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Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 15:37 Uhr

Flensburger Service-Desk : Ex-Lufthanseaten kämpfen um Tarif

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die 170 Spezialisten von Aviation Industry Workplace Services in Weiche gehören seit anderthalb Jahren zu IBM

Ganz gleich, ob im Cockpit in Rio oder Tokio, oder in Frankfurt oder Hamburg beim Check-In – wenn ein Lufthansa-Pilot oder auch das Bodenpersonal ein Problem mit dem iPad oder Notebook haben, rufen sie in der Gartenstadt Weiche an. Dort sitzen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche IT-Experten am Service-Desk und helfen bei Problemen in allen Software-Fragen oder beim Laufwerk-Zugang. Was um die Jahrtausendwende mit einem kleinen Team von Lufthansa in der Gartenstadt Weiche begann, ist heute eine 170-köpfige Spezialistenmannschaft für Deutschlands große Airline und ihre Töchter Swiss, Brussels oder Austrian.

Telefoniert, beraten und gemailt wird mittlerweile aus vier Gebäuden an der Gartenstadtallee und am Jägerweg – weshalb der Umzug des kompletten Teams plus einer zehnköpfigen Extra-Einheit aus dem Telekom-Gebäude in die ehemalige Kreissparkasse an der Rathausstraße bereits beschlossen ist: Nach mehreren Verzögerungen könnte es im neuen Jahr losgehen.

Dass sich die Belegschaft und ihre Gewerkschaftsvertreter seit neuestem Sorgen um die wachsende Spezialeinheit machen, liegt daran, dass der Weicher Service-Desk vor anderthalb Jahren von der Lufthansa an IBM Deutschland verkauft wurde. Praktisch habe sich dadurch bislang nur einiges in der Arbeitsorganisation geändert, berichtete gestern Teamberater Kay Schmidtke bei einer Protestaktion mit mehr als 50 Mitarbeitern sowie Verdi-Vertretern an der Gartenstadtallee: „Früher waren wir Lufthanseaten und haben für die Kollegen gearbeitet“, sagt Schmidtke. Heute sei man Teil eines weltweiten IT-Konzerns, immer mit dem Risiko, durch Verlagerung oder Kollege Computer („cognitive computing“) ersetzt zu werden. Verdi-Verhandlungsführer Bert Stach erinnerte gestern daran, dass IBM Deutschland (16  000 Mitarbeiter bundesweit) in diesem Jahr bereits 600 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen habe. Ein Tarifvertrag würde dem Flensburger IBM-Standort (IBM AIWS – Aviation Industry Workplace Services GmbH) und seinen Beschäftigten Sicherheit geben. Bei den Tarifverhandlungen, die nicht so recht ins Laufen kommen, geht es unter anderem um eine Erhöhung der Tarifgehälter um 4,5 Prozent, Altersteilzeit und Gesundheitsschutz. Den Flensburger Beschäftigten geht es aber vor allem darum, überhaupt wieder mit einem Tarifvertrag Sicherheit zu bekommen – und die drohende Nullrunde für AIWS zu verhindern. Wie der deutsche IBM-Konzern mit Sitz im Stuttgarter Umland die Gehaltsvorstellungen der Norddeutschen einschätzt, bekamen die Betriebsräte gestern bei der bewusst nach Flensburg gelegten Betriebsrätekonferenz aus dem Konzernvorstand zu hören: „Es wird in Ehningen das Märchen erzählt, dass man hier für 300 Euro im Monat Villen mieten kann.“

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erstellt am 18.Okt.2016 | 23:22 Uhr

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