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Langballig : Ein Leben für die Völkerverständigung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Stefan Petriuk aus Langballig ist bereits Träger des goldenen Verdienstkreuzes der Republik Polen.

Langballiig | Als Stefan Petriuk gestern in einem großen Festakt aus der Hand von Woiwodschaftsmarschallin Elzbieta Polak, der Präsidentin des Regionalparlaments, die „Ehrenmedaille für Verdienste um die Woiwodschaft Lubuskie“ überreicht bekam, war das für den Mann aus Langballig eine weitere Würdigung seiner Leistungen um die Verständigung zwischen Deutschland und Polen. Die Förderung des Verständnisses für die jeweils andere Kultur und der gegenseitige Austausch sind seit Jahrzehnten sein Anliegen. Ein Engagement, für das er bereits hoch dekoriert wurde.

Im Jahr 1995 erhielt der pensionierte Oberstabsbootsmann die Ehrenmedaille der Stadt Lodz und 2000 vom polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski mit dem „Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold“ die höchste Auszeichnung, die Ausländer erhalten können. Schließlich ernannte ihn sein Geburtsort Kargowa (deutsch: Unruhstadt) im Jahr 2005 zum Ehrenbürger.

Es ist kein ganz gewöhnlicher Lebensweg, auf den Petriuk zurückblickt. In den Wirren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war sein ukrainischer Vater etwa 90 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder im heutigen Polen hängen geblieben und hatte eine deutschstämmige Frau geheiratet. Dort kam Stefan Petriuk im Januar 1949 zur Welt und wurde im benachbarten Kolsko (Kolzig) getauft. Als Spätaussiedler zog die Familie Weihnachten 1962 nach Hattingen an der Ruhr. Petriuk, zunächst ohne Kenntnis der deutschen Sprache, besuchte vier Jahre lang ein Internat bei Paderborn, absolvierte eine Lehre als technischer Zeichner und trat im Oktober 1969 als Freiwilliger in die Marine ein.

Zunächst im Bereich der Motorentechnik eingesetzt, wurde er eher zufällig für die Sprechfunkaufklärung entdeckt – aufgrund seiner guten Polnisch-Kenntnisse. Da er auch noch intensiv in Russisch ausgebildet war, wurde er dann als „Sprechfunkaufklärungs- und Messflugzeugbootsmann“ an Bord des fliegenden Seefernaufklärers „Breguet Atlantic“ tätig. Während des Kalten Krieges ging es dabei um das Abhören des Sprechfunks der sowjetischen und polnischen Marine. Von 1994 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2004 schloss sich eine Verwendung im Marinefernmeldestab 70 in Flensburg an.

In Polen hatte sich Anfang der 1980er Jahre infolge der kommunistischen Planwirtschaft sowie durch das Entstehen der freien Gewerkschaft „Solidarnosc“ und von ihr ausgerufene Streiks die allgemeine Versorgungslage dermaßen verschlechtert, dass die Regierung den Kriegszustand ausrief. Von Deutschland wurden portofrei Millionen von privaten Hilfspaketen nach Polen geschickt, zum Weiterverteilen oftmals an katholische Kirchengemeinden. Petriuk und seine Frau Elke bedachten die in Kargowa verbliebenen Geschwister seiner Mutter. So kam wieder die Verbindung zu seinem Geburtsort zustande. Allerdings war Petriuk Geheimnisträger der Bundeswehr, und als solchem waren Reisen in den kommunistischen Machtbereich strikt untersagt. So war er zwar seit 1983 Präsident der deutsch-polnischen Philatelistenvereinigung, dieses Amt konnte er jedoch zunächst nur von Deutschland aus wahrnehmen. Erst im Jahr 1990, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, konnte er mit seiner Frau erstmals in die alte Heimat reisen. In der Folge ergab sich ein reges finanzielles, kulturelles und gesellschaftliches Engagement in Polen. So gründete das Ehepaar die „Wilhelm-Blanke-Stiftung von Elke und Stefan Petriuk“ und brachte in sie 60 eigene Ölgemälde dieses zwischen den beiden Weltkriegen bekannten deutschen Malers, der 1873 in Kargowa geboren und 1936 dort begraben wurde, ein. Bei Ausstellungen, Symposien und durch zahlreiche Vorträge, die sich mit der deutsch-polnischen Geschichte befassen, setzte und setzt sich Petriuk nachdrücklich für die Verständigung und Aussöhnung zwischen beiden Ländern ein.

Zu diesem Thema verfasste er bereits mehr als ein Dutzend Bücher, oft in beiden Sprachen. Die beiden letzten, „Unruhstadt und Karge / Eine im Zeitalter der Toleranz entstandene Stadt im Spannungsfeld zwischen Polen und Deutschland“ und „Die niederschlesischen Gutsherrschaften Kolzig und Kontopp“, fanden positiven Widerhall bei ehemaligen deutschen und heutigen polnischen Bewohnern. Gegenwärtig bemüht sich Petriuk besonders darum, das Schloss in Kargowa zu erhalten. Es soll zu einer deutsch-polnischen Kultur- und Begegnungsstätte ausgebaut werden. 

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