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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 19:35 Uhr

Ein Schandfleck für die Marienstraße

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Historisches Fachwerkhaus verfällt zusehends – doch der Eigentümer sieht gegenwärtig keine Perspektive für eine Sanierung

Die Marienstraße ist ein städtebauliches Juwel. Zahlreiche Häuser wurden hier von den Eigentümern vorbildlich restauriert. Allein 16 Gebäude oder Ensembles sind als Kulturdenkmal klassifiziert. Das gilt auch für die Hausnummer 3/5 – direkt angrenzend an die Gaststätte „Porticus.“ Doch das historische Fachwerkhaus bietet seit Jahren schon ein Bild des Jammers. Es verfällt schleichend. Die Fenster notdürftig mit Brettern abgedeckt, von innen vermüllt.

Besonders der Vergleich mit drei anliegenden, jüngst liebevoll sanierten Häusern lässt Anwohner und Touristen erschaudern. Der immer weiter um sich greifende Hausschwamm macht nun eine Komplettsanierung erforderlich – auch um die Nachbargebäude zu schützen.

Eigentümer Martin Aye verfügt schon seit Januar 2013 über eine Baugenehmigung. „Und bis dahin war es schon ein langer Prozess“, sagt Eiko Wenzel. „Leider wird jetzt viel Originalsubstanz verloren gehen“, bedauert der Flensburger Denkmalschützer. Und wer Wenzel kennt, der weiß, dass ihm das Herz blutet, wenn ein bedeutendes Beispiel für die Entwicklung des Fachwerks in der Stadt vom Erdboden verschwindet.

Obwohl sich so lange an dem Objekt nichts bewegt hat, sei ein Instandsetzungsgebot noch nicht angeraten, meint Wenzel. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass der Eigentümer willig ist, zumal er so lange um die Baugenehmigung gerungen hat.“ Gleichwohl sei der Vorgang „ein bisschen ungewöhnlich“. Mehrfach habe es bereits Signale für einen bevorstehenden Umbau gegeben – „passiert ist nichts“.

Aus gutem Grund, findet Martin Aye. Der Unternehmer beklagt, dass ihm vom Denkmalschutz lästige Fesseln angelegt werden. So sei ihm zur Bedingung gemacht worden, dass die Erdgeschossfassade stehen bleiben müsse. „Obwohl die alles andere als erhaltenswürdig ist.“ Zudem sei das Haus mit dem Porticus (das ihm ebenfalls gehört) so eng verwoben, dass auch dort umfangreiche Maßnahmen erforderlich würden. Es geht um Brandschutz, Entlüftung, Sanitäranlagen. „Es wäre reine Liebhaberei, aber kaufmännischer Wahnsinn“, sagt Aye.

Dabei hätte Aye sich im westlichen Flügel so gern eine eigene Wohnung eingerichtet. Der östlichen Teil soll laut Bauantrag für die Gaststätte Porticus genutzt werden soll, im Erdgeschoss Toiletten, oben die Küche. „Schließlich habe ich als junger Mann schon gern mein Bier im Porticus getrunken.“ Der Investor betont, es sei nicht sein Ziel zu verkaufen. Für das laufende Jahr könne er indes keine Prognose für die Zukunft des Objekts abgeben. „Wir sind aber im ständigem Dialog mit dem Pächter der Gaststätte, mit Nachbarn, dem Architekten und Generalunternehmer.“ Und: „Ich bin kein Feind des Denkmalschutzes, er macht es alles nur ein wenig teurer.“

Die ursprüngliche Baugenehmigung ist bereits einmal verlängert worden, sie läuft im Dezember dieses Jahres aus. Sie könnte erneut verlängert werden, bestätigt Eiko Wenzel. „Der Antrag muss nur vor Ablauf der Geltungsdauer gestellt werden.“ Die Hängepartie geht in die nächste Runde  .  .  .

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erstellt am 28.Sep.2016 | 08:56 Uhr

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