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Friholtschule Flensburg : Fahrer vergisst behindertes Kind im Bus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erneuter Vorfall an der Friholtschule: Ein Zwölfjähriges Mädchen wird zwei Stunden nach dem Unterricht im Kleinbus eines Fahrdienstes aufgefunden.

Ein Unglück kommt selten allein. Kaum hat sich die Friholtschule von den Vorfällen des sexuellen Missbrauchs eines Schulbusfahrers an geistig behinderten Kindern ihrer Einrichtung und dem jetzt zu Ende gegangenen Prozess halbwegs erholt, gibt es erneut Aufregung in der Elternschaft. Und wieder geht es um einen Chauffeur.

Vor etwa zwei Wochen hat der Fahrer, der eine Zwölfjährige Schülerin an ihrem Zuhause absetzen sollte, einen folgenschweren Fehler begangen. Er vergaß das Mädchen schlichtweg in seinem Transporter. In einem Anflug von Panik bangten die Eltern um den Verbleib ihrer Tochter. Für Schulleiter Klaus-Peter Grunewald ein „unglaublicher Vorgang“. Der Fahrer habe „grob fahrlässig“ gehandelt.

Die Friholtschule ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“. Stadt und Kreis bilden zusammen einen Schulverband, der Träger der Einrichtung und verantwortlich für die Genehmigung der jeweiligen Fahrdienste ist. Ein Drittel der 177 Schüler zählt zu den Schwer- und Schwerstbehinderten. Das betroffene Mädchen besucht die sechste Klasse und wohnt in Handewitt.

Wie Grunewald bestätigte, sei die Schülerin nach dem Ganztagsunterricht pünktlich um 16 Uhr von der Friholtschule an der Elbestraße abgeholt worden. Doch zu Hause kam sie zum erwarteten Zeitpunkt nicht an. Die Eltern telefonierten hin und her – erst um kurz vor 18 Uhr konnte die Zwölfjährige ausfindig gemacht werden. Sie befand sich noch in dem Kleinbus, den der Fahrer nach getaner Arbeit auf dem Betriebsgelände seiner Firma abgestellt hatte – ohne zu bemerken, dass er einen Fahrgast gar nicht in seinem Heimatort abgesetzt und ihn schließlich in seinem Auto eingeschlossen hatte. Dort konnte das Mädchen in Sicherheit gebracht und anschließend seinen erleichterten Eltern übergeben werden.

Grunewald hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls die Kreisverkehrsbehörde sowie den von ihr beauftragten Fahrdienst informiert. Sein Vorwurf an den Fahrer. „Er muss doch in der Lage sein, bis acht zu zählen. Dann hätte er beim Verlassen des Kleinbusses auch bemerken müssen, dass sich darin noch eine Person befindet. Das muss er doch kontrollieren!“

Das Mädchen sei aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage gewesen, sich bemerkbar zu machen. Er selbst sei nicht befugt, Konsequenzen zu ziehen. Doch Grunewald lässt keinen Zweifel daran, wie er reagiert hätte: „Der Mann ist offenbar nicht geeignet, diesen Job auszuüben.“ Konsequenzen soll es seitens der Schleswiger Verkehrsbehörde gegeben haben. Diese hat nach Informationen unserer Zeitung gegenüber dem in Flensburg ansässigen Fahrdienst eine Konventionalstrafe verhängt – in einer Höhe von 75 Euro. Dafür gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung. Sönke Eichner, in der Behörde zuständig für den ÖPNV, erklärte auf Anfrage, dass man zu dem Fall schweigen wolle. Nur so viel: „Die Angelegenheit ist mit allen Beteiligten geklärt.“

Auch die Eltern des vergessenen Mädchens wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern. „Sie haben die Entschuldigung des Fahrers akzeptiert“, sagt der Inhaber des betroffenen Fahrdienstes. Dieser habe sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. „In diesem Fall musste aber eine Abmahnung ausgesprochen werden.“ Insofern sei die Sache jetzt aus der Welt. „Er hat wohl“, vermutet sein Chef, „einen Blackout gehabt.“

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erstellt am 21.Mär.2017 | 06:03 Uhr

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