblich, standen vier Stühle zur Verfügung. Nicht selten kam es vor, dass Kunden zunächst mit einem Stehplatz vorlieb nehmen musste. Aber jeder wusste, dass dies kein Problem war: Fritz-Bernhard Wollesen war in der Lage, seine Kunden in kürzester Zeit mit dem gewünschten Haarschnitt zu deren vollsten Zufriedenheit zu versorgen. Nicht zuletzt deshalb erhielt er im Dorf den Beinamen „flinke Schere“. Oder wie es Stammkunde Heinz Specht, der es eigentlich immer eilig hatte, ausdrückt: „Das war gut: rein, rauf, raus.“

Specht hat zwischendurch andere Friseure ausprobiert, ist aber immer wieder zurückgekehrt. „Hier haben meine Haare dann immer so gesessen, wie ich es wollte.“ Und zur Ruhe kam er manchesmal bei einer Tasse Kaffee, die es nach dem Haarschnitt gab. Auch einen anderen Service müssen einige Kunden wohl nun erst einmal suchen: Kunden, die nicht mobil sind, werden bis heute von zu Hause abgeholt und wieder zurück gebracht, denn vor allem die Damen wollen unbedingt im Salon frisiert werden. Seit dem Tode ihres Mannes 2008 führt Inge Wollesen den Betrieb allein. Sie kann sich dabei bis heute auf die Unterstützung von Dörte Christensen, die hier schon gelernt hat, und vor allem auf Petra Godbersen verlassen, die seit 1973 an ihrer Seite arbeitet.

„Wir hatten eine gute Zeit. Wir waren immer zufrieden.“ Und dies ist Inge Wollesen bis heute. Sie möchte nun gerne Haus und Betrieb, unabhängig von einer Nachnutzung, verkaufen. Eine Nachfolge gibt es nicht. Für ihre Angestellten kommt eine Übernahme nicht in Frage und laut Handwerkskammer gibt es derzeit auch niemanden, der sich im Ort selbstständig machen könnte.

Inge Wollesen möchte sich irgendwo im Dorf einmieten. Langweilig wird ihr nicht werden. Kegeln, Tanzen, Kartenspielen, Fahrradtouren, Busreisen und vieles mehr versprechen eine aktive Zeit in einem Dorf, in dem sie viele soziale Bindungen hat.

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