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Landfrauenschule Glücksburg : Erinnerungen an die alten Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Annelene Schnell war Lehrerin an der Glücksburger Landfrauenschule – jetzt plauderte sie bei einem Rundgang durch das sanierte Gebäude aus dem Nähkästchen.

Glücksburg | „Königskerze“ hieß das Chefzimmer in der alten Landfrauenschule früher. Sehr passend, denn es ist tatsächlich eine Spur majestätischer als alle anderen Räume – durch seine Ecklage, den großen Balkon und den Blick auf ein naturgeschütztes Biotop. Die Wände im ganzen Haus strahlen inzwischen in frischem Weiß. Die Türen mit Jugendstil-Schnitzwerk wurden aufgearbeitet. Holzbalken wurden freigelegt und ausgetauscht, die Gauben vergrößert. Der neue Eigentümer der früheren Landfrauenschule, Arnd Ohlenbusch, hat Geschmack. Obendrein interessiert er sich für die alten Zeiten. Jetzt fand ein Termin ganz in seinem Sinne statt: Glücksburgs Stadtschreiber Berthold Hamer kam mit einer früheren Lehrerin der Landfrauenschule, Annelene Schnell (93), zu Besuch. Beim Gang durch das frisch sanierte Haus geriet die alte Dame ins Plaudern – und Ohlenbusch – in Begleitung von Ehefrau und ältester Tochter – ins Staunen.

Neben der „Königskerze“ gab es noch „Vergissmeinnicht“, „Sonnentau“, „Schlüsselblume“ und „Kornblume“. So hießen die Schlafräume zählt Annelene Schnell aus ihrem immer noch hervorragenden Gedächtnis auf. Von 1948 bis 1968 war sie dort Lehrerin und wohnte ebenfalls im Haus. In den Schlafzimmern der Schülerinnen standen jeweils sechs bis zwölf Betten. 50 bis 60 Schülerinnen befanden sich stets im Haus. In einjähriger Ausbildung erlernten sie in diesem Fachinternat alles, was sie für ein Leben im ländlichen Raum benötigten: Ernährungslehre, Haushaltsführung, Gartenbau, Geflügel- und Viehhaltung, Rechnen und Buchführung.

„Unsere Absolventinnen galten als gute Partie“, sagt Annelene Schnell. Sie stammten meist aus gut situierten Elternhäusern. Die Ausbildung auf der Landfrauenschule war schließlich nicht umsonst. Auf der Schule bekamen sie den letzten Schliff. Dazu gehörte die Vermittlung von Kultur – oder wie Annelene Schnell es formuliert: „Die Seele wurde angesprochen.“ Es wurde musiziert, gelesen und im Staatsbürgerkundeunterricht geübt, den eigenen Lebenskreis im Zusammenhang mit dem großen Ganzen zu sehen. Auch Gymnastikunterricht fand statt. Aber mit der im selben Ort ansässigen Jahn-Schule, die Gymnastiklehrerinnen ausbildete, hatte man wenig gemein. Da habe ein gänzlich anderes Klima geherrscht, stellt Annelene Schnell klar.

Die Landfrauenschule stand für Anstand, Ordnung und guten Stil, war sehr traditionell. Hier wurden unverheiratete Frauen noch lange mit Fräulein angeredet. So auch Annelene Schnell, die erst später heiratete. 1972 musste die Schule schließen. Die Ausbildung von höheren Töchtern vom Lande hatte sich geändert. Immer mehr machten Abitur und studierten. Das Jugendaufbauwerk und ein Däne mit Hotelplänen wurden Nachfolger in der „Landwirtschaftlichen Haushaltungsschule“.

Beim Kaffee im Speisesaal erzählt Arnd Ohlenbusch dem Besuch von seinem eigenen Werdegang. Nach einer Lehre zum Funkelektroniker studierte er Elektrotechnik in Flensburg und übernahm schließlich die Firma, in der er als Student gejobbt und nach dem Studium gearbeitet hatte. Die AHP GmbH entwickelt Software-Programme im Bereich Qualitätsmanagement. Mehrmals musste sie umziehen. Der Wunsch nach einem festen Firmensitz für die 22 Mitarbeiter wuchs. „Ich wollte nicht im Industriegebiet einen Würfel hinstellen“, begründet Ohlenbusch die Wahl für das historische Gebäude, Baujahr 1909, an der Holnisstraße 20. Es steht nicht unter Denkmalschutz. Dennoch wollte Ohlenbusch viel vom alten Charme erhalten. Zwei Jahre hat die Sanierung gedauert, und sie lief parallel zum Geschäft. „Eine Doppelbelastung, die ich ohne meine Frau, die zu Hause mit vier Kindern alles regelt, nicht hinbekommen hätte“, stellt er fest. Annelene Schnell nickt dem Ehepaar anerkennend zu. „Was Sie in zwei Jahren geleistet haben, ist enorm“, sagt sie. Berthold Hamer ergänzt: „Für Glücksburg ist das Gebäude ein Denkmal. Schön, dass es nicht Eigentumswohnungen weichen musste.“

Im Gegenteil: Ohlenbusch hat noch viel Platz für weitere Büros und sucht gewerbliche Mieter. Im Kellergeschoss hat er schon an eine Handwerksfirma vermietet.

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