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Flensburger Tageblatt

30. Juli 2016 | 18:49 Uhr

Neu im Rathaus : Eine Konfliktforscherin als Koordinatorin für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anna Köhler arbeitet seit Montag im Rathaus an der Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt.

Flensburg | Mit der Erfahrung von genau drei Diensttagen wagte sie sich ins restlos vollbesetzte Cafe 50 plus im Johanniskirchhof: Anna Köhler, neue Flüchtlingskoordinatorin der Stadt, referierte gestern früh über „Flüchtlinge vor Ort – Bericht vom Einwanderungsbüro der Stadt Flensburg“. Nachdem ihre Vorgängerin auf der im Herbst neu geschaffenen Stelle nur ein kurzes Gastspiel gegeben hatte, soll Anna Köhler das Engagement für die mittlerweile 1185 Flüchtlinge in Flensburg an der Schnittstelle zwischen haupt- und ehrenamtlichem Engagement längerfristig koordinieren.

Mit ehrenamtlichem Engagement für Flüchtlinge hat die 28-Jährige schon ihre eigenen Erfahrungen gesammelt: Seit Oktober hat sie für die Bahnhofsflüchtlingshilfe selbst Brötchen geschmiert.

Ihre Affinität zu anderen Ländern und Kulturen hat die gebürtige Flensburgerin und Absolventin des Fördegymnasiums nach ihrem Bremer Psychologiestudium in Australien, Sri Lanka und zuletzt in Nepal gezeigt, wo sie für eine Organisation in der Konfliktforschung tätig war. Sie sei also auf zwischenmenschliche Beziehungen und Konfliktursachen spezialisiert, berichtete Köhler vor rund 70 Zuhörern. Als sich im vergangenen Jahr Hunderttausende auf den Weg nach Deutschland gemacht hätten, habe sie im Oktober entschieden, nach Deutschland zurückzukehren, um sich einzubringen.

Da ihre Stelle vom Land finanziert wird, ist Köhler auch in das schleswig-holsteinische Flüchtlingsnetzwerk eingebunden, wird also auch mit der Landesunterkunft in Eggebek in Kontakt stehen. Ein Problem, das sie bereits nach drei Tagen im Amt ausgemacht hat: „Es gibt für vieles keine gebündelte Informationsquelle.“ Zum Beispiel: Wo gibt es wann welchen Sprachkurs im Viertel, wo Sportangebote?

Köhler hatte die aktuellsten Flensburger Flüchtlingszahlen aus dem Rathaus mitgebracht: Unter den 1185 Flüchtlingen sei der größte Teil Asylbewerber oder habe bereits „einen Aufenthaltstitel“. Darunter sei aber auch ein kleiner Teil Geduldete, die aus guten Gründen wie Krankheit oder der Lage im Herkunftsland derzeit nicht abgeschoben werden könnten. 770 der Einwanderer seien männlich, 409 Frauen und Mädchen – darunter lediglich zwölf, die allein gereist sind. „Das bedeutet, es sind viele Flüchtlingsfamilien.“ Aktuell lägen die Ankunftszahl in Flensburg nicht nur deutlich unter der Spitze von mehr als 80 im Dezember, sondern mit 16 in dieser Woche und 12 in der nächsten auch deutlich unter der Planzahl von 45.

Drei Wochen vor der geplanten Eröffnung der nächsten Unterkunft an der Graf-Zeppelin-Straße ist die Lage mit Blick auf neue Flüchtlingsquartiere also relativ entspannt.

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erstellt am 31.Jan.2016 | 17:57 Uhr

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