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Flensburger Tageblatt

27. Juni 2016 | 07:57 Uhr

Kontrolle durch die Polizei : Flensburg: Jugendämter schließen Einrichtung für Mädchen

vom

Die zehn Bewohnerinnen der Jugendeinrichtung wurden in andere Häuser gebracht. Der Grund für die Schließung ist offenbar ein Drogenfund. Die Betreiber sind entsetzt.

Flensburg | Das Landesjugendamt hat am Freitag eine Jugendeinrichtung in Flensburg wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauchs geschlossen. Es habe Hinweise auf den Konsum harter Drogen gegeben, sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Frank Lindscheid, am Samstag. In der Einrichtung in der Wrangelstraße hätten zehn Bewohnerinnen gelebt, die nun anderweitig untergebracht worden seien.

Es habe sich um eine gemeinsame Aktion mit den Jugendämtern der Stadt Flensburg und dem Kreis Schleswig-Flensburg gehandelt, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Die Jugendämter hätten am Freitag die Einrichtung mit insgesamt zwölf Plätzen gemeinsam mit der Flensburger Polizei kontrolliert.

Nach Angaben des Sprechers waren die Träger aus Sicht des Landesjugendamtes (LJA) nicht in der Lage, das Kindeswohl sicherzustellen. Deshalb sei der Entzug der Betriebserlaubnis angeordnet worden. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) erklärte, der Fall mache deutlich, wie das Landesjugendamt arbeitet. Wenn Hinweise eingingen, ergreife man sofort die erforderlichen Maßnahmen. „Dabei ist klar: Wenn das Kindeswohl nicht mehr gewährleistet werden kann, wird umgehend - wie hier - eine Einrichtung auch geschlossen“, sagte Alheit.

„Die Stellungnahme der Sozialministerin ist eine politische Sprechblase, die dazu dient, das völlig unangemessene Handeln des Landesjugendamtes pauschal zu rechtfertigen“, sagt Einrichtungsleiter Rolf Nagel gegenüber shz.de. Das Wohl der Kinder sei von der staatlichen Heimaufsicht mit Füßen getreten worden. Eine 30-jährige Arbeit der Träger werde in übelster Weise diskreditiert. „Das Landesjugendamt lässt sich instrumentalisieren“, sagt Nagel. Der Drogenfund sei von einer Jugendlichen inszeniert worden, die demnächst entlassen werden sollte und dies nicht wünschte. Weitere anonyme Hinweise gingen offenbar von zwei entlassenen Mitarbeiterin aus, sagt der Diplom-Sozialpädagoge. „Es war keinerlei Gefahr im Verzuge, sämtliche Entsendestellen (Anm. d. Red.: Jugendämter) und Eltern der Minderjährigen stehen geschlossen zu unserer Arbeit.“

In den nächsten Tagen stand der Umzug an den Standort Langballig auf dem Programm. Dieser sei vom Landesjugendamt zuvor in positiver Weise geprüft worden. Nagel sieht im Vorgehen des Landesjugendamtes eine Übersprungshandlung. „Das soll offenbar vom langjährigen Versagen in der ,Friesenhof Affäre‘ ablenken“.

Und weiter: „Wir haben ultimativ die Rücknahme dieser Schließung beantragt und die Behörde aufgefordert, den seit langem laufenden Antrag auf Betriebserlaubnis für den neuen Standort Langballig positiv zu bescheiden.“ Man werde mit allen juristischen Möglichkeiten gegen das LJA und das Stadtjugendamt Flensburg vorgehen.

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erstellt am 05.Mär.2016 | 18:32 Uhr

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