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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:49 Uhr

Folk Baltica : Flotter Folk am Krankenbett

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Akkordeon-Konzert in der Diako-Kirche konnten immobile Patienten über die Hausanlage mithören.

Flensburg | Liegen geht und ein bisschen laufen auch schon. Aber länger sitzen sollte Brigitte Gaartz, Jahrgang 1948, noch nicht nach ihrer Operation am Donnerstag am Wirbelkanal und zwei Bandscheiben. „Einen Tag später wäre ich gern runtergegangen“, sagt die Patientin und meint die Diako-Kirche. Den Termin in der Diako hat die Frau aus Heikendorf bei Kiel bewusst so vereinbart, weil es in Flensburg diese „super Neurochirurgin“ gebe, erklärt sie.

In der Diako-Kirche begrüßt Vorstand und Pastor Wolfgang Boten unterdessen das Folk-Baltica-Publikum und die jungen Akkordeonisten Kristoffer Kleiveland und Sindre Fotland aus Norwegen. Brigitte Gaartz kann auch auf Station D4 an dem Ereignis teilhaben, denn das Konzert im wohl ungewöhnlichsten Ambiente wird über die Hausanlage in die Patientenzimmer übertragen.

Und schon wippt der Fuß, als der richtige Sender gefunden ist und die ersten Akkordeon-Töne über Kopfhörer Brigitte Gaartz erreichen. „In der Familie lieben wir alle Musik“, sagt die Chefin einer medizinischen Fußpflege-Praxis, deren Betrieb derzeit die drei Angestellten wuppen.

Als Kind habe sie selbst Akkordeon spielen gelernt und Flöte und später sogar Gitarren-Unterricht gegeben. Gaartz liebt „alles an Musik“, vor allem kraftvolle und Jazz in jeder Facette, auch experimentellen. Vom Flensburger Folk-Festival hat die Musik-Liebhaberin indes noch nicht gehört. Nicht einmal eine Stunde vor Konzertbeginn um 14 Uhr landete das Flugblatt mit Informationen zum norwegischen Duo auf ihrem Tablett. Sie zögerte nicht und schaltete sich zu. Auch ihre Zimmernachbarin ist neugierig geworden und genießt das Konzert nun mit geschlossenen Augen.

Kristoffer Kleiveland und Sindre Fotland sind gerade mal Mitte 20 und beherrschen ihre Kunst virtuos. Auf Englisch erzählen sie der heterogenen Zuhörerschaft in der Diako-Kirche Geschichten über ihre Lieder. Ein Halling, ein traditioneller Volkstanz in Norwegen, zum Beispiel sei dem Moment gewidmet, wenn man im Hause etwas selbst reparieren will und der Hammer auf den Daumen trifft. Einem Tanzlied von der Westküste fehlen nur noch die Schuhplattler, um auch in die Berge zu passen.

Getragen und doch voll positiver Kraft klingt der Song „Longing“, den Sindre Fotland für seinen Cousin geschrieben hat, der beim Terroranschlag vor fünf Jahren in Norwegen ums Leben kam.

www.folkbaltica.de


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erstellt am 30.Apr.2016 | 12:45 Uhr

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