zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

30. April 2017 | 16:57 Uhr

Tarp : Ein Tarper Junge im Rampenlicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der elfjährige Toni Fuge ist Darsteller im Musical „Ich war noch niemals in New York“ – schon beim „Wunder von Bern“ stand er auf der Bühne.

Toni Fuge aus Tarp ist elf Jahre alt, besucht die fünfte Klasse des Bernstorff-Gymnasiums in Satrup und spielt gerne Tennis – so wie andere Jungen auch in seinem Alter. Doch Tony hat noch ein Hobby, das sich von dem seiner Klassenkameraden unterscheidet: Seit Januar steht er einmal in der Woche in Hamburg als Darsteller des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ vor 1850 Zuschauern im Rampenlicht. „Ich spiele Florian, den Sohn der Hauptrolle“, erzählt Toni, während er am heimischen Küchentisch sitzt.

Das Musical ist schon das zweite, in dem er auftritt. Ursprünglich hatte er sich bei der Stage Entertainment AG für „Das Wunder von Bern“ beworben. „Für das Stück wurde ich in der „Wunderschule“ ausgebildet“, sagt er – in Schauspiel, Tanz, Sprachtechnik, Gesang. Da war er erst neun Jahre alt. „Mein Bruder war auch schon dabei“, erklärt Toni auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen sei, sich zu bewerben. Erste Erfahrung hatte er da schon in einer Flensburger Theaterschule gesammelt.

Am Anfang habe er zweimal die Woche geübt – ein Jahr lang. Das Training mache Spaß, so der Schüler, auch wenn das Singen manchmal anstrengend gewesen sei. „Da lernten wir Atemtechnik, die Stimme warm zu machen und mit ihr in die Höhe zu gehen“, sagt er. Beim Tanzen sei Kondition gefragt, daher „muss ich Krafttraining machen“. 50 Jungen seien „Für das Wunder von Bern“ ausgebildet worden. „Erst habe ich ein Cliquenkind gespielt“, sagt der Elfjährige. Zuletzt hatte er die Hauptrolle „Matthias“ übernommen und dafür die Essener Mundart aus den 50er Jahren eingeübt. Dank der richtigen Frisur und den passenden Klamotten war die Verwandlung perfekt.

„In ‚Ich war noch niemals in New York‘ habe ich ein Käppi auf, da sind die Haare egal“, meint er und scheint darüber nicht besonders traurig zu sein. Die Vorbereitung sei beim neuen Musical mit zwei Monaten nun viel kürzer gewesen. „Die Ausbildung im Singen hatte ich ja schon“, erklärt er. Da es nur eine statt fünf Kinderrollen gibt, „sind wir nur zwölf Jungen“, zählt er nach. Alle seien total nett, und er habe Freundschaften geschlossen. Für Auftritte und Proben erhält er einen Stundenplan und wird von seinen Eltern jedes Mal von Tarp nach Hamburg gefahren.

„Er macht es mit so viel Hingabe, das unterstützen wir gern“, sagt Mutter Gaby Fuge. „Beim Großen haben wir ‚Ja‘ gesagt, also machen wir es bei ihm auch“, fügt sie hinzu. Sie wüssten, dass ihr Sohn sehr gut aufgehoben sei, „das ist wichtig für uns als Eltern“. Zudem sei Toni gut in der Schule, die ihr Einverständnis gegeben habe. „Seine Klasse hat einen Auftritt gesehen, und alle waren begeistert – auch die Lehrer“, erzählt
Gaby Fuge. Nur mit dem Handball hat ihr Sohn aufgehört – es wurde ihm zu viel.

Bei einer Vorstellung um 18.30 Uhr geht es gleich nach der Schule los. In Hamburg fährt Toni mit dem Betreuer auf der Fähre zum Theater. „Dort ziehe ich mich um, gehe in die Maske, bekomme das Mikro auf die Stirn geklebt. Dann geht es zum Soundcheck“, berichtet er. Danach wartet die Bühne. Die erwachsenen Darsteller seien supernett, meint er: „Sie helfen, wenn was schief geht.“ Dem Publikum falle das meist nicht auf. Mit Pause dauert ein Auftritt drei Stunden, auf dem Weg nach Hause schlafe er im Auto, berichtet Toni.

Die Premieren seien aufregend gewesen. „Wenn alle klatschen, ist es eine Erleichterung“, sagt er – aber auch eine Belohnung, „einfach das Tollste“. Emotional sind die Auftritte auch für seine Eltern. „Er war ein kleiner Schüchterner – und jetzt steht er auf der Bühne“, meint seine Mutter stolz: „Da hat man schon eine Träne im Auge.“ Und Vater Axel Fuge nennt es schlicht „ergreifend“.

Voraussichtlich bis Ende August wird das Musical „Ich war noch niemals in New York“ noch in Hamburg gespielt. „Danach würde ich gerne weiter machen“, betont Toni – solange, bis er in den Stimmbruch kommt, denn dann ist zumindest an der Hamburger „Wunderschule“ Schluss. Diese Erfahrung hat Tonis älterer Bruder Paul mit seinen 14 Jahren bereits gemacht.




zur Startseite

von
erstellt am 20.Mär.2017 | 16:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen