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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:46 Uhr

Einbruch bei Helfern in Not: „Wir sind fassungslos!“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „Haltestelle Sponte Nord“ war gestern früh das Ziel ungebetener Besucher

„Von Menschen für Menschen“ ist ihr Motto. Sie helfen den Ärmsten der Armen – und haben selbst nur wenig. Doch das konnte die Ehrenamtler der „Haltestelle Sponte Nord“ nicht vor einem Einbruch in ihre Räume an der Apenrader Straße bewahren. Der Täter hinterließ einen Totalschaden an der Eingangstür – große Beute machte er nicht.

Es war frühmorgens kurz nach fünf Uhr, als ein Nachbar verdächtige Geräusche wahrnahm, die er später als „massiven Lärm“ beschrieb. Er eilte nach unten, um nach dem Rechten zu sehen. Beim Anblick der eingeschlagenen Tür war klar, woher die Lautstärke rührte und was zu tun war. Der Mann rannte in seine Wohnung zurück und alarmierte die Polizei.

Möglicherweise hat der Täter sich ertappt gefühlt und die Zeit bis zum Eintreffen der Beamten genutzt, um die Flucht zu ergreifen. Das vermutet jedenfalls Dieter Scholz, 2. Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins.

Die Spuren legen nahe, dass der Täter zunächst versucht hat, die Eingangstür mit einem Schraubendreher aufzuhebeln. Als dies misslang, riss er kurzerhand das gesamte Türblatt aus der Verankerung und gelangte so in die Büroräume.

„Er hat sich hier ausgekannt.“ Dessen ist sich Dieter Scholz sicher. „Er hat nichts verwüstet, nichts angerührt außer ganz gezielt einen Schrank aufgebrochen, in dem Bargeld aufbewahrt wurde.“ Dort entwendete der Unbekannte zwei Geldkassetten, griff sich noch eine Spardose mit einem elektronischen Zählsystem vom Schreibtisch und verschwand. Fünf Euro in einer Plastikbox ließ er unentdeckt liegen.

Gegen sechs Uhr traf die Vorsitzende Ina Adenstedt am Tatort ein – und konnte kaum glauben, was die sah. Insgesamt 27 Euro ließ der Mann mitgehen. Eine größere Summe war ihm nicht vergönnt, weil die Kassetten zum Feierabend regelmäßig geleert werden. Bis auf das Wechselgeld.

100 Euro, schätzt Scholz, sind dem Verein überdies verloren gegangen. „Da viele zu uns kommen, die sehr knapp sind mit Geld, schreiben wir auch an“, sagt er. „So können wir Menschen, von denen wir wissen, dass das Geld irgendwann wieder zurückfließt, sofort Hilfe zukommen lassen.“ Die Zettel, auf denen die „Schulden“ notiert wurden, sind mitsamt der Kasse verschwunden.

Eine Hausratversicherung hat der Verein nicht abgeschlossen, die Tür wird die Versicherung des Vermieters ersetzen. So hält sich der materielle Schaden in Grenzen. Umso größer ist die Enttäuschung, dass Einbrecher selbst vor einer karitativ tätigen Einrichtung nicht halt machen.

Die Aktivitäten der im März 2005 gegründeten „Haltestelle“ sind vielfältig. Die Ehrenamtler helfen bei Behördengängen oder Umzügen, erledigen handwerkliche Aufgaben, betreuen Patienten im Krankenhaus, werden tätig bei Zahlungsschwierigkeiten. Hausrat und Kleidung, die gespendet werden, gibt der Verein kostenlos an Bedürftige ab.

Bis zu 40 Menschen kommen jeden Sonnabend hier zusammen, um ein gemeinsames Mittagessen zu sich zu nehmen. Die Räume sind auch Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Freiwillige Helfer ermöglichen zudem ein Gesprächsangebot bei persönlichen Problemen, intervenieren bei akuten Konflikten. Für diese und andere Zwecke wendet „Sponte Nord“ jährlich 10  000 Euro auf – alles basiert auf Geld- und Sachspenden. Dass man jetzt Opfer eines Raubes geworden ist, lässt sich schwer nachvollziehen. Dieter Scholz: „Wir verstehen das einfach nicht.“

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