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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

Diskussion um Verkehrsprojekt : Flensburg: Die Bahn gibt kein Geld für einen neuen Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg kann seine Pläne von einem Fernbahnhof wohl begraben. Die Bahn gibt keinen Cent.

Während Oberbürgermeister Simon Faber noch bei den Kommunalpolitikern mit dem Versuch unterwegs ist, sie von seinen Plänen für einen neuen Fernbahnhof und einen Regionalbahnhof am Zob zu überzeugen, hat sich die Stadt eine Klatsche von der Deutschen Bahn für diese Pläne eingefangen. Zwei DB-Geschäftsbereiche machen klipp und klar ihre Ablehnung der Vorschläge deutlich, die das Bahngutachten in Verbindung mit hohen Investitionen aufgeführt hat. Die Bahnexperten sprechen sich für die Erhaltung und Verbesserung des heutigen Bahnhofes aus. Hierzu sei allerdings Planungssicherheit notwendig: keine Spekulation um neue Standorte.

Diskussionen über einen Bahnhof am ZOB oder einen Fernbahnhof in Weiche gibt es in Flensburg seit vielen Jahren. In einer Umfrage der Stadtredaktion hatte sich im Oktober  aber die Mehrheit von CDU, SPD und Grünen gegen neue Bahnhöfe ausgesprochen.

Die Stadt hatte das Bahngutachten, das die verschiedenen Varianten für eine Flensburger Bahnanbindung aufzeigt, an die Deutsche Bahn weitergeleitet und um Stellungnahmen gebeten. Diese fallen in den Schreiben an den Fachbereich Entwicklung und Innovation der Stadtverwaltung durchweg negativ aus.

So schreibt die für den Schienenweg zuständige Abteilung DB-Netze an die Stadt, die Vorschläge aus dem Bahngutachten erforderten erhebliche Investitionen, ohne dass mehr Züge fahren und so mehr Erlöse sichtbar würden. „Die damit für die DB Netz AG nicht gegebene Wirtschaftlichkeit aller Infrastrukturvarianten wird im Falle der Realisierung jedweder Variante die finanzielle Beteiligung durch uns ausschließen.“

Die für den Bahnverkehr zuständige Abteilung DB-Regio Schleswig-Holstein lässt Flensburgs Chef-Stadtplaner Peter Schroeders wissen, das Bahngutachten stelle eine interessante Herangehensweise dar „und sollte aus unserer Sicht als eine in Teilen visionäre Konzeption betrachtet werden“.

Und dann wird es noch deutlicher: „Wir plädieren aus Sicht des die Stadt Flensburg gern bedienenden Eisenbahnverkehrsunternehmens für eine schnellstmögliche Umsetzung der aufgezeigten Maßnahmen im so bezeichneten ,optimierten Nullfall’ – sprich die Aufwertung des heutigen Bahnhofs und dessen bestmögliche Einbindung in den Flensburger Stadt- und Überlandverkehr.“

Aus dem Schreiben wird deutlich, dass DB Regio eine andere Wahrnehmung als die Flensburger beim Thema Bahnanbindung hat. „Der heutige Bahnhof bietet bereits eine gute Verknüpfung des Schienenpersonennahverkehrs und Fernverkehrs.“ Keine Rede vom dänischen Wunsch, durch Umgehen der Flensburger Schienenschleife Fahrzeit einzusparen.

Aber auch die Flensburger Auffassung, der heutige Bahnhof liege zu weit weg von der City, wird von DB Regio nicht im Mindesten nachvollzogen: „Der Bahnhof liegt mitten in der Stadt; in das Stadtzentrum sind es fußläufig zehn Minuten; mit der ausgeweiteten Linienführung des Flensburger Stadtverkehrs ist der Bahnhof aus vielen Stadtteilen umsteigefrei zu erreichen.“ Außerdem biete sich eine ausgebaute Brücke der Schleswiger Straße mit direktem Zugang zum Bahnhof als Knotenpunkt für Busverbindungen an.

Die Idee eines Regionalbahnhofes am Zob fällt bei DB Regio total durch. Neben dem hohen finanziellen Aufwand stelle die eingleisige Strecke von Wilhelminental zum Zob ein Nadelöhr dar. Unregelmäßigkeiten wirkten sich direkt auf die Betriebsqualität des Bahnverkehrs aus. An anderen Stellen werde versucht, die Durchlässigkeit der Strecken zu verbessern, „während in Flensburg bewusst ein weiteres Nadelöhr geschaffen würde“. Sollte die Strecke nach Niebüll reaktiviert werden, könnte dies problemlos mit dem heutigen Bahnhof geschehen.

„Bahnhof in Weiche – Nein, danke“ – So sehen es die Bürger:


Über den perfekten Bahnhofsstandort  wird in Flensburg intensiv diskutiert. Wäre ein Fernbahnhof in Weiche am sinnvollsten, verbunden mit einem Pendelzug  zum Zob?  Oder sollte  alles beim Alten bleiben? Hier scheiden sich die Geister, doch die meisten Befragten legen  Wert auf einen möglichst zentralen Standort.

Björn Kriegel (44) aus Engelsby würde an der Situation nichts ändern. „Ich finde alles gut so. Ich bin Wochenpendler, für mich ist so alles in Ordnung.“ Für ihn wäre ein Bahnhof in Weiche schwerer zu erreichen, der Hauptbahnhof ist ihm zentral genug. Schließlich dauert der Fußweg  zum Südermarkt nur knapp zehn Minuten.

Auch Sabrina S. (25)  aus der Nähe von Eckernförde kann sich über die Lage nicht beschweren. „Ich komme für die Schule nach Flensburg und  finde alles in Ordnung, so wie es ist. Ich brauche vom Bahnhof bis zur Schule nur noch zehn  Minuten mit dem Bus.“ 

Eine Bahnlinie direkt zum Zob trifft dagegen bei vielen Leuten auf Zustimmung.

„Es wäre günstiger, wenn der Bahnhof etwas zentraler liegen würde“, sagt Georg Rönnau aus Niebüll, der selbst öfter mit dem Zug unterwegs ist und gern nach Flensburg kommt. In anderen Städten befänden sich Bahnhöfe  auch in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt, warum also nicht auch hier.

Manuela Johannisen (53) denkt ähnlich: „Eigentlich ist  die Lage des Bahnhofs doof, lieber wäre er mir mitten in der Stadt. Es wäre gar nicht  dumm, wenn es einen Bahnhof beim Zob gäbe.“ Eine richtige Bahnlinie bis in die City würde sie sehr begrüßen. Die Idee eines Fernbahnhofs in Weiche findet sie dagegen „bekloppt“. Ein Hauptbahnhof dort wäre für sie keine Option und würde nur den Leuten nützen, die in der Nähe  wohnen.

Es stellt sich die Frage, wo das Problem der Lage des jetzigen Bahnhofs eigentlich wirklich zu erkennen ist. Ein aufgebrachter Bahnkunde bringt eine erhebliche Schwierigkeit auf den Punkt:
„So wie es ist, ist es ja wohl nur scheußlich. Die Lage ist okay, nur die Anbindungen sind ziemlich schlecht. Wenn man als Anschluss den Bus erwischen will, muss man sich ziemlich beeilen, sonst ist er weg. Es kann ja wohl kein Problem sein, hier eine gute Anbindung zu haben! Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich herkomme.“

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erstellt am 02.Nov.2016 | 00:00 Uhr

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