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Flensburger Tageblatt

24. Mai 2016 | 08:03 Uhr

Summer School Flensburg : Eine bedrohte Demokratin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Syrerin Oula Abdulhamid hat Asyl in Washington. In Flensburg lernt sie vom deutsch-dänischen Grenzland, als sie für zehn Tage die Summmer School des Europäischen Minderheitenzentrums und der Uni Flensburg besucht. Das Thema: „National Minorities and Border Regions“.

Wenn sie über ihre Familie in der Heimat spricht, steigen ihr die Tränen in die Augen. „Meine Großmutter und Cousins sind immer noch dort, aber sie wollen ihr Haus nicht verlassen“, sagt Oula Abdulhamid. „Falls ich sterbe, sterbe ich in meinem Haus“, zitiert die Syrerin aus Damaskus ihre Oma.

Oula Abdulhamid ist eine der 29 Akademiker aus aller Welt, die Flensburg heute wieder verlassen nach der zehntägigen „Summer School“ des Europäischen Minderheitenzentrums und der Uni Flensburg. 14 von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Wissenschaftler vom Balkan und aus dem Kaukasus sowie weitere aus Deutschland, Spanien, Tunesien haben unter dem Titel „National Minorities and Border Regions“ Vorträge gehört und diskutiert. Die 26-jährige Abdulhamid wollte erfahren, wie andere Länder „mit ihrer Diversität und Komplexität umgehen und koexistieren“.

Oula Abdulhamid wird nicht in ihre Heimat Syrien zurückreisen können. Denn ihre Familie werde gesucht. „Das Regime kennt mein Gesicht“, sagt die Studentin, die in den USA den Abschluss in internationalem Recht anstrebt. Sie, ihr Bruder und ihre Eltern haben seit acht Jahren in Washington Asyl. Ihre Eltern haben Ende 2001 die Tharwa-Stiftung gegründet, mit der sich die Familie und ein großes Netzwerk für die Demokratisierung Syriens, für Menschen- und Minderheitenrechte einsetzen. Tharwa sei arabisch und bedeute Reichtum – im Sinne von Vielfalt, erklärt Oula Abdulhamid. Sie wird über Berlin in die Türkei an der Grenze zu Syrien reisen und dort auf andere Tharwa-Aktivisten treffen. „Ich glaube daran, was wir tun“, obwohl es riskant sei, lebensgefährlich.

Wieder werden ihre Augen feucht. Wenn sie von der Lage in ihrem Land spricht, vergisst sie alles andere um sich herum, rührt ihr Mittagessen kaum an. „Sektierer“ ist noch ihre harmloseste Bezeichnung für Assad, der die Bevölkerung einschüchtert und zur Loyalität zwingt; sie nennt ihn auch „Diktator“ und „Teufel“. Seine Reformen seien oberflächlich gewesen, unnütz für das Volk. Assad habe den Mittelstand zerstört. 250 000 Menschen hätten ihr Leben verloren, nicht 100 000, widerspricht Abdulhamid den offiziellen Zahlen. Immerhin sei sie „erleichtert“, dass die Welt endlich erkannt habe, wer die Verantwortung dafür trägt. Eine internationale Intervention sei zwar „kostspielig“, „aber der politische Weg funktioniert leider nicht“. Natürlich habe sie Hoffnung, auf lange Sicht: „Ich glaube an die Jugend in Syrien.“

www.tharwa.org

 

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erstellt am 30.Aug.2013 | 08:30 Uhr

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