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Flensburger Tageblatt

31. Juli 2016 | 07:24 Uhr

Nach Zwangsräumung der Luftschlossfabrik : Flensburg: Bewohner vom Harniskai suchen neues Zuhause

vom

Das Gelände der Luftschlossfabrik hatten die Bewohner mit ihren Wagen bereits verlassen, als es geräumt wurde. Jetzt wissen einige von ihnen nicht, wo sie unterkommen können.

 

Es ist der Tag danach. Am Mittwoch hat die Stadt Flensburg das besetzte Gelände an der Harniskaispitze im östlichen Hafen räumen lassen. Es war einer der größten Polizeieinsätze der vergangenen Jahre in Schleswig-Holstein. Und dabei wurde auch die Heimat von Luisa Johannsen zerstört. Die 28-Jährige ist eine der ehemaligen Bewohnerinnen der Luftschlossfabrik. Jetzt hat sie mit ihren Bauwagen Quartier an der Europawiese bezogen, nur wenige Hundert Meter von der Harniskaispitze entfernt. Wie einige andere ehemalige Bewohner auch. Sie blicken voller Trauer an den Ort zurück, wo sie bis vor kurzem noch lebten und wo nun Bagger und Kräne Autos und Gerümpel verschrotten und danach beginnen, die Gebäude abzutragen. Luisa Johannsen und die anderen wissen: Lange bleiben können sie hier nicht mehr.

Nach der Stürmung des alternativen Kulturzentrums Luftschlossfabrik an der Harniskaispitze stellt sich für ehemalige Bewohner die Frage, was nun mit ihnen passiert. Auf einem Stellplatz an der Europawiese können sie nicht bleiben, das Gelände gehört der Stadt. Die hatte versprochen, alternative Flächen zu suchen, wo Wagen abgestellt werden könnten. So einen Platz gibt es noch nicht und die Wagen-Besitzer wollen ihre Gefährte um keinen Preis zurücklassen.

Eigentlich ist es ein wunderschöner Tag, die Sonne strahlt, erfreuen kann sich Luisa Johannsen daran nicht. Die Trauer über den Abriss der Luftschlossfabrik sitzt tief. Seit Sonntagabend steht ihr Bauwagen an der Europawiese, wie einige andere Gefährte. Es gibt weder fließend Strom noch einen Wasseranschluss. Und erlaubt ist das Abstellen dort auch nicht. Die Stadt Flensburg hat schon einen Zettel an Luisas Bauwagen anbringen lassen, der darauf hinweist, dass der Stellplatz Privatgelände ist. Also muss sie dieses verlassen. Doch im Moment weiß sie nicht wohin.

Luisa Johannsen ist ein ehemalige Bewohnerin der Luftschlossfabrik. Jetzt ist sie mit ihrem Bauwagen an den Rand der nahegelegenen Europawiese gezogen.
Luisa Johannsen ist ein ehemalige Bewohnerin der Luftschlossfabrik. Jetzt ist sie mit ihrem Bauwagen an den Rand der nahegelegenen Europawiese gezogen. Foto: Victoria Lippmann
 

Die Stadt hatte den ehemaligen Bewohnern der Luftschlossfabrik versprochen, ihnen bei der Suche nach einem alternativen Stellplatz behilflich zu sein. Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Man wolle ihnen eine Abstellmöglichkeit für ihre Wagen bieten, die Suche danach laufe derzeit, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Möglicherweise kommen Flächen am Octopus Garden im westlichen Stadtgebiet an der Boreasmühle in Frage. Dort dürften sie aber nicht in ihren Wagen leben, sondern lediglich die Gefährte zurücklassen, Obdach müssten sie anderswo finden. Genau das wollen die Leidtragenden wie Luisa Johannson nicht. Für sie kommt nur ein Leben im Bauwagen in Frage. Sie hat sich für diese Art zu leben entschieden, lehnt es vehement ab, in eine Wohnung zu ziehen, fünf hatte die Stadt in Aussicht gestellt.

<p>Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange.</p>

Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange.

Foto: Staudt

An der Harniskaispitze lässt diese jetzt die Behausungen abreißen. Am Donnerstagvormittag sind dort rund 50 Arbeiter vom Technischen Betriebszentrum und einer Abrissfirma mit der Räumung des Geländes beschäftigt. Auch einige Polizisten sichern noch das die ehemalige Luftschlossfabrik. Auch in der Stadt wurde aufgestockt, es seien 30 Beamte zusätzlich abgestellt, heißt es.

<p>Auf dem Gelände ist immernoch Polizei.</p>

Auf dem Gelände ist immernoch Polizei.

Foto: Staudt
 

Die Räumung am Harniskai gestaltet sich schwierig. Nachdem die Gebäude und eine große Halle entrümpelt wurden, müssen asbesthaltige Ethernitplatten von den Gebäudeteilen entfernt werden. Arbeiter in weißen Schutzanzügen widmen sich dieser Aufgabe. Auch das Gelände wird freigeräumt, kein Geäst, kein Stock, kein Stein bleibt dort mehr liegen. Nach der Räumung soll der Abbruch der Gebäude beginnen. Die könnten bis zu zwei Wochen dauern.

<p>In der Halle wurden die Bauwagen repariert. Jetzt ist das Innere nur noch Schutt.</p>

In der Halle wurden die Bauwagen repariert. Jetzt ist das Innere nur noch Schutt.

Foto: Staudt
 

Solange wird Luisa Johannsen wohl nicht mehr vor Ort sein. Doch wohin sie es verschlägt, weiß sie nicht, sie will ja gar nicht weg. "Wir hängen jetzt alle in der Luft", sagt sie und steht von der Treppe vor ihrem Bauwagen auf, auf die sie sich gesetzt hat. Sie muss los, ihren Handyakku aufladen.

 

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erstellt am 04.Feb.2016 | 17:09 Uhr

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