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Boreasmühle in Flensburg : Eine neue Kita mit Streichelzoo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tanja Stein und Markus Lüdtke eröffnen im August die Hofkita Boreasmühle mit der ersten Naturgruppe – Schafe, Esel und Ponys sind schon da

Flensburg | Schafbock Samson begrüßt den Besucher mit einem Blöken. Die Thüringer Waldziegen Heidi und Klara sowie Tiffy, Samsons Mutter und auch ein Quessantschaf, stimmen ein. Die Tiere stammen aus dem Tierpark Warder, sind entsprechend selten, im Sommer nach Flensburg gezogen und bilden nun eine Herdengemeinschaft. Ab August bilden sie in gewisser Weise auch eine Gemeinschaft mit 15 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Diese werden die erste Naturgruppe der neuen Hofkita Boreasmühle sein.

Seit zwei Jahren planen Tanja Stein und Markus Lüdtke diese für die Region einzigartige Einrichtung. Die Liste an Natur- und Waldkindergärten im Land ist lang, doch vergleichbare Bauernhofkitas gibt es nur bei Kiel und im Kreis Plön. „Wir sind der einzige Kindergarten in Flensburg mit Ponys, Eseln, Ziegen, Schafen, Hühnern und Enten“, betonen die Gründer. Die Hofkita entsteht auf dem Gelände der alten Gärtnerei Lüdtke, wo Markus Lüdtke aufgewachsen ist. Der Citti-Park ist gegenüber, die Umgebung grün. Die Gärtnerei von 1948, so erzählt der Sprössling, wollten er und Tanja Stein nicht als solche übernehmen. Die erste Idee eines Hofcafés verwarf das Paar, doch die einer Hofkita ließ beide nicht mehr los.

Tanja Stein und Markus Lüdtke werden selbst Träger ihrer Kita. Als geeignete Rechtsform finden sie die gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG). Die 35-jährige Husumerin ist von Beruf Heilpädagogin, hat Gründungsseminare bei der ersten Bauernhofkita im Land belegt und schließt gerade den Fachwirt Kitaleitung ab. Lüdtke, Jahrgang 1974, bringt als Tischler und Steuerfachmann Kompetenz in Handwerk und Buchhaltung ein.

Der Standort Boreasmühle sei ideal: Bis zur Bowlingarena am Friedenshügel, sagt Tanja Stein, gebe es naturbelassene Flächen, Marienautal und Marienhölzung sind nicht weit. Wand an Wand mit dem benachbarten Wagendorf „Octopus Garden“ beginnt jetzt im Sommer der Neubau des Kitagebäudes (in L-Form) und zugleich der Rückbau der Gärtnerei. Zur ersten Naturgruppe sollen eine weitere Natur- und eine Krippengruppe im darauffolgenden August hinzukommen. Bis das neue Gebäude steht, soll ein Bauwagen Schlechtwetterzeiten überbrücken.

Die Einzigartigkeit der Mischung aus Natur- und Hofpädagogik stellt auch eine Herausforderung dar. „Bei der Heimaufsicht gibt es keine Richtlinien“, sagt Lüdtke, für viele Behörden sei das Konzept Neuland. Er spricht von Pionierarbeit. „Du weißt am Anfang gar nicht, mit wem Du reden musst.“ Während die Ponys Pita und Willy unbeteiligt fressen und sich die Eselsgeschwister Kasimir und Daisy kabbeln, bleiben die Gründer frohen Mutes. Rund 20  000 Euro haben sie bislang investiert und jede Menge Hilfsbereitschaft vom Architekten und Nachbarn erfahren. Weil die das Konzept gut finden, erklärt Tanja Stein dankbar.

Inzwischen hat der jüngste Jugendhilfeausschuss die Hofkita einstimmig in die Bedarfsplanung aufgenommen (nur die Betriebserlaubnis steht noch aus). In der Begründung wird der Ausbaubedarf an Betreuungsplätzen bis 2019 beziffert: für unter Dreijährige mit 230 und über Dreijährige mit 450 Plätzen. Mit der Hofkita würden zehn Kinder unter drei und 30 Kinder über drei Jahren mit einem Kita-Platz versorgt, heißt es in der Beschlussvorlage.

Geöffnet haben wird die Hofkita montags bis freitags von 7.30 bis 14.30 Uhr. Ein Erzieher, freut sich Tanja Stein, wird ab August für die erste Gruppe da sein, fünf weitere später eingestellt. Um das Projekt und ihre Tiere kennenzulernen, laden die Gründer zum Hoffest ein in die Kita Boreasmühle: Am 15. April soll es von 11 bis 17 Uhr ein großes Familienfest geben mit Infostand, Kinderschminken, Lederwerkstatt und Drechseln, Spielstationen, Verlosung, Kaffee und Kuchen. Alle Einnahmen und Spenden kommen dem Kindergarten zu Gute. www.hofkita.de

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erstellt am 10.Apr.2017 | 09:16 Uhr

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