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Husby : Ende der Eiszeit zwischen Stadt und Umland-Dörfern?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Flensburg und Husby verhandeln über 28 Wohneinheiten. Eine Bürgergruppe kündigt Widerstand an.

Husby | Es regt sich Widerstand in Husby. Eine Bürgergruppe, die sich für „nachhaltige Dorfentwicklung“ einsetzt, hat mit einem Brief an die Landesplanung Alarm geschlagen. Ihre Forderung: Die Behörde möge doch bitte die aktuellen Planungen der Gemeinde ablehnen, weil diese „kurzsichtig und unreflektiert“ seien. Dabei geht es um ein Baugebiet mit 28 Wohneinheiten im Nordwesten des Dorfes, wo neben einigen freistehenden Einfamilienhäusern mit relativ kleinen Grundstücken vor allem Doppel-, Reihen- und zweigeschossige Mehrfamilienhäuser entstehen sollen.

Bereits 2014 hatte die Gemeinde Husby einen Anlauf genommen, um mit dem Baugebiet Bregning-West die starke Nachfrage nach Baugrundstücken zu befriedigen. Damals aber hatte die Landesplanung ihr Veto mit der Begründung eingelegt, Husby habe sein Wohnraumkontingent ausgeschöpft.

Das aber hat sich nun offenbar geändert, wie Hans-Christian Matzen erläuterte. Der stellvertretende Bürgermeister und Bauausschuss-Vorsitzende bezeichnete den geplanten Weg als einzige Möglichkeit für die Gemeinde, zu wachsen und die Einwohner zu halten. „Deshalb sind wir bereit, auf das Angebot einzugehen“, sagte er.

Hinter diesem Angebot stecken die Landesplanung und vor allem die Stadt Flensburg. Und das ist eine neue Entwicklung, denn auch Husby gehörte Anfang 2015 zu den Gemeinden, die eine Vereinbarung über die Wohnraum-Entwicklung mit Flensburg aufgekündigt hatten. Zur Erinnerung: Die Stadt hatte die Erlaubnis der Landesplanung, Baugebiete auszuweisen, konnte diese so genannten Kontingente mangels geeigneter Flächen aber nicht nutzen. Der damalige Oberbürgermeister Simon Faber bot deshalb den Umlandgemeinden die Berechtigungen gegen Bezahlung an, was zunächst für einen Aufschrei der Empörung und dann zur Kündigung der Vereinbarung führte.

Lange Zeit herrschte Stillstand – und das in einer Phase, in der Ansiedlungswillige Schlange standen. Deshalb rief die Landesplanung in Kiel die Gemeinden auf, Projekte vorzuschlagen, die schnell verwirklicht werden können. Die Bedingungen dafür waren eine „verdichtete Bebauung“, wie sie nun auch Husby plant. „Wir sehen für das Gebiet vier bis fünf Einfamilienhäuser vor, aber auch Doppelhäuser und fünf oder sechs Reihenhäuser mit Wohneinheiten von etwa 80 Quadratmeter. Die Erschließung wird frühestens im Herbst beginnen“, erklärt Hans-Christian Matzen. Für Husby, dessen rund 2300 Einwohner vornehmlich in Einfamilienhäusern leben, wäre ein solches Baugebiet eine neue Situation. Matzen aber sieht das nicht als Nachteil für die Gemeinde. Im Gegenteil: „Damit können wir dazu beitragen, die Husbyer im Dorf zu halten und vielleicht auch Neubürger zu gewinnen.“

Noch aber sind die Verhandlungen mit der Landesplanung und der Stadt Flensburg nicht abgeschlossen. In weiteren Gesprächen wird es voraussichtlich auch um Geld gehen. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt für die Überlassung der 28 Wohnraum-Berechtigungen kein Geld verlangt“, sagt Matzen, „schließlich haben sie dafür auch nichts bezahlt.“

Zu diesem Thema bleibt Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf eher vage. „Wir müssen die Entwicklung gemeinsam vorantreiben und brauchen eine Situation, in der niemand dem anderen im Wege steht“, erklärte er. Wichtig sei, dass Flensburg nicht weiter allein für den Geschoss-Wohnungsbau zuständig sei. „Stadt und Umland müssen Chancen, Risiken und Lasten teilen.“

Die Husbyer Bürgergruppe indes wehrt sich vehement gegen das Vorhaben – vor allem, weil Husby dadurch ihrer Meinung nach eine Art städtische Bebauung bekäme. „Dem Dorfbild wird dadurch nachhaltig Schaden zugefügt“, sagt Alexander Bühler, der auch ein Bürgerbegehren nicht ausschließen will, um das neue Baugebiet zu verhindern.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 15:54 Uhr

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