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Flensburger Tageblatt

25. Oktober 2014 | 11:29 Uhr

Flensburg : Ein Waschbär zum Kaffee

vom

Neuer Untermieter in einer Flensburger Kleingarten-Kolonie: Dort wurde der erste offizielle Stadt-Waschbär gesichtet. Unter zwei Wellblech-Bahnen hat er sich behaglich eingerichtet.

Flensburg | Es war ziemlich genau 17 Uhr vergangenen Sonnabend, als sich Horst Föhrding an seinem Kaffee verschluckte. Da hatte ihm seine Ehefrau gerade gesagt "Guck mal, ein Waschbär!" und in knapp vier Metern Entfernung kam ein Blickkontakt zustande, den Föhrding so schnell nicht vergessen wird. Vom Dach eines baulich nicht mehr ganz so properen Gebäudes in der Kleingartenkolonie am Grünen Weg blinzelten zwei dunkel bebrillte wache Augen zum Flensburger Ehepaar hinüber. Von Scheu keine Spur.
"Der Bursche war die Ruhe selbst", sagt Föhrding, der in Windeseile zur schussbereiten Kamera griff, um die Begegnung festzuhalten. Als der Minipetz sich in Bewegung setzte, um die Zweibeiner etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, wurde es den beiden dann aber doch zu viel. Dankbar registrierte Föhrdings Ehefrau, dass ihr pelziger Nachbar auf ein energisches "Kusch!" reagierte und sich wieder in Richtung seiner Behausung trollte. Unter zwei leicht aufgebogenen Wellblech-Bahnen hatte er sich behaglich eingerichtet. Vergnügt beobachteten die Flensburger, wie der kleine Stadtbär rückwärts in seine Wohnung einparkte und wieder verschwand.
"War doch nett, dass er sich endlich mal vorgestellt hat"
Der Flensburger vermutet, dass der Waschbär seit fünf Monaten, wenn nicht schon länger in der Kolonie zu Hause ist. Es gab aus der Nachbarschaft immer wieder Meldungen von Wildtieren. Aber außer Schemen hatte niemand etwas wahrgenommen. Und dann waren da im Frühjahr noch die ausgeweideten Kröten, auf die sich zunächst niemand so recht einen Reim machen konnte - jetzt passt es. Kröten, Würmer, Beeren - die Kleinbären sind nicht besonders wählerisch. Föhrding glaubt, dass der Bär sein Nachbargrundstück als Hauptquartier gewählt hat, weil dort für die Hauskatzen regelmäßig Kittekat vorgehalten wird. "Davon profitiert er sicherlich."
In der Flensburger Naturschutzbehörde reagiert Oliver Fritzsche zwiespältig auf die Meldung - wobei das Entzücken überwiegt. "Sie sind extrem niedlich. Meines Wissens der erste Waschbär, der in Flensburg gesichtet wurde." Zwiespältig deswegen, weil in der deutschen Waschbären-Hochburg Kassel die nachtaktiven kleinen Räuber zur echten Plage geworden sind. "Die sind ja recht kräftig. Wenn die irgendwo hinwollen, nehmen Sie ihnen das ganze Dach auseinander. Dagegen ist der Steinmarder ein Waisenknabe." Waschbären sind in den 30er Jahren aus Nordamerika nach Europa importiert worden - die wilde Population entstammt ausgebüxten Exemplaren, teils aber auch Versuchen in der freien Wildbahn.
Werner Barkemeyer, Chef des Naturkundemuseums, hat eine solche Meldung früher oder später erwartet. "Sie ziehen nach Norden, sind aber schwerpunktmäßig in Hessen heimisch geworden. Ich glaube nicht, dass wir hier eine große Population haben." Am Grünen Weg wissen nun alle, mit wem sie es zu tun haben. "War doch nett", sagt Föhrding, "dass er sich endlich mal vorgestellt hat."

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erstellt am 14.Jul.2012 | 10:55 Uhr

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