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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 13:29 Uhr

Flensburger Museumshafen : Erste Weihnacht ohne Grogtörn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der „harte Kern“ tritt nicht mehr an: Traditionelle Geschwaderfahrt zu den Ochseninseln fällt erstmals seit 1980 ins Wasser

Der 27. Dezember 2016 wird ein Tag sein, der für die immerhin schon 276 Jahre währende Geschichte des Grogs ein ziemlich schlechter Tag ist und für die Freunde leicht skurriler maritimer Veranstaltungen auch. Seit 1980 huldigen Flensburgs Segler mit dem Grogtörn dem – bei mäßigem Gebrauch – sehr belebenden Heißgetränk auf Rum-Basis. Der Grogtörn war eine zur „Regatta des harten Kerns“ verklärte Veranstaltung, die als willkommene Ausflucht von der oft als quälend empfundenen Familienbesuchs-Routine des 2. Weihnachtsfeiertages genutzt wurde. Und häufig war viel Landvolk zugegen, wenn Traditions- und Plastiksegler, Paddler, Surfer und sonstige Betreiber schwimmfähiger Fortbewegungsmittel sich am Bohlwerk zur gemeinsamen Ausfahrt Richtung Ochseninsel und zurück sammelten. Vorbei.

„Der Grogtörn findet statt!“, hält Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens, tapfer dagegen. Mit dem Segler „Fulvia“ und dem Kümo „Gesine“ würden immerhin zwei Mitglieder des Historischen Hafens Flensburg in See stechen. Allerdings ausschließlich mit privaten Gästen an Bord, muss er einräumen. Das tradierte und meist auch öffentlich zugängliche Programm aber – Wahl des hässlichsten Teekessels, Lösen bedenklicher Aufgaben, Dreschen fürchterlicher Verse und Preisverleihung unter Grogkonsum – findet nicht statt. Zumindest schaut niemand mehr zu.

Das war nicht immer so gewesen. Viele Jahre lang hatte der Museumshafen die letzte seiner drei Veranstaltungen stets öffentlich zelebriert. In guten Jahren tummelten sich über 200 Besucher auf dem Bohlwerk, während auf dem Wasser denkwürdige, manchmal sogar waghalsige Expeditionen unternommen wurden. In guten Zeiten waren 13 Gaffelschiffe des Museumshafens dabei, und weil der Grogtörn ausdrücklich als Angebot an alle weiteren Besitzer von einsatzfähigen Wasserfahrzeugen verstanden wurde, kamen bis in die frühen Nuller-Jahre stattliche Teilnehmerfelder zusammen, die – gegen Rum als Naturwährung – gerne auch Gäste mitnahmen.

Legenden-bildend kamen die typischen Unbilden des norddeutschen Dezemberwetters hinzu: Ende der 90er Jahre hatten es die Crews mit echt unangenehmen Ausläufern echter Winterstürme zu tun. 2002 trieb das Feld bei Null Wind im pottendicken Nebel durch die Galwik-Bucht, dafür ließ eine engelsgleiche blonde Gestalt von Bord eines mitfahrenden H-Boots Bonbons auf die Segler regnen. 2011 fuhr die Flotte in dichtes Schneetreiben. Die Crews der Segler führten Seegefechte mit Schneebällen, die Friedfertigen bauten Schneeseemänner. 2004 war so ein Jahr, in dem sich der am weitesten und gefährlichsten gereiste Klubkamerad aller Zeiten im Zentrum liebevollsten Spotts wiederfand: Arved Fuchs, der Abenteurer, Weltumsegler, Expeditionsspezialist. Ausgerechnet der mit allen arktischen und antarktischen Wassern gewaschene „Polar-Fuchs“ lief (wieder mal war es pottendick) auf das tückische, besonders von unvorsichtigen Sonntagsseglern gern angelaufene Flach vor der Großen Ochseninsel – ein Manöver, das später im Krog allerschönsten Gesprächsstoff abgeben sollte. Dieses Jahr startet Arved Fuchs seine traditionelle Kopenhagen-Tour halt etwas früher. Der Grogtörn fällt ja aus.

Sabine Große-Aust, die Vorsitzende, weiß auch nicht so recht. Ist der Grogtörn aus der Mode gekommen? Sie gibt zu bedenken: Nicht nur die Veranstaltung ist in die Jahre gekommen – auch die Schiffseigner, die drei Dekaden den harten Kern ausmachten. Zwar seien junge Schiffseigner nach-, aber leider nicht in die Traditionsveranstaltung hineingewachsen. „Wir hatten letztes Jahr schon große Probleme“, räumt sie ein. „Vielleicht ist der Grogtörn als Veranstaltung überholt und braucht ein neues Konzept. Aber das kann sich im nächsten Jahr schon alles ändern.“

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erstellt am 23.Dez.2016 | 13:00 Uhr

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