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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 04:51 Uhr

15 Standorte in der Prüfung : Flensburger Luftschlossfabrik muss weiter nach Standort suchen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das gewünschte Grundstück an der Husumer Straße kommt für eine neue Luftschlossfabrik nicht infrage - denn da hausen schon Ringelnattern und Eisvögel.

Flensburg | Eines steht seit Mittwoch fest: Die Husumer Straße 165 wird nicht das nächste Quartier der Anfang des Monats zwangsgeräumten Luftschlossfabrik an der Harniskaispitze. Rathaussprecherin Katrin Ove erklärte auf Anfrage des Flensburger Tageblatts, dass die Nutzung des Grundstücks zwischen Westumgehung, Husumer Straße und Eisenbahn bei der Prüfung durch den Fachbereich Kommunale Immobilien als geeignete Fläche durchgefallen ist. Es seien aber noch 15 weitere Standorte in der Prüfung. Die Stadt möchte die Flächen aber nicht nennen, sagt aber, dass sich alle in Flensburg befinden.

Für die gewaltsame Räumung der Luftschlossfabrik Anfang Februar wurde die Stadt von vielen Seiten kritisiert - zumal es für das Gelände am Harniskai keine konkreten Nutzungsideen gibt. Die Bewohner hängen seitdem in der Schwebe.

Das weitgehend ungenutzte Areal war von den Aktivisten des alternativen Wohn- und Kulturprojektes selber als alternative Fläche ins Gespräch gebracht worden. Das Areal sei aber aus mehreren Gründen für eine Besiedelung durch Bauwagen-Bewohner ungeeignet, so Ove. So verfüge das Gelände nicht über eine erforderliche Erschließung für Strom, Wasser/Abwasser. Die sei nur mit erheblichem finanziellen Aufwand zu erstellen. Verkehrslärm und Naturschutz seien weitere Parameter bei der Untersuchung gewesen, vor allem aber, so Ove, sei das Grundstück bereits vergeben.

Das Gelände an der Husumer Straße soll für Eisvögel und andere Tiere reserviert bleiben.
Das Gelände an der Husumer Straße soll für Eisvögel und andere Tiere reserviert bleiben. Foto: Wiermann
 

Der Deutsche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nämlich hat bereits 1987 dort ein 1,7 Hektar großes Teilgrundstück von der Stadt Flensburg erworben und seither die ehemalige Müllkippe im Scherrebektal in ein einmaliges Biotop verwandelt, in dem sich beispielsweise Eisvögel, Ringelnattern und Zauneidechsen tummeln, so der BUND in einer Mitteilung. Ein Umzug der Luftschlossfabrik dorthin würde deren Biotope in Gefahr bringen. Auch die seit 2004 und 2007 hinzugepachteten Flächen stünden nicht für eine menschliche Besiedelung zur Verfügung, weil hier schützenswerte andere Biotope durch Schafe und Galloways beweidet werden.

Die Luftschlossfabrik vor der Räumung.
Die Luftschlossfabrik vor der Räumung.
 

„Eine Besiedelung dieser Fläche würde die jahrelange Arbeit der Kreisgruppe zunichte und Flensburg um ein kostbares Stück Natur ärmer machen“, schreibt der BUND. Die Flensburger Kreisgruppe habe durchaus Verständnis für das Anliegen der Luftschlossfabrik, möglichst schnell einen neuen Standort zu finden. Hierbei müssen aber die Interessen und Belange anderer Gruppen berücksichtigt und insbesondere dem Natur- und Artenschutz Priorität eingeräumt werden.

Die Luftschlossfabrik während der Räumung.
Die Luftschlossfabrik während der Räumung.
 

Für die Vertriebenen vom Harniskai, deren Bauwagen zur Zeit neben der Europawiese stehen, bleibt die Lage dennoch vergleichsweise entspannt. Die Prüfung der anderen Flächen werde noch einige Wochen dauern, so Ove. „So lange können die Wagen dort auf jeden Fall stehen bleiben.“

Die Luftschlossfabrik nach der Räumung.
Die Luftschlossfabrik nach der Räumung.

Die Luftschlossfabrik musste Anfang Februar von der Harniskaispitze weichen, die die Bewohner über Jahre besetzt hielten. Das Gelände wurde unter großem Polizeieinsatz geräumt - dabei kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und mehreren Festnahmen.

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erstellt am 18.Feb.2016 | 09:40 Uhr

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