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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Frido Mann in Engelsby: Die Weltsicht eines Lieblingsenkels:

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Zuhörer hielten die Augen geschlossen, um sich besser konzentrieren zu können. Frido Mann, berühmter Lieblingsenkel Thomas Manns, stellte im Gespräch mit Pastor Klaus Guhl im Gemeindezentrum Engelsby unter Mitwirkung der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung und dem Tigerberg e.V. sein neues Buch vor: „Das Versagen der Religion. Betrachtungen eines Gläubigen“.

Schon lange beschäftige ihn die Frage „Wozu sind wir da?“, referierte Mann. Drei Gründe hat er für sich gefunden: die Musik, die Natur und – trotz allem – die Religion. Zum Thema Musik ließ er ein Stück des West-Eastern Divan Orchestras spielen, dem auch sein Buch gewidmet ist. In dieser Formation spielen israelische und arabische Musiker unter der Leitung von Daniel Barenboim zusammen.

Beim Thema Naturwissenschaft schlug er einen Bogen von Galileo Galilei bis zu Werner Heisenberg, seinem Schwiegervater. Spätestens hier wurde deutlich, wie sehr Frido Manns eigener Lebensweg sein Weltbild prägt. Er studierte Musik, promovierte in Theologie und habilitierte sich in Psychologie. Immer auf der Suche nach seinem eigenen Weg vor dem Hintergrund seiner Überväter. Wegen seines Schwiegervaters hat er viel über Quantenphysik nachgedacht, gelangte zu einem Weltethos, das den Zuhörern viel Konzentration abforderte.

Zuletzt das Thema Religion. Da habe er ein „gepatchworktes“ Bild, so Kirchenmann Guhl. Mann bestätigte dies, indem er buddhistisches Gedankengut einfließen ließ. Außerdem seien Religionen von Menschen gemacht aus einem bestimmten Zeitgeist heraus, der heute nicht leicht verstanden werde. Verse aus Matthäus’ Bergpredigt wurden zitiert. Das rief St.-Jürgen-Pastor Stefan Henrich auf den Plan. Woher denn dieses Zerrbild der Kirche rühre? Mann wiegelte ab, zeigte am Ende ein Bild: die Stalingrad-Madonna, das Bild des Arztes und Künstlers Kurt Reuber, im Krieg zu Weihnachten gemalt und beschrieben mit den Wörtern „Licht, Leben, Liebe“. Das seien auch seine Maximen, sagte Mann. So einfach war das am Ende dann doch und erstaunlich viele stellten sich zum Signieren des schwierigen Buches an. Man fragte sich allerdings, ob nicht der Name mehr Zugkraft hatte als Frido Manns Weltbetrachtungen.

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erstellt am 24.Feb.2014 | 14:06 Uhr

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