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Flensburger Konzert verschoben : Ein Oromo als Plattdeutsch-Botschafter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Yared Dibaba, Äthiopier und Hanseat, muss sein Shanty-Konzert in Flensburg verschieben – an einem Termin fürs Ersatzkonzert wird gearbeitet

Yared Dibaba kann es nicht fassen: Wie kann man nur kein Plattdeutsch mögen? Und er verspricht, das im Falle dieser einen „Banausin“ mit seinem Konzert in Flensburg zu ändern. Seine Ankündigung wollte er heute im Deutschen Haus in die Tat umsetzen, aber daraus wird erst mal nichts – das Konzert der „Land in Sicht“-Tour mit Yared Dibaba ist wegen „unvorhergesehener terminlicher Überschneidungen“ abgesagt. An einem Ersatztermin für Flensburg werde gearbeitet, den gebe es aber noch nicht (gekaufte Karten können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, der Ticketpreis wird erstattet), teilt das Management mit.

Muss das Projekt „Plattdeutsch lieben lernen“ eben noch etwas warten. Wie kommt nun ausgerechnet einer wie Yared Dibaba zu einem Dialekt wie Platt? „Aus Heimatliebe“, antwortet er, und man meint, Hamburg zwischen den Zeilen herauszuhören. Kurze Exposition: Yared Dibaba ist in Oromia in Äthiopien geboren und lebt seit 38 Jahren im Norden Deutschlands – oder wie er es auch ausdrückt: „Ein großer Teil in mir ist Oromo, ein anderer Teil norddeutsch.“

Sein Vater, der letztes Jahr verstorben sei, habe viel erzählt von den Oromo und ihm viel mitgegeben. Er sei 1973 nach Osnabrück zum Studieren gegangen, da war Yared vier. Drei Jahre lebte die Familie dort, ging zurück nach Äthiopien, floh wegen des Bürgerkriegs nach Kenia, zog 1979 schließlich nach Falkenburg. Das liegt in Niedersachsen. Dort spricht man auch Plattdeutsch. „Ich habe immer schnell versucht, die Sprache zu lernen“, sagt Yared Dibaba, wie es Kinder, die Kontakt wollen und suchen, so tun. Sprache diene nicht nur dazu, „um Gedanken oder Wörter zu transportieren“, sondern das tägliche Leben in einer Region zu teilen. „Man muss eine Sprache sprechen und seine Fehler machen“, wirbt er und nutzt selbst jede Gelegenheit, Platt zu zu sprechen.

Dibaba ist ausgesprochen kommunikativ, einnehmend und vielseitig. Alles, was er kann, habe er auch gelernt, hat er mal gesagt, und das ist allerhand. Singen und spielen, unterhalten und Kaffeesatz lesen zählen dazu. Nach dem Abi habe er Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt, erzählt der Hamburger, der morgen 48 wird. Parallel zur Schauspielschule arbeitete er als Kaffeetester. Gesangsstudium kam dazu und learning by doing. Seit seiner Episoden-Hauptrolle an der Seite von Heidi Kabel im Ohnsorg-Theater 1999 ist er ein gefragter Moderator nicht nur im norddeutschen Fernsehen.

Der Musik, die er unter dem Namen „Yared und die Schlickrutscher“ verbreitet, hat er erwartungsgemäß auch einen eigenen Stempel aufgedrückt. Eine „neue Form des Shanty, ein neues Genre“ sei entstanden, „das verwurzelt ist im Norden durch die Art des Gesangs und weltoffen durch den Stil“. Und durch die Besetzung: Für seine internationale Band mit Fontaine Burnett (Bass), Drummer Michael Grimm, Andreas Paulsen (Keyboards) und Ales Slivnik am Akkordeon schwärmt Dibaba wie verrückt. Und auch für seinen „tollen“ (Knaben)Chor aus Uetersen, der aus dem großen Musikprojekt gar ein generationenübergreifendes macht. Das Album, mit dem Yared und die Schlickrutscher unterwegs sind, heißt „Land in Sicht“ mit Titeln wie „Klei mi an Moors“, „Laat man Loopen“ oder auch einer Hymne auf „Kaffee“. Hier und da fließen Hiphop, Reggae, Funk und Soul ein und ein bisschen Calypso. Ein, zwei Nummern werden gerockt, sagt Dibaba, und es wird gerappt. Gewiss auch beim neuen Tour-Termin in Flensburg. Mit der Fördestadt verbindet der Hanseat etwa das Prömpeln, wovon ihm jüngst in seiner Sendung Flensburger Filmemacher erzählten. Zuletzt sei er mit seinem Programm „Wiehnachten op platt“ in Flensburg gewesen, erinnert sich Dibaba. Bis Weihnachten muss hoffentlich niemand warten, um vom Wohlklang plattdeutschen Shanty-Pops überzeugt zu werden.

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erstellt am 07.Apr.2017 | 15:36 Uhr

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