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Steinbergkirche : Ein poetischer Wirt im Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jon Flemming Olsen gibt ein privates Konzert mit ganz persönlichen Liedern - die Solo-Tour führt ihn ab Mai auch nach Flensburg und Schleswig.

Ein klarer Punkt für Gintoft. Jon Flemming Olsen hat vor seinem Konzert in Begleitung des NDR die Gegend um Steinbergkirche samt Campingplatz und Gastronomie in Augenschein genommen und sogleich gemocht. So berichtet er im Saal des stattlichen Bauernhauses Gintoft 5 und besingt erstmal den Schnee, dem man niemals ansehen wird, wenn er zum letzten Mal fällt.

Für sein zweites Solo-Album, das „Von ganz allein“ heißt, am 7. April „das Licht der Welt erblickt“ und fast wie von ganz allein in Amsterdam und Kopenhagen aus ihm floss, hat Jon Flemming Olsen zuvor ein Crowdfunding von zwei Monaten ausgelöst. Mit Erfolg: Sein Publikum brachte mehr als das Kapital zusammen, das der Musiker brauchte. 14 Wohnzimmerkonzerte wurden im Rahmen der Kampagne gebucht, auch Holger habe „zum Spottpreis zugeschlagen“ witzelt Olsen und meint Holger Herrmann.

Er verfolge das Wirken von Jon Flemming Olsen seit Texas-Lightning-Zeiten, erklärt der Fan. Olsen war Gründer der Band, die Deutschland 2006 beim Eurovision Song Contest einen Platz im Mittelfeld erspielte. Er lebe in einer Reetdachkate, da wäre es eng geworden, erklärt Holger Herrmann, warum Olsen nicht in seinem Wohnzimmer spielt. Zum Glück kennt er die Petersens; Moni und Henrik öffnen mit Vergnügen ihr großzügiges Haus für das Klappstuhlkonzert, haben überall Erdnüsse und Salzstangen verteilt, und Gastgeber und Bassist Henrik sorgt mit einer abgespeckten Konstellation seiner Band The Woodys sogar für ein Vorprogramm. Jon Flemming Olsen ist nicht ganz allein: Er hat Mandoline, Tenor-Gitarre, Westerngitarre und eine Fußmaschine für den gelegentlichen Beat dabei. Und trägt keine dunkle Vokuhila-Perücke. Darauf kommt er zu sprechen, falls jemand ob seiner fehlenden Haarpracht enttäuscht sein sollte. Olsen ist nämlich auch Ingo, der Wirt in der Eppendorfer Grill-Station aus der Impro-Comedy „Dittsche - das wirklich wahre Leben“. Die läuft mit Olli Dittrich in der Titelrolle und im Bademantel freitags eine halbe Stunde vor Mitternacht und erstaunlicherweise im WDR, obwohl sie in Hamburg spielt. Gerade im März hat die 26. Staffel begonnen.

Als Songwriter, Sänger und Gitarrist ist Jon Flemming Olsen auf andere Art unterhaltsam. Seine Muse des Abends, Steffi, lotst er auf einen freien Platz in die erste Reihe. Auch wenn das Ereignis im Wohnzimmer auf dem Lande mit wohl mehr als 60 Gästen fast eine konzertante Publikumsgröße habe, sagt er später, unterhält er sich doch rege mit dem Publikum, lässt es „nee nee ja ja“ singen, auf zwei und vier klatschen und bei Zugabe zwei zu den guten alten Feuerzeugen zurückkehren. Indem er Fragen stellt, lernt er die Leute kennen. Deutsche Durchschnittsstadt? Bielefeld! Ja, das höre er überall als Antwort. Ein anderer schlägt Hamburg vor und bewegt sich damit für Olsen „auf ganz dünnem Eis“. Der gebürtige Düsseldorfer, Jahrgang 1964, sagt von sich, er sei nah am Wasser gebaut, wohnt tatsächlich im Norden nicht weit davon entfernt und schreibt vor allem unheimlich schöne Balladen. Die sind nachdenklich und nicht nullachtfünfzehn, „Kein gutes Gefühl“ zum Beispiel, und manchmal noch melancholischer, wenn er sie auf seinen Saiten so wundervoll trägt. „Wilder Mond“ ist ein solches Lied und „Von ganz allein“. Das berührt den einen und die andere, erst recht in dieser heimeligen Atmosphäre. Ab Mai geht der kreative Kahlkopf auf Tour, ganz allein.

Solo-Tour: Flensburg, 7. Mai, 19 Uhr, Deutsches Haus; Schleswig, 8. Juni, 20 Uhr, Heimat.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 10:41 Uhr

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