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Regionalplaner im Rathaus : „Flensburg ist eine Aufsteiger-Stadt“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ulf Hahne von der Uni Kassel sieht gute Perspektiven für das Oberzentrum, aber auch ein paar Probleme.

Damit die Flensburger wirklich glauben, wie toll ihre Stadt ist, braucht es zuweilen den Blick von außen – am Mittwochabend brachte Regionalökonom Ulf Hahne von der Uni Kassel diesen Blick ein. Zum „Plädoyer zur Stärkung Flensburgs als Oberzentrum“ hatte die Stadt ins Technische Rathaus geladen – und Hahne startete mit dem hoffnungsvollen Statement: „Flensburg ist eine Aufsteiger-Stadt.“ Dann zitierte er die jüngste Prognos-Studie, die Flensburg unter den Aufsteiger-Regionen auf Platz 5 sah. Immerhin hatte die Stadt 67 Plätze gut gemacht unter rund 400 Kreisen und Städten.

Dass Flensburg ein absolut attraktiver Zuwanderungsort für junge Leute ist, zeige die positive Entwicklung bei der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen – also überwiegend Studenten und Auszubildenden. Allerdings setze sich diese Entwicklung nicht bis zur nächsten Altersgruppe fort , den 25- bis 34-Jährigen: „Was müssen wir tun, um die jungen Leute hier zu halten“, fragte Hahne, der selbst einen Wohnsitz in Flensburg hat: „Die Gewinnerstädte sind die großen Metropolen.“ Als besorgniserregenden Indikator benannte Hahn: In Flensburg lebten immer mehr Leute, die Arbeit haben. Aber die Arbeitsplätze seien nicht immer in Flensburg. Dabei hänge die Entwicklung der Stadt entscheidend von den Arbeitsplätzen ab. Hahne: „Wir exportieren Arbeitsplätze ins Umland.“

Auch beim Wohnen sieht Hahne schwierige Tendenzen. Neubausiedlungen wie in Tarup-Südost seien von Wohngebieten in den Dörfern des Umlandes kaum zu unterscheiden: „Je geringer die Dichte eines Wohngebiets, desto höher die Kosten der Erschließung.“ Nicht das Dorf in der Stadt dürfe das Ziel sein, sondern Nachverdichtung der Wohnräume sei das Gebot der Stunde. Auch Stadtteile wie die Westliche Höhe böten noch Nachverdichtungsmöglichkeiten.

Flensburgs Problem: Es gebe zu wenig Flächen für Wohnen und Gewerbe. In den 60er und 70er Jahren seien Eingemeindungen versäumt worden: „An diesem Problem hängt Flensburg jetzt fest.“ Der Landschaftsplaner von der Uni Kassel brachte auch einen Vorschlag vor: „Mit dem Umland eine Miteinander-Zone entwickeln“ – ein süffisanter Hinweis auf das nicht sehr erfolgreiche Nebeneinander von Fußgängern und Radlern an der Hafenspitze. Für Hahne ist Flensburg jedenfalls keine Stadt mit 94  000 Einwohnern – sondern ein Planungsraum mit fast 130  000 Bewohnern – also samt Harrislee, Handewitt, Wees und Glücksburg.

Stadtplaner Peter Schroeders beteuerte, dass das Stadt-Umland-Verhältnis in den aktuellen Gesprächen auf einem guten Weg sei. Flensburgs aktuelles Problem sei, dass städtische Gewerbeflächen untergenutzt seien: Das betreffe die Schleswiger Straße, Teilflächen um die Automeile, Flächen in Übergängen zu Bahnanlagen oder Flächen nördlich Schäferhaus.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 10:24 Uhr

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