zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 04:04 Uhr

Zwischen Bahn und Westumgehung : Flensburgs unbekannte Wildnis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der BUND setzt im Scherrebektal erfolgreich Heidschnucken gegen wild wuchernden Staudenknöterich ein.

Die Heidschnucken machen sich rar an diesem leicht verhangenen Mai-Tag. Vielleicht haben sie Respekt vor Ole Eggers, der ist immerhin neuer Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes und nach Flensburg gekommen, um sich nicht zuletzt die Heidschnucken anzuschauen. Die sind hier seit etwa zwei Jahren zu einem ganz besonderen Einsatz abkommandiert. Sie bekämpfen den wild wuchernden japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica), indem sie ihn massenhaft vertilgen.

Schon der Eingang zur BUND-Naturschutzfläche Scherrebektal ist schwer zu finden. Quasi vom Hof der Straßenmeisterei an der Husumer Straße biegt man rechts ab; der Kontrast zur stark befahrenen Straße und zur in der Nähe verlaufenden Westumgehung könnte größer nicht sein: Sofort ist man von Grün umhüllt, taucht quasi ein in die Natur und wird sofort von ihr verschluckt. Seit 20 Jahren betreut die Flensburger Ortsgruppe des BUND diese relativ kleine Fläche im Süden Flensburgs; sie setzt sich jenseits der Bahntrasse nach Dänemark bis zur Stadtgrenze als extensiv beweidete Ausgleichsfläche fort. An diesem Tag führt Heike Sehl, seit vielen Jahren beim BUND engagiert, den Diplom-Biologen Eggers durch das Areal.

Nach einem Abstecher zu den Amphibienteichen ist sie schnell am Ufer der Scherrebek, die hier in einem engen Kerbtal mit ordentlich Gefälle zu Tal plätschert: „Nach einem starken Regen wird sie zu einem rauschenden Bach und überflutet die Pfade“, sagt Sehl. Hier gebe es sogar Forellen. In den benachbarten Teichen findet der Eisvogel, der sich an diesem Tag aber nicht zeigt, Stichlinge und Rotfedern. Es ist eine Idylle wie aus dem Naturführer des BUND.

Doch die Heidschnucken sind nicht zu sehen, ihre Hinterlassenschaften indes an vielen Stellen. Heike Sehl ruft nach ihnen und hat sogar „Leckerlis“ mitgebracht – einige Stengel frisches Fallopia japonica, die sie am Eingangsbereich des Areals geerntet hat. Der Staudenknöterich ist ein Neophyt, eine eingeschleppte Pflanze, die sich in unseren Breiten sehr wohl fühlt und sich ungehemmt ausbreitet. Als der BUND die Fläche an der Scherrebek übernahm, hatte er große Teile bereits überwuchert – bis jemand auf die Idee kam, es mit Heidschnucken zu versuchen. Und die haben dem Japaner mächtig zugesetzt, so dass er heute nur noch in den Randbereichen vorkommt. Das kommt den hier heimischen Pflanzen zu Gute.

Und am Ende finden Heike Sehl und Ole Eggers auch die Miniherde aus vier erwachsene Schafen und vier Lämmern. Sie haben sich im Schatten einiger dicht stehender Bäume und Büsche zurückgezogen und betrachten die Zweibeiner abwartend. Ihre Anschaffung haben die Flensburger Umweltschützer mit Mitteln der Bingo-Umweltlotterie finanziert, was dem NDR sogar einen TV-Beitrag wert war.

Gegen Ende der Naturführung kommt Ole Eggers um einen kommunalpolitischen Exkurs nicht herum. Heike Sehl zeigt ihm die Schmetterlingswiese, eine windgeschützte Trockenrasenfläche, die sommers sehr warm wird. Hier gibt es Zauneidechsen, den seltenen Sandlaufkäfer und weitere Raritäten der Fauna. „Und hier wollten die Bauwagenbewohner der Luftschlossfabrik hin“, berichtet Sehl. Ganz abgesehen vom Naturschutz wäre es schwierig mit der Zufahrt geworden; zudem gibt es weder Strom noch Wasser oder Abwasser.

Eggers lobt das Engagement der Ehrenamtlichen im BUND, lässt aber auch nicht unerwähnt, dass man die Kieler Regierungspolitik kritisch begleiten werde. Er nennt Verkehrsprojekte wie die A20, aber auch die Entsorgung von Atommüll und den Ausbau der Windkraft.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 12:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen