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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 17:13 Uhr

Zweigeißelalge : Flensburger Förde: Warum das Wasser einer braunen Suppe gleicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Biologen und Badegäste sind weitgehend entspannt angesichts der Algenfelder in der Förde – nur die Touristiker sind wenig begeistert.

Flensburg | So richtig lecker sieht die orange-bräunliche Färbung nicht aus, die die Ostsee seit Freitag in der Innenförde dominiert. Immerhin, sie ist offenbar völlig „ungefährlich und nicht giftig“, bestätigte am Montag Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek (LLUR) – und ist derzeit an der Ostseeküste lediglich im Flensburger Innenhafen und in der Nähe der städtischen Strände anzutreffen.

Ursache ist das auf Grund der Hitze vermehrte Auftreten der Zweigeißelalge (Prorocentrum minimum), so Hauptkommissar Christian Arndt, Wasserschutzpolizei Flensburg. Man habe Proben genommen und an das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) geschickt. Ergebnis: ungefährlich.

<p>Der Anblick erstaunt Einheimische und Urlauber: Das Fördewasser ist braun.</p>

Der Anblick erstaunt Einheimische und Urlauber: Das Fördewasser ist braun.

Foto: Antje Walther

Die Intensität der braunen Suppe ist täglich wechselnd. An der Hafenspitze war die Algensuppe am Montagnachmittag zum Beispiel kaum mehr erkennbar, womöglich hatte der hier mündende Mühlenstrom für ausreichend Verdünnung und Verteilung gesorgt. Weiter nördlich am Ballastkai und vor allem im Industriehafen und der Marina Sonwik hatten sich die Algen festgesetzt. Von der Werft zog der kleine Teppich mit der „Linsenförmigen Zweigeißelalge“ einmal quer über die Innenförde nach Sonwik. Und je nach Wind und Stömung waren Sonntag und Montag abwechselnd die Strände Wassersleben und Ostseebad betroffen. Und Montag war das bräunliche Algenfeld auch vor dem Strand von Solitüde erkennbar.

„Es ist schon bemerkenswert, wie die Förde jetzt aussieht. Ich kann mich nicht an so eine Algenblüte in der Flensburger Förde erinnern“, sagt Biologe Dr. Dennis Barnekow von der Europa-Universität. „Zurzeit ist allerdings nichts bekannt, was für den Menschen bedenklich sein sollte“, ergänzt der Biologiedidaktiker. Sicherlich habe die Wettersituation und die geringe Strömung zur schnellen Ausbreitung beigetragen. „Wenn das Wetter umschlägt und bei uns stürmisch wird, dürfte sich die Färbung wieder verteilen.“ Die rote Farbe komme von den Carotinoiden, die in dem Farbstoff der Panzergeißler enthalten sind.

Flensburgs Touristiker dagegen könnten auf das meeresbiologisch seltene Phänomen gut verzichten. Stadt und Förderegion sind mit sehr vielen Badegästen derzeit touristisch ausgebucht. „Wir haben tatsächlich bislang aber gar keine Anfragen von Badegästen“, sagt Gorm Casper von der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff). Das erklärt er sich damit, dass das Phänomen zunächst fast ausschließlich auf den Innen- und Industriehafen begrenzt war. Klassische Urlauber-Badegäste buchten wohl eher in Glücksburg und der Außenförde, wo das Phänomen bislang nicht gesichtet worden sei. Casper hofft, dass sich das biologische Phänomen mit dem nicht ganz so heißen Wetter der kommenden Tage rasch wieder verzieht: „Das sieht nicht so schön aus.“
 

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erstellt am 25.Jul.2016 | 23:20 Uhr

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