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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Glücksburg : Flensburger bietet nur eine Million Euro für Villa von Marco Hahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim zweiten Versteigerungstermin gab es zwei Interessenten – doch sie blieben beide unter dem Mindestgebot.

Flensburg/Glücksburg | Gehen Sie zur Schlossallee – begeben Sie sich direkt dorthin! Katharina Koll und Alexander Schwennse, 20 Jahre jung, gehen die Augen über. Die beiden Azubis am Flensburger Amtsgericht blättern in der Objektbeschreibung einer Villa, die keine Wünsche offen lässt. Das mondäne, 1652 Quadratmeter fassende Gebäude beherbergt neben herrschaftlich hohen Zimmern mehrere Küchen und exklusive Bäder, Swimmingpool, Weinkeller, Fitnessraum, Kamine. Die repräsentative Immobilie, des aus Flensburg stammenden Unternehmers Marco Hahn, zentral am Ortseingang von Glücksburg gelegen, ist in der Zwangsversteigerung – doch niemand will sie haben.

Es ist der zweite Termin für die Auktion des Anwesens mit einem Verkehrswert von 4,17 Millionen Euro. Bei einer ersten Auktion im Februar gab es keinen einzigen Kaufinteressenten für das Glücksburger Anwesen. Als Gläubiger treten auf: Ein Vertreter der Baden-Württembergischen Landesbank (5,12 Mio. Euro) und der Nospa (2,3 Mio. Euro). Ein gutes Dutzend Interessierter will das Prozedere verfolgen: Insider aus der Branche und Neugierige, die sich vielleicht eine spektakuläre Bieterschlacht um eine spektakuläre Prachtvilla erhoffen. Immerhin ließ sie im Jahr 2000 ein Mann mit schillerndem Namen erbauen – Marco Hahn. Als jetzige Besitzerin firmiert dessen Ehefrau Claudia, wie die Rechtspflegerin verliest. Gut gelaunt wirft sie die Frage in den Raum: „Sind das alles hier nur Zuschauer? Ich hoffe doch auf den einen oder anderen Interessenten.“

Blick vom Rüder See auf das Traumhaus: Dem Wertgutachten zufolge betrug der Herstellungswert im Jahr 2000 knapp drei Millionen Euro.
Traumhaus am Rüder See: Dem Wertgutachten zufolge betrug der Herstellungswert im Jahr 2000 „nur“ knapp drei Millionen Euro – doch selbst für zwei Millionen will es derzeit niemand haben. Foto: Michael Staudt

Als sie um Punkt 10.08 Uhr die Auktion eröffnet, sieht es nicht anders aus als im Februar. Das Mindestgebot liegt bei 2,085 Millionen Euro. Nichts regt sich, die Gäste starren in die Runde, auf ihre Handys oder blättern in einer Zeitschrift. „Na, dann werden das lange 30 Minuten“, sagt die Rechtspflegerin, immer noch bester Laune. Sollte in diesem Zeitrahmen nichts passieren, könne das Verfahren gesetzlich eingestellt werden, doziert sie. Sollte allerdings jemand beabsichtigen, eine Million „ohne Risiko“ zu bieten, könne eine dritte Runde eingeläutet werden. „Dann wären keine Bietergrenzen mehr vorhanden.“ Allerdings, fügt sie hinzu, könnten die Gläubiger das Verfahren auch endgültig beenden.

Dann passiert das Unerwartete: Ein bekannter Flensburger Immobilienmakler tritt auf den Plan – mit den Worten: „Ich möchte hier mal ein bisschen Bewegung reinbringen.“ Und bietet die avisierte Million. „Das Haus steht dir gut!“, ruft ihm einer der Gäste zu. Der potenzielle Käufer ist vom Fach, er weiß, dass er „bestimmt eine weitere Million“ investieren muss. Der Sanierungsstau nach acht Jahren Leerstand dürfte gewaltig sein. „Und im Garten ist bestimmt seit einem Jahr nichts mehr gemacht worden“, sagt Rechtsanwältin Helga Knaack, die das Haus seit Kurzem zwangsverwaltet. Und fügt hinzu: „Aber wer das kauft, hat natürlich auch einen Gärtner.“

Noch zwei Minuten bis zum Ende der Bieterfrist. Da erscheint zum großen Erstaunen aller ein grauhaariger Mann, um sein Gebot abzugeben. „Sie haben ernsthaftes Interesse?“, fragt die Rechtspflegerin. „Sonst würde ich“, antwortet der rüstige Senior leicht entrüstet, „hier nicht stehen.“ Er legt noch einmal 1000 Euro drauf. Beide Bieter liegen unter dem Mindestgebot, ihnen bleibt der Zuschlag versagt – und der Schlossallee 60 ein neuer Besitzer.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 07:34 Uhr

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