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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:08 Uhr

Asyl in Flensburg : Flüchtlingshelfer suchen neue Paten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erstmals seit der großen Welle der Hilfsbereitschaft findet nicht jeder Geflohene sofort Kontakt zu einer Flensburger Familie.

Sie haben 100 engagierte Paten und 54 feste Patenschaften zwischen Flensburgern und Flüchtlingen vermittelt. Doch manch ein Engagierter der ersten Generation braucht auch mal eine Pause. „Am Anfang hatten wir einen großen Pool“, erzählt Yentl Bylda von der Flüchtlingshilfe. Doch die erste große Welle der Euphorie sei abgeebbt. Dagegen sucht manch ein Geflüchteter, der vielleicht schon ein paar Wochen oder Monate in Flensburg ist, erst jetzt Kontakt, nachdem er erstmals zur Ruhe gekommen ist.

Das bedeutet: Zum ersten Mal seit der großen Welle der Hilfsbereitschaft des Herbstes 2015 findet nicht jeder Asylbewerber, der in der Stadt ankommt, Kontakt zu Flensburger Familien. „Wir haben derzeit 15 junge Flüchtlinge, die wir nicht adhoc vermitteln können“, sagt Alexandra Dirksen von der Flüchtlingshilfe. Für manch einen Geflohenen habe eine solche eine Patenschaft nun eineine noch größere Bedeutung als unmittelbar nach der Ankunft: „Jetzt ist es noch wichtiger als am Anfang, weil sie schon ein paar Brocken Deutsch sprechen“, ergänzt Dirksen.

Was Interessierte Paten in spe mitbringen müssen? Jedenfalls weder Sprachkenntnisse in Arabisch noch in Persisch: „Wir erwarten nur Offenheit und Interesse an der Kultur“, sagt Alexandra Dirksen. Für rechtliche Dinge, Wohnungssuche und vieles mehr gebe es andere Ansprechpartner. Sich treffen, miteinander reden, die Stadt zeigen oder gemeinsam irgendwo etwas essen. Nur alltägliche Dinge sollen die Paten mitbringen und natürlich ein bisschen Zeit: „Die meisten Paten treffen sich ein- oder zweimal pro Woche.“

Die Asylsuchenden füllen im neuen Domizil der Flüchtlingshilfe in der Roten Laterne (Schiffbrücke 45) einen Steckbrief aus, aus dem der Stadtteil, Interessen, Wünsche oder Hobbys hervorgehen. Manchmal werde einfach auch nur ein Gleichgesinnter gesucht, sagt ein Flüchtlingshelfer und berichtet von einem Schachspieler: „Der suchte nur jemanden zum Schachspielen.“ Natürlich biete sich eine Patenübernahme auch an, wenn sich jemand dafür interessiere, eine Sprache aus den Herkunftsländern er Geflohenen zu lernen – zum Beispiel Arabisch oder Kurdisch.

Beim normalen Patenschaftsmodell vermittelt die Flüchtlingshilfe Zuwanderer über 18 Jahren oder Familien. Neu ist nun ein Patenschaftsmodell für Minderjährige in Kooperation mit „Refugees welcome“, der Flüchtlingshilfe vom Bahnhof, die jetzt im Westflügel des Bahnhofsgebäudes residiert.

Imke Hemsen, Pia Knies und Kai Dichter von Refugees Welcome haben festgestellt, dass die Jugendlichen ganz gut versorgt sind, es aber an Freizeitaktivitäten mangelt. Gerade waren sie mit einer Gruppe jugendlicher Flüchtlinge im Kletterpark in Eckernförde. „Weder das Heim noch Vormünder können das leisten, und die Jugendlichen nehmen das dankbar an“, sagt Kai Dichter. Einzige zusätzliche Bedingung für den Kontakt zu Jugendlichen: ein erweitertes Führungszeugnis, das es dafür kostenlos im Rathaus gebe.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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