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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Kuriositäten : Ein Monopol aus der Komtel-Ära

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Gartenstadt Weiche sind Kunden auf die Angebote von Versatel angewiesen / Technische Ausnahmesituation wird als Grund angeführt

Am Eingang der Gartenstadt ist Schluss. Telekom, Vodafone, Kabel Deutschland, 1 & 1 – sie alle müssen draußen bleiben. Überall in Deutschland kann man in den Orten, in denen es schnelles Internet gibt, unter mehreren Anbietern auswählen. In der Gartenstadt Weiche nicht – da ist man auf das Angebot von Versatel angewiesen.

Diese ebenso überraschende wie ärgerliche Erfahrung musste der Flensburger Software-Entwickler Krabat Rombach machen, als er im Mai aus dem Zeisighof (Nordstadt) an den Weichselstieg in der Gartenstadt zog. Er wollte seinen DSL-Vertrag des Anbieters 1 & 1 gern mitnehmen. Das sollte ja kein Problem sein, immerhin hatte dieser Provider aus dem Hause United Internet ja zwei Jahre zuvor die Versatel übernommen.

Doch da hatte sich Rombach getäuscht. Als er vier Wochen nach dem Umzug noch keinen Termin für den neuen Anschluss hatte, hakte er nach – und erhielt folgende Auskunft: „An Ihrem neuen Wohnort ist aus technischen Gründen kein 1 & 1 Komplettanschluss schaltbar, aufgrund von Leitungsmangel“. Rombach konnte es kaum glauben und begann zu recherchieren. Auch über das vorhandene Koaxialkabel konnte das DSL-Angebot von Rombachs Vertragspartner nicht eingespeist werden.

Dabei stieß er auf ein Stück jüngerer Flensburger Wirtschaftsgeschichte, vielen Flensburgern noch in guter Erinnerung. Das Kupferleitungsnetz in der Gartenstadt wurde Anfang des Jahrtausends, als das Internet noch nicht die Bedeutung der heutigen Zeit hatte, von der KomTel gelegt, jener Ausgründung aus den Flensburger Stadtwerken, die sich damals erfolgreich am liberalisierten Telefonmarkt etablierte und später von dem bundesweit tätigen Unternehmen Versatel übernommen wurde. Während fast überall in Deutschland die letzten Leitungsmeter in die Wohnungen und Häuser der Telekom gehören, ist es in der Gartenstadt anders.

Das führt dazu, dass eine Überlassung oder Vermietung der letzten Meter an andere Anbieter hier „aus technischen Gründen“ nicht möglich ist. Welche Gründe das sind, weiß offenbar niemand – weder die Verwaltung der Gartenstadt noch die Pressestelle der Versatel. Dort spricht man von einer technischen Singularität, von einer Ausnahmesituation, die es nur noch in einem weiteren Ort irgendwo im Osten Deutschlands geben soll, wie Anna Lottner aus der Versatel-Pressestelle mitteilt.

Und während alle Internet-Dienstleister mit aller Macht und immer neuen Rabatten bemüht sind, Kunden zu halten oder zu gewinnen, machte 1 & 1 bei Krabat Rombach genau das Gegenteil: Man riet ihm, ganz schnell seinen Vertrag zu kündigen. Denn sonst würde er bezahlen müssen, ohne eine Leistung zu erhalten. Er hat sich mittlerweile mit seinem Schicksal abgefunden und wechselt wohl oder übel von 1 & 1 zu 1 & 1-Versatel. Hier darf er dann aber doppelt so viel für die 16 MBit-Leitung bezahlen wie vorher.

Chef der Komtel war damals Michael Rohbeck. Es war ein Novum, dass die junge Flensburger Firma damals einen ganzen Stadtteil versorgt hat. Die Hardware für eine Zusammenschaltung mit anderen Anbietern wurde damals nicht installiert – Rohbeck vermutet, dass diese Technik heute aus Kostengründen nicht nachträglich für ein relativ kleines Gebiet errichtet wird.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 07:56 Uhr

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