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Flensburger Tageblatt

30. September 2016 | 08:38 Uhr

Kein adäquater Ausgleich : Enteignung für die Tarup-Umgehung?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt plant den letzten Bauabschnitt, ohne im Besitz des Landes zu sein. Ein Landwirt beklagt, keinen adäquaten Ausgleich zu bekommen.

Flensburg | Die Hochfelder Landstraße endet derzeit ziemlich abrupt am Tastruper Weg. Damit sie eine wirkliche Umgehungsstraße für den Stadtteil Tarup wird, fehlt der letzte knappe Kilometer bis zur Landesstraße 21, der Taruper Hauptstraße. Die Stadt ist fest entschlossen, die Lücke zu schließen, hat auch eine Förderzusage vom Land und bringt die Planung jetzt auf den Weg. Problem: Der größte Teil des Landes, auf dem sie die Straße bauen will, gehört ihr gar nicht.

Dieses Land gehört Bauer Knop. Der saß als Besucher bei der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses und hörte interessiert zu. Ihn hören wollte man allerdings nicht, seine Anwesenheit wurde geflissentlich ignoriert – außer vom WiF-Ratsherrn Hubert Ambrosius, der ihn kurz ansprach. Bauer Knop verhindert derzeit den Weiterbau, weil er sein Eigentum nicht hergeben will. Und so lange die Stadt diese Flächen nicht hat, kann sie die Hochfelder Landstraße – Arbeitstitel K8 – nicht weiter bauen. Trotzdem hat sie jetzt die Planung auf den Weg gebracht. Ihr bleibt auch nicht viel anderes übrig. Denn spätestens im nächsten Jahr muss sie mit dem Bau beginnen, weil sonst die 85-prozentige Förderung der Kosten wegfällt. Die konkrete Planung sei „ein Signal an den Fördermittelgeber“, so Planungschef Peter Schroeders.

Insgesamt benötigt die Stadt für diesen letzten Abschnitt das Land von drei Bauern; mit zweien hat sie sich offenbar geeinigt. Bleibt das Land von Ingo Knop. Von seinen 62 Hektar wolle die Stadt „drei bis vier Hektar“ haben, sagte er nach der Entscheidung des Ausschusses, die Planung voranzutreiben. Er bewirtschaftet nur noch einen kleinen Teil der Flächen, das Gros habe er verpachtet, und daraus beziehe er den Lebensunterhalt und die Altersversorgung für sich und seine Mutter.

Die Angebote der Landgesellschaft, die im Auftrag der Stadt mit Knop über einen möglichen Landtausch verhandelt, seien für ihn nicht akzeptabel gewesen. Man habe ihm Flächen bei Süderbrarup und südöstlich von Kiel angeboten; das sei zu weit weg. Hingegen wollte man ihm Flächen in der Nähe des Senders Fuchsberg, die der Stadt gehören, nicht geben. Letztlich sei es eine Frage des Geldes, räumte Knop ein. Wenn er sein Land hergebe, müsse er davon auch leben können.

Die Stadt äußert sich nicht zu den laufenden Verhandlungen, will jedoch mit Knop weiter sprechen. Offenbar dreht sie auch ein wenig an den Daumenschrauben. Beim jüngsten Gesprächstermin mit der Landgesellschaft sei das Wort Enteignung gefallen, berichtet der Bauer. Angeblich soll am 1. März ein Enteignungsverfahren gegen ihn auf den Weg gebracht werden. Davon war im Planungsausschuss nicht die Rede, weil dieser für die Beschaffung des Landes nicht zuständig ist.

Die Vertreter der WiF und der Grünen lehnten im Umwelt- und Planungsausschuss die Planung für den Weiterbau der K8 ab – nicht nur wegen fehlender Flächen, sondern auch wegen ökologischer Bedenken. Pelle Hansen (Grüne) erneuerte das Argument, dass neue Straßen immer neuen Verkehr erzeugen würden, während Marc Paysen (WiF) anmerkte, dass nur eine gütliche Einigung oder eine Änderung der Trassenführung in Frage komme. Mit neun Ja-Stimmen wurde die Planung angenommen.

Knop ist nicht der einzige Fall, bei dem privates Eigentum gegen öffentliches Bauen steht. Die zweite Fläche liegt am anderen Ende der K8, an der Bahnhofstraße zwischen Munketoft und Helenenallee. Hier soll und will der Selbsthilfebauverein ein ambitioniertes Bauprojekt mit über 100 Wohnungen umsetzen: Doch die Fläche in der Mitte gehört einer Fahrschule, deren Eigentümer das Land nicht verkaufen möchte.

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erstellt am 26.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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