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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:50 Uhr

Fischmarkt in schwerer See

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Marktleiter und Händler klagen über zu hohe Kosten und drohen das Ende der Veranstaltung für 2017 an

Uwe Bröcker schäumt. Seit Jahren schon versucht der Veranstalter des Flensburger Fischmarkts, die Bedingungen für die Durchführung der Veranstaltung am Hafen zu verbessern. Die Zeiten sind schwieriger geworden. Während ein Teil der Einheimischen und Touristen den Markt als attraktiv und Aufwertung für das Stadtbild empfindet, halten andere ihn für durchaus entbehrlich. Die Umsätze der etwa 100 beteiligten Händler sind stark rückläufig – sie seien in den letzten fünf Jahren um die Hälfte eingebrochen – die Kosten jedoch stagnieren auf hohem Niveau, beklagt der 57-Jährige. Und droht die Einstellung des Fischmarktes für 2017 an, sollte sich an diesen Verhältnissen nichts ändern. „Dann ist definitiv Feierabend. Die Marktbeschicker wollen und können nicht mehr!“

Flensburg ist ein teures Pflaster – „entschieden zu teuer“, schimpft Bröcker. Und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen seien die Stromkosten nicht länger tragbar. Achtmal im Jahr findet der Fischmarkt statt, zwischen März und Oktober jeden zweiten Sonntag im Monat. Jedes Mal werden 600 Euro für die Bereitstellung von Elektrizität und Wasser fällig. Geliefert wird von den Stadtwerken, abkassiert vom Historischen Hafen. Bröcker scheut sich nicht, in diesem Kontext das Wort „Wucher“ in den Mund zu nehmen. „15 Händler sind vom Strom abhängig. Von jedem müsste ich eigentlich 40 Euro kassieren“, rechnet der Marktleiter vor. „Aber das funktioniert nicht. Dann laufen sie mir davon.“ Also sei er gezwungen, in die Bresche zu springen.

Bröcker führt vier feste Fischmärkte landesweit durch, dazu Dreitages-Veranstaltungen wie das Irish Folk Festival oder kulinarische Events. Er vergleicht: In Kiel etwa zahle er für drei Anschlüsse jeweils 80 Euro pro Markt, in Husum würden 100 Euro fällig, in Friedrichskoog 30 Cent pro Kilowattstunde (120 Euro gesamt). „Diese Städte wollen die Märkte, in Flensburg bin ich mir da nicht mehr so sicher.“

Der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Historischer Hafen kontert die Vorwürfe. Zunächst einmal, sagt Frank Petry, seien die Kosten gesunken, nachdem man die Versorgung von einer Elektrofirma übernommen habe. Zudem werde Bröcker ein Rabatt gewährt. „Wir haben einen Mann den ganzen Tag lang in Bereitschaft, den wollen wir auch angemessen bezahlen.“ Es gehe auch um die Investitionskosten der von der Stadt gestellten Anlage, die das ganze Jahr gepflegt und gewartet werden müsse. „Wenn Herr Bröcker den Strom selbst verteilen will und wir nicht direkt mit den Händlern abrechnen, ist das ein Entgegenkommen von uns“, sagt Petry. Künftig werde das nicht mehr der Fall sein. „Wir werden dann nach den mit der Stadt vereinbarten Tarifen abrechnen.“ Keine gute Nachricht für Uwe Bröcker wie auch für die Marktbeschicker, weil die Angelegenheit sich dadurch vermutlich verteuern wird.

Wenig Bewegung also in Sicht, auch wenn Stadtsprecher Clemens Teschendorf andeutet, das Thema nochmal auf die Agenda zu setzen. Er betont aber auch, dass der Historische Hafen mit seiner Preispolitik keine Gewinne erwirtschafte: „Alle Überschüsse fließen in die touristische Infrastruktur.“

Weiterer Wermutstropfen: Eine erhoffte Senkung der Standgebühren ist nicht in Sicht. Die werden vom Technischen Betriebszentrum als Vermieter der Fläche rund um den Hafen eingezogen: 42 Euro pro Stand, zehn Euro mehr, wenn Essen und Trinken (Catering) angeboten werden. Uwe Bröcker rechnet mit dem TBZ direkt ab – und nimmt von jedem Händler im Gegenzug 15 Euro pro Meter. „Das ist realistisch am Markt.“ Eigentlich aber, sagt er, müsste er um zehn Euro erhöhen, um kostenneutral agieren zu können. Schließlich kämen auch noch Kosten für Werbung und sanitäre Anlagen obendrauf. „Aber das kann ich keinem zumuten. Dann würden vermutlich zwei Drittel der Marktbeschicker auf einen Schlag den Rückzug antreten.“

TBZ-Sprecher Geoffrey Warlies verweist auf die Sondernutzungsgebührensatzung. „Als Verwaltung müssen wir uns daran halten, wie bei jeder anderen Veranstaltung auch." Wenn es anders gewünscht sei, „ist dies Sache der Politik".

 

 


>Der nächste Fischmarkt am Hafen findet am Sonntag, 11. September, statt.

 

 

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erstellt am 29.Aug.2016 | 08:21 Uhr

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