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Nach Messerattacke in Klues : Erstochener Flensburger: Trauer reicht bis ins Stadion Bernabéu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Freunde des in Klues getöteten 20-Jährigen organisieren Gedenkaktionen. Die Polizei warnt vor Spekulationen.

Flensburg | Ein paar Tage, bevor Mert Can starb, habe er noch mit ihm über das Fußballspiel Real Madrid gegen den FC Bayern gesprochen, erzählt Dannie oder Aswad, wie ihn alle nennen. Mert Can habe prophezeit, dass mehr als drei Tore fallen würden und Real gewinnt. Der Fußballfan Mert Can behielt Recht, das Spiel konnte er nicht mehr sehen.

Am frühen Morgen des Ostersonntags ist der 20-Jährige bei einem Messerangriff im Eingangsbereich seines Elternhauses in Flensburg-Klues tödlich verletzt worden. Vorausgegangen war ein Streit vor einer Bar an der Schiffbrücke, der zunächst geschlichtet schien. Gegen den mutmaßlichen Messerstecher wurde noch am Montag ein Haftbefehl erlassen.

Sogar in Madrid wird an Mert Can erinnert

Rund 50 Freunde – oder „Brüder“, wie sie sagen – waren bei einer privaten Trauerfeier dabei, schätzt der 19-jährige Aswad. Das Spiel haben sie in Flensburg am Dienstag gemeinsam in einer Bar gesehen, vor dem Anpfiff in einer Schweigeminute ihres Bruders gedacht. Sie haben an der Zob-Brücke ein Trauerbanner aufgehängt und sogar organisiert, dass der Fanclub von Real, dessen Mitglied Mert Can war, während des Spiels im Bernabéu-Stadion ein weiteres Banner zum Gedenken an „einen von uns“ hochhält. „Sein Tod berührt nicht nur Flensburg“, sagt Aswad; Anteilnahme kommt von überall her, sogar Spenden, über deren sinnvolle Verwendung die jungen Leute noch nachdenken.

Ausnahmsweise auf der Zob-Brücke: Der große Freundeskreis des getöteten Mert Can hängt ein Trauerbanner auf.
Ausnahmsweise auf der Zob-Brücke in Flensburg: Der große Freundeskreis des getöteten Mert Can hängt ein Trauerbanner auf. Foto: „Türkcem“
 

Am Mittwoch haben sich die Freunde Mert Cans im Jugendzentrum AAK in der Neustadt versammelt, um das erste T-Shirt von rund 100 zu bewundern, das sie mit seinem Namen und Trikot-Nummer 7 beschriftet haben. „Er war uns sehr nah, wir haben viele Momente mit ihm geteilt. Er ist nicht natürlich gestorben, er wurde uns weggerissen“, sagt Aswad.

Polizei ermittelt weiter

Die Tat und der Tod des 20-Jährigen beschäftigen auch die Staatsanwaltschaft Flensburg und die Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion. Nach ihren Angaben habe der Kontrahent mit einem zunächst an dem Streit Unbeteiligten zusammen das spätere Opfer in Klues aufgesucht. In der Mitteilung heißt es: „Die Begleitung, ebenfalls ein 20-jähriger Flensburger, soll dann unvermittelt auf das Opfer eingestochen haben.“ Welche Rolle der am ursprünglichen Streit Beteiligte beim Tötungsdelikt spielte, sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen. „Dringende Gründe dafür, dass dieser dem Opfer vor seinem Wohnhaus die Messerstiche zufügte, bestehen derzeit nicht.“

Beide Männer flüchteten zunächst, stellten sich jedoch noch am Sonntagmorgen der Polizei. Ermittler und Staatsanwaltschaft nennen in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung einen Dritten, der „die beiden anderen Beschuldigten in die unmittelbare Nähe des Tatorts gefahren haben soll“. Nach dem Stand der Ermittlungen ahnte er die Tötung des Opfers nicht.

Am Mittwoch, so bestätigte Polizeisprecher Christian Kartheus, waren Kräfte der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung, die Bereitschaftspolizei (PD AFB) aus Eutin und Diensthunde entlang der Nordstraße (Munkbrarup/Ringsberg) im Einsatz. Sie suchten im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt nach Beweismitteln. Nicht zuletzt warnt die Polizei davor, die „abstrusen Gerüchte“ zu verbreiten, die „insbesondere in den sozialen Medien die Runde machen“, und bittet, „die Stimmung nicht weiter aufzuheizen“.

Auch die Jungs aus dem Jugendzentrum AAK haben verabredet, gesicherte Erkenntnisse direkt an die Polizei zu geben, nicht zu spekulieren und vor allem über Mert Can zu sprechen. Er habe jedem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, sagt einer. Er war loyal, verständig, klärte Konflikte sachlich und sah auch im Schlechten Gutes, sagen andere. Der Tod ihres Bruders schweiße zusammen. „Man will auch nicht allein sein“, erklärt Aswad den Zusammenhalt, die ununterbrochenen Aktionen. Der Mutter haben sie schließlich versprochen, sich zu keinen Dummheiten hinreißen zu lassen.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 06:06 Uhr

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