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Flensburger Tageblatt

30. September 2016 | 01:48 Uhr

Streit im Trägerverein : Flensburger Stadion: Hinter den Kulissen brodelt es

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Schwarze Kassen“ und andere Vorwürfe: Ex-Vorstandsmitglied attackiert Spitze des Stadion-Trägervereins – und tritt zurück.

Flensburg | Der Trägerverein Flensburger Stadion steht schwer unter Beschuss. Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen den Vorsitzenden Hans-Joachim Schröter, dem „selbstherrliches und undemokratisches“ Verhalten vorgeworfen wird. Absender der unverblümten Kritik ist der bisherige stellvertretende Vorsitzende Friedhard Temme. Schröter weist die Anschuldigungen von sich und schießt verbal zurück. Ein entsprechender Schriftwechsel liegt unserer Zeitung vor.

Am 7. Oktober dieses Jahres sollte Temme im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seines Amtes enthoben werden. Doch diesem Schritt kam er mit seinem Rücktritt zuvor.

Erst im April war er auf einer Mitgliederversammlung als stellvertretender Vorstand bestellt worden. Sein Aufgabengebiet umfasste die Organisation des Spiel- und Trainingsbetriebes. In der Begründung zur Abwahl führt Schröter aus, dass Temme diese Tätigkeit de facto gar nicht auszuüben gedachte. „Sein Ziel war es vielmehr primär, die Aufgabenverteilung innerhalb des Vorstandes zu hinterfragen.“ Es sei ihm darum gegangen, vermeintliche Fehler aufzudecken, „um die Vorstandssitzungen mit ständigen Vorwürfen zu belasten, den 1. Vorsitzenden zu diskreditieren und aus dem Amt zu drängen“.

Tatsächlich implizieren die Anschuldigungen strafbares und haftungsauslösendes Verhalten. Temme listet auf: Illegale Arbeitnehmerüberlassung, Verstoß gegen Sozial- und Steuerabgaberichtlinien, Nichteinhaltung von Arbeitsschutzgesetzen und Verstoß gegen die Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeiten nach dem Mindestlohngesetz.

Der Vorstand habe zudem Einnahmen nicht ordnungsgemäß verbucht und damit letztlich „schwarze Kassen“ geführt. Dies bestätigt etwa Jan Dreier, Vorsitzender des LK Weiche, der mit Schröter nicht das erste Mal über Kreuz liegt und ihm eigenmächtiges Handeln vorwirft: „Dass Schwarzgelder geflossen sind, kann ich aus meiner eigenen Zeit im Vorstand eidesstattlich bezeugen.“ Auch er kritisiert, dass der Vorsitzende einstimmig (während seines Urlaubs) gefasste Beschlüsse des Gesamtvorstandes einfach ignoriert und letztlich für unwirksam erklärt habe. Die von Temme erhobenen Vorwürfe, bekräftigt Dreier, bestünden auch nach dessen Rücktritt weiterhin. „Hier läuft eine Menge seit Jahren schief und spitzt sich gerade zu.“

Was aber hat es mit den angeblich „schwarzen Kassen“ auf sich? Es geht zum einen um Fußball-Turniere zu Pfingsten und um den Staffeltag 2015. Hier soll laut Temme Bargeld geflossen sein, das nicht in Büchern erfasst wurde. Temme an Schröter: „Genau dies ist eine schwarze Kasse, auch wenn Sie es verniedlichen.“ Der Vorsitzende sei bis heute nicht zur Herausgabe einer chronologischen Aufstellung einer Rechnungsliste und Verbuchung über sämtliche Einnahmen bereit.

Das wird sich nach Lage der Dinge auch nicht ändern. „In dieser Atmosphäre (...), argumentiert Schröter, „sieht der übrige geschäftsführende Vorstand keine Grundlage mehr, um mit Herrn Temme in der notwendigen vertrauensvollen Art und Weise zu kooperieren.“ Gegenüber dem Tageblatt räumte er gestern ein, dass Fehler gemacht worden seien. „Da geloben wir Besserung. Aber die Angriffe gegen mich sind weit überzogen. Da ist viel böses Blut geflossen.“

Jochen Haut, Vorsitzender des Sportausschusses, ist in das Geschehen involviert. Mit einer Kommentierung möchte er sich angesichts des „laufenden Verfahrens“ zurückhalten. Aber die Vorgänge, bedauert er, „schaden der Sache, der Sport leidet darunter“. Als er von den Schuldzuweisungen das erste Mal gehört habe, sei er erschüttert gewesen, sagte er auf Anfrage. „Doch es ist sofort nachgewiesen worden, dass sie aus der Luft gegriffen sind.“ Auch die Kritik, die schon zuvor immer mal wieder aufgekeimt sei, sei glaubhaft entkräftet worden. „Das haben Steuerprüfer und Rechtsanwälte alles geprüft.“ Über die Arbeit von Hans-Joachim Schröter äußert er sich lobend: „Er hat aus dem Stadion eine Perle gemacht, die wir vorher nicht hatten.“

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erstellt am 21.Sep.2016 | 08:36 Uhr

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