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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:44 Uhr

Dolphin-Watching in Flensburg : Flipper in der Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum ersten Mal halten sich Große Tümmler in der Innenförde auf – in Schweden, wo sie vorher waren, wurden sie Selfie und Delfie getauft.

Flensburg | Auf der Mole in Sonwik bilden sich je nach Tageszeit und Kajak-Aufkommen in der Förde derzeit größere oder kleinere Menschentrauben. Der Grund sind seltene Gäste: Zwei Große Tümmler halten sich seit einer Woche in der Innenförde auf. Freudige „Ohs“ und „Ahs“ aus der Menge erklingen, sobald sich die beiden Delfine sehen lassen, gar aus dem Wasser aufsteigen und Sprünge vollführen.

Tatsächlich ist ihr Besuch eine kleine Sensation: Diese ist die erste Sichtung von Großen Tümmlern in deutschen Gewässern der Ostsee seit mehr als 160 Jahren. Lediglich einmal zuvor, am 26. Juni 1852, sei eine große Schule von Großen Tümmlern im Greifswalder Bodden beobachtet worden, weiß Dr. Harald Benke. Für die Jahre 1842 und 1882 verzeichnet die Statistik außerdem zwei Strandungen eines toten Tieres, erst bei Stralsund, dann bei Lübeck. Benke leitet seit 1995 das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Er hat über Delfine und Wale promoviert, forscht seit 1990 dazu.

 

Von den beiden Flensburger Delfinen hat er natürlich schon gehört. „Sie treiben sich schon seit dem letzten Sommer in der Ostsee rum“, kann Benke mit Gewissheit sagen. Eigentlich lebten sie in der Nordsee. Zunächst seien sie in Richtung Osten unterwegs gewesen, hätten dann „Urlaub in Südschweden“ (in Kalmar) gemacht. Von Paddlern gebe es hervorragende Fotos. Aufnahmen von den Rückenfinnen beispielsweise helfen bei der Bestimmung – der Museumsdirektor spricht von Foto-Identifikation und „Citizen Science“. Für die Registrierung von Sichtungen gebe es die App „Ostseetiere“ aus seinem Hause, bemerkt der Chef des Meeresmuseums. Seine Kollegen und er seien immer dankbar, wenn Leute sie informierten. So können die Wissenschaftler den Weg der Tiere verfolgen, ohne Sender anzubringen. Die schwedischen Flipperfreunde haben die beiden Selfie und Delfie getauft und sogar eine Facebook-Gruppe (Kalmarsunds delfiner) eingerichtet.

 

Den Klimawandel macht Benke nicht dafür verantwortlich, dass sich die beiden Großen Tümmler derzeit in der Ostsee aufhalten, sondern den Zufall. In den letzten Wochen scheinen sie an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns entlang langsam weiter gen Westen zu ziehen. Die beiden seien rechtzeitig vor dem Frost geflohen und könnten hier überleben, sagt Benke. Große Tümmler hielten sich gern küstennah auf und ernährten sich von Hering, Makrelen und auch Tintenfischen. Anhand des Bildmaterials sei ersichtlich, dass der größere der Delfine ein Männchen sei; ein dänischer Kollege sei der Meinung, dass das auch für den kleineren zutrifft.

Horst-Dieter Hansen attestiert den Delfinen einen „Spieltrieb“. Sie seien sehr zutraulich und hätten regelrecht um die Boote seiner Kollegen herum gespielt, sagt der Vorsitzende des Flensburger Fischereivereins. „Friendly dolphins“ nenne man in der Regel Einzeltiere, die den Kontakt zu ihrer Schule verloren haben und Ersatz bei Menschen suchen, erklärt Experte Harald Benke. In diesem Fall sei es das erste Mal, dass sich zwei Tiere so verhalten.

Konkurrenz machten sie den Fischern nicht. Keineswegs, winkt Horst-Dieter Hansen mit einem Lachen ab: „Ich freue mich, dass wir die hier haben. Die sollen sich schön satt fressen.“ Sobald sie hier kein Futter mehr finden, würden sie weiterziehen, vermutet Fischer Hansen.

 

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erstellt am 13.Feb.2016 | 08:15 Uhr

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