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Flensburger Tageblatt

30. Juli 2014 | 02:57 Uhr

Eine Straße voller Geschichte(n)

vom

Der Heimatforscher und Glücksburg-Chronist Berthold Hamer hat mit der "Waldstraße" den zweiten Band seiner Buchreihe vorgestellt

GLÜCKSBURG | Nach der Petersenallee jetzt die Waldstraße: Berthold Hamer, seit Jahrzehnten verlässlicher, anerkannter Heimatforscher, Glücksburg-Chronist und Stadtschreiber, arbeitet unablässig an der Realisierung eines auf zehn Bände veranschlagten stadtgeschichtlichen Werks, indem er Straße um Straße vorstellt. Wie schon beim ersten Druckwerk der Reihe "Glücksburger Straßen" vor einem Jahr, fand die Präsentation des Waldstraßen-Bandes durch den Kulturkreis wiederum eine beachtliche Resonanz. Der große Saal des - in der Waldstraße gelegenen - Propst-Torp-Hauses war bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Besucher waren eigens aus Hamburg angereist, um die Hamer’sche Buch-Premiere mitzuerleben.

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Die Waldstraße - eine der ältesten Ortsstraßen Glücksburgs - ist nicht gerade eine Prachtstraße. Dem Betrachter fällt das Durcheinander von Haustypen und -stilen auf. Die Palette reicht vom bescheidenen Häuschen bis zur imposanten Villa. Aber sie ist eine Straße voller Geschichte und Geschichten. Berthold Hamers akribisch ermittelten und anregend dargebrachten Rechercheergebnisse füllen nicht weniger als 192 Seiten.

Im Standesamtsregister von 1875 wird der Straßenname Waldstraße erstmals erwähnt. Bis dahin trug der Abschnitt zwischen Schinderdam und Querstraße die Bezeichnung Kegelbergstraße; der dann folgende Weg hieß Brunnenstraße. 1780 waren neun Wohnplätze bebaut. Seit 1870 erlebte die Waldstraße einen kleinen Bau-Boom. Es entstanden neue Wohnhäuser, einige davon mit einer von den Glücksburger Farben Gelb und Rot geprägten Fassadengestaltung, und diverse Betriebe, die Leben in die Straße brachten.

Bei der Durchsicht einschlägiger Verzeichnisse kam Hamer auf die Summe von 60 verschiedenen Branchen, die hier im Laufe der Zeit vertreten waren: Unter anderem Schuster, Gärtner, "Postreuter", Sattler, Schornsteinfeger, Schmied, Uhrmacher, Gastwirte, Meieristen, nicht zu vergessen Praxis und Wohnung des seinerzeit einzigen Mediziners am Ort.

Gemeint ist der Arzt Dr. med. Christian Schmid, der sich weit über seine eigentliche Profession hinaus bürgerschaftlich engagierte und damit laut Hamer zu einer bedeutenden historischen Persönlichkeit avancierte. Schmid war Stadtrat, Bürgermeister, Gründer des Ostseebades, Manager des Kurbetriebes und wurde 1918 in Anerkennung für seine Verdienste für Glücksburg zum Ehrenbürger ernannt. Er nannte sein Anwesen "Villa Waldhaus".

In der "Villa Virck", einem fast majestätischen Gebäude, führten die jeweiligen Besitzerinnen eine Pension. Im Landhausstil war das stattliche Wohnhaus Waldstraße 6 errichtet, in dem 1884 eine Höhere-Töchterschule ihren Betrieb aufnahm. Das erste Semester begann verheißungsvoll mit 26 Schülerinnen und acht Pensionistinnen aus Deutschland, England, Frankreich und Schweden. Die Schule auf dem Kegelberg gehört topographisch und historisch zur Waldstraße. Bis zu seinem Abbruch 1977 war das Schulgebäude von 1895 die Stadtkrone im Ortsbild von Glücksburg.

Apropos Abbruch: In den letzten 50 Jahren wurden in der Waldstraße mit ihren nur 28 Wohnplätzen nach Hamers Feststellungen nicht weniger als elf Gebäude abgebrochen, darunter das "Hotel Bürgerverein", die Meislahn-Villa, die Meierei und die Höhere Töchterschule. Reihenweise haben auch Läden und Betriebe aufgegeben. In der einst so lebendigen Geschäftsstraße, die übrigens erst 1960 eine feste Fahrbahn erhielt, bieten heute nur noch vier Läden ihre Waren an. Doch die Kultur wird nach wie vor hoch gehalten: im Propst-Torp-Haus, in dem neben kirchlichen Einrichtungen auch der Kulturkreis zu Hause ist, und in der Schule auf dem Kegelberg, die zusätzlich die Volkshochschule, die Musikschule und das Stadtarchiv beherbergt.

Die Vorarbeiten für das dritte Werk der Straßen-Porträt-Reihe sind längst angelaufen. Er wird der Bahnhofstraße gewidmet sein und in etwa einem Jahr vorliegen. Der Waldstraßen-Band umfasst 192 Seiten, enthält zahlreiche Abbildungen und kostet zwölf Euro. Erhältlich ist er im Bürgerbüro im Rathaus in der Zeit von 8 bis 13 Uhr, freitags bis 12 Uhr. Der erste Band (Petersenallee) ist fast vergriffen.

von Bernd Philipsen
erstellt am 24.Nov.2012 | 05:56 Uhr

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