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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:13 Uhr

Neues Projekt : Ein neues Kulturhaus für die Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Weiche wird am 13. Juli „Culturgut“ eröffnet / Inge-Maria und Hans-Peter Carstensen erfüllten sich den Traum „von der kleinen music hall“

Das Foyer empfängt den Besucher mit einem strahlenden Weiß. Die Farbgebung der Vergangenheit ist restlos verschwunden. Das gilt auch für die Fassade: In einer Mischung aus kühlem, edlem Grau und wieder dem strahlenden Weiß präsentiert sich das neue Kulturhaus am Alten Husumer Weg in Weiche. Mit den roten Klinkern verschwand auch die letzte Erinnerung an das einstige Soldatenheim Weiche und das Weiche-Hus.

Und dann diese Treppe: Weitausladend, großzügig und mit hellem Stein angelegt, ist sie in Weiche ein Gesprächsthema für sich. Ihre flache Steigung soll es auch Behinderten erleichtern, die Veranstaltungen zu besuchen. „Culturgut“-Chefin Inge-Maria Carstensen hat ihre spezielle Freude an dieser Treppe. Das Vorbild ist großstädtisch. Die alte Pinakothek in München hat so eine prachtvolle Freitreppe. Beide Häuser bieten der Kunst ein Dach, aber damit endet auch die Gemeinsamkeit.

Man merkt Inge-Maria Carstensen und und ihrem Mann Hans-Peter die Freude darüber an, dass ihr Wunsch kurz vor der Erfüllung steht: Das neue Haus, „Culturgut“, wird am Mittwoch, 13. Juli, eröffnet. Jetzt ist allerdings noch so viel zu tun, schildert die Chefin, und dass solche Szenen schon mal vorkommen können: Sie läuft die Treppe ins Untergeschoss und fragt sich unten: „Was wollte ich eigentlich?“

Das Haus macht den Eindruck, als sei schon viel von der großen Liste abgearbeitet. Zwei Tagungs- und Festsäle sind eingerichtet. Der große Saal hat schon mehrere Testläufe hinter sich – beim public viewing zu den Spielen der deutschen Mannschaft bei der EM. Für solche Gelegenheiten hat der große Saal über der Bühne mit 25 Quadratmetern eine der größten Leinwände in der Region zu bieten. Und die Testläufe dienten dazu, die letzten Fehler auszumerzen. Das Team ist zufrieden. Der Ausschank gehört zum Konzept des Hauses, aber kein Restaurantbetrieb. Der Veranstalter privater Feiern kann sich Speisen von einem Anbieter seiner Wahl kommen lassen, und auch das Haus arbeitet mit Caterern zusammen.

Man merkt dem Projekt an, dass es nicht aus der Portokasse zu verwirklichen war. „Ich sehe unser Projekt als Hobby, und dafür muss man immer zahlen“, sagt Hans-Peter Carstensen.

Ein Kulturhaus als Hobby? Da ist sich das Ehepaar Carstensen einig. Der Wunsch kam auch nicht in nüchterner Büro-Atmosphäre auf, sondern in beschwingter Laune – nach einem schönen Konzert, bei einem Glas Wein als Abschluss des Abends. Da ging der Traum von der kleinen music hall durch die Köpfe. „Wir haben ein Faible für Kultur.“ Und die Kinder sind groß – das lässt Zeit für Inge-Maria Carstensens Begeisterung für die Kultur.

Ein Veranstaltungshaus für die Stadt, für Weiche und die Region, für Musik und Kleinkunst, für Künstler und solche, die es werden wollen. Sicher, Emotion ist auch dabei. Weiche ist die Heimat des Spediteurs Carstensen und seiner Frau. Ihrer Heimat wollen sie mit dem Culturgut etwas zurück geben. Das Ehepaar sagt, es habe viele schöne Stunden in dem Haus erlebt. Dem schleichenden Verfall des Hauses wollten sie nicht zusehen. Außerdem räumt der Spediteur Hans-Peter Carstensen ein: „Ich habe den Stadtteil Weiche belastet“, verweist er auf den Lkw-Verkehr seiner Spedition, „ich möchte Weiche etwas zurückgeben.“

Und beide sind sich einig: Sie möchten eine Begegnungsstätte schaffen, in die die Besucher gern kommen, Musik und Kleinkunst genießen, sich beim Bier treffen und sich unterhalten, gern auch ihre Feste feiern. Und die Tür steht besonders weit offen für Leute, die einen Vortrag halten möchten, einen Kursus anbieten wollen oder als Nachwuchskünstler den Schritt vor das Publikum wagen. Am Mittwoch, 13. Juli, geht es los: „Offene Bühne – lass Dich überraschen.“

Aber der Name „Culturgut“ steht auch für gute Kultur. Hier kommt Björn Höller ins Spiel, der Veranstaltungsmanager. Seine Beziehungen und die seiner Chefin müssen gut sein: Wer kann schon Wigald Boning (22. Juli) auf seiner Bühne bieten? Und auch das ist ein Glanzpunkt: Der Polarmeer-Abenteurer Arved Fuchs mit seinem Vortrag „Grönland – 35 Jahre Abenteuer in Eis und Schnee“ (11. November).

Das Programm steht bis in den Dezember hinein. Es mischen sich Musik, Kabarett, Tanzabende mit Livemusik, der besinnliche Pianoabend mit Puppentheater. Einmal im Monat lautet das Motto „Lass Dich überraschen“ und kündigt die offene Bühne an.

Und auch das steht fest: Wenn das Publikum den Saal entert, bleiben immer zwei Stühle frei: für Inge-Maria und Hans-Peter Carstensen.

 

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erstellt am 04.Jul.2016 | 18:34 Uhr

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