zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

26. September 2016 | 14:16 Uhr

Reparaturen am Salondampfer Alexandra : Flensburg: Die „Alex“ fährt zum Jungbrunnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Museumsdampfer mit großem Werft-Programm: Im März zur „Hautpflege“ nach Kiel, im September zur „Herz-OP “ nach Husum.

Flensburg | Alle Welt denkt, hinter der Plane herrscht Winterruhe. Aber das stimmt nicht. Hinter der Plane wird Flensburgs schwimmendes Wahrzeichen auf das vermutlich wichtigste Ereignis nach dem Stapellauf im April 1908 vorbereitet. In den nächsten 18 Monaten wird der Salondampfer Alexandra für stolze 600.000 Euro einen Jungbrunnen besuchen. Dieses Frühjahr wird die Haut erneuert, und dann wird’s ernst: Im Herbst geht es nach Husum. Zur Herztransplantation.

Seit 1982 ist die Alexandra als Kulturdenkmal anerkannt. Nun braucht der Salondampfer von 1908 einen neuen Kessel.

Vorne im Salon sieht’s furchtbar aus. An Backbord ist die komplette Vertäfelung abmontiert worden. Sichtbar ist jetzt, was 107 Jahre dem Meereswasser trotzte. Alexandras genietete Original-Schiffshaut – von innen betrachtet. Ist schon klar. Der erste Lack ist ab, darunter haben sich vereinzelt kräftige Rostplacken gebildet. Anderthalb Meter unter der Wasserlinie stemmt sich ein Betonblock gegen die gefährliche Ostsee-Außenwelt. Fachmännische Reparatur einer bösen Schramme, die noch vom letzten Werftaufenthalt stammt. „Wir hatten da einen kleinen Riss, der abgedichtet werden musste“, sagt Günter Herrmann vom Förderverein. „Keine Sorge, ist vom TÜV abgenommen, da passiert nichts.“ Für den Förderverein war es der Anlass, die Wandstärke des gesamten Unterwasserschiffs zu messen.

Dass die Freiwilligen vom Förderverein vorausschauend schon mal das Innenleben des Schiffes demontieren, ist dem Budget geschuldet. „Wenn wir das erst in der Werft machen, kostet das Zeit und Geld“, so Herrmann. Überraschungen gab’s auch schon. Hinter der Verkleidung warteten hunderte Meter Kabel, die nirgendwo dokumentiert sind, teilweise aus dem Nichts kommen und ins Nichts führen. „Einige standen sogar noch unter Strom“, sagt Herrmann.

Spenden, Eigenmittel, Landesmittel, Förderung durch den Denkmalschutz – nie in der zweiten Karriere des einzigartigen technischen Denkmals aus Flensburg wurde mehr in seine Zukunft investiert. Und der bevorstehende Werftaufenthalt in Kiel-Friedrichsort ist erst der erste Schritt. Über Winter bekommt das Schiff in Husum einen neuen Kessel eingepflanzt – der wohl größte Akt, den der Förderverein zu stemmen hat. Und das Schiff auch. Denn damit das drei Meter lange und dreieinhalb Meter durchmessende Herzstück des Dampfers ausgetauscht werden kann, muss die Alex an Deck großflächig aufgeschnitten werden.

Das wird in der Husumer Schiffswerft geschehen, wo die Techniker der Husumer Wulff & UMAG Energy Solutions den Tausch vornehmen werden. Der alte Kessel, sagt Herrmann, kommt an die Schiffbrücke zurück, als Ausstellungs-Objekt. Mit dem neuen Kessel will die Alex problemlos die nächsten 50 Jahre bestreiten.

Bevor das alles überhaupt geschehen kann, muss Herrmann den Dampfer erst einmal heil nach Husum bringen. „Für die Alex dürfte es die erste Nordsee-Fahrt sein. Das ist anspruchsvoll für ein Schiff, das für die Flensburger Förde gebaut wurde.“

Etwa drei Monate werden für die Operation veranschlagt. Da der Eingriff vom Dach bis zum Keller von starken Nebenwirkungen für das Interieur begleitet werden wird, will der Förderverein auch hier die Gelegenheit nutzen, das Schiff wieder näher an das Original von 1908 zurückzubauen. Zur Zeit sucht die Sanierungscrew nach zeitgenössischen Fotos, auf denen die ursprünglich verbaute Kassettenfach-Decke dokumentiert ist, die sich einst über dem Hauptdeck spannte. Wenn alles gemacht ist, kommen noch zwei hölzerne Rettungsboote hinzu, die wie 1908 wieder in ihren Davits hängen. Die Runderneuerung ist finanziell bis auf einen kleinen Rest von 30.000 Euro gesichert.


Näheres im Internet unter

www.dampfer-alexandra.de

Spendenkonto Nospa

IBAN: DE 922175 0000 0088 0089
BIC: NOLADE21NOS

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 15.Feb.2016 | 07:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen