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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 11:48 Uhr

Jubiläum : Ein Leben für die Bühne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Morgen wird Irmgard Wempner 90 Jahre alt – ihre Theaterkarriere währte über ein halbes Jahrhundert

Es war ihre Bestimmung. Irmgard Wempner hätte in ihrem Leben niemals woanders landen können als beim Theater. Und das ist gut so. 60 Jahre lang hat sie in Flensburg das kulturelle Leben mitgeprägt, ihrem Publikum in unzähligen Aufführungen unvergessliche Momente geschenkt – ob als Schauspielerin, Autorin, Regisseurin oder Rezitatorin.

Noch heute ist sie als Dozentin an der Volkshochschule aktiv, schreibt unermüdlich Briefe, in denen sich die profunde Kenntnis der Theaterlandschaft und die immerwährende Begeisterung für die Bühne widerspiegeln. Am Donnerstag wird Irmgard Wempner 90 Jahre alt. „Und ich freue mich auf Gäste, die mir etwas bedeuten“, sagt die Jubilarin strahlend, „Freunde, die sich an diesem Tag zusammenfügen werden wie Mosaiksteinchen auf meinem langen Weg.“

Irmgard (Gäthje) Wempner fand ihre Liebe zur Schauspielerei bereits in der Schulzeit an der Auguste-Viktoria-Schule – und ihre Begabung wurde schnell entdeckt. Lehrer Wilhelm Koopmann lobte sie für ihre „tapfer begonnene Laufbahn auf den Brettern, die die Welt bedeuten“, für die „köstliche Freude“ in Deutschstunden, in denen sie das Gelernte in kleine Theaterstücke umsetzte.

Im Alter von 19 Jahren machte sie ihre Eignungsprüfung zur Schauspielerin. Irmgard Wempner erinnert sich, wie ihre Dozentin Josefa Wender sie unbedingt Gustav Gründgens vorstellen wollte, der in Flensburg weilte, um das Stadttheater und dessen Akteure unter die Lupe zu nehmen. Doch die Flensburgerin bekam den Meister nur kurz zu Gesicht.

Josefa Wender feilte derweil an der Stimmbildung. Sie hatte festgestellt: „Mit deiner Stimme stimmt was nicht.“ Sie sei zu „hochgeschraubt“ und eigentlich tiefer gelagert. Also: Stimmbildung vonnöten – mit einem Korken zwischen den Zähnen. Eine harte Schule. „Als ich eines Tages vorsprechen sollte, brachte ich keinen einzigen Laut heraus“, erinnert sich die Flensburgerin. „Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben.“ Dennoch bestand sie 1948 ihre Abschlussprüfung für Schauspiel.

Kurz zuvor war ein Mann ins Spiel gekommen, der ihr Leben maßgeblich prägen sollte. Ihr späterer Ehemann Fritz, den sie am 1. Mai 1954 heiratete, sprach sie eines Tages im Tanzlokal „Harmonie“ (Toosbüystraße) an. Er war schon länger an der Niederdeutschen Bühne etabliert und sah Irmgard in Goethes „Egmont“ vertieft; sie studierte die Rolle des Klärchens. Am nächsten Morgen schon steckte Fritz Wempner ihr ein Rollenbuch zu, wenig später hieß es erneut: Vorsprechen! Mit Herzklopfen und Lampenfieber machte sich das aufstrebende Talent auf in den Probenraum der Niederdeutschen Bühne. Dessen Leiter Friedrich Bartelmann war umgehend angetan. „Für den nächsten Abend“, freute sich Irmgard Wempner, „hat er mich gleich zur Probe eingeladen.“ Es folgte eine Rolle nach der anderen – man lobte schon früh ihr „großes darstellerisches Register“.

„Es gab durchaus auch Versuche, mich abzuwerben“, erinnert die Jubilarin. So wollte Intendant Horst Gnekow, der sie in Friedrich Hebbels Drama „Maria Magdalena“ in der Rolle der Klara gesehen hatte und restlos begeistert war, sie unbedingt nach Schleswig und später nach Luzern („Ich nehme auch deinen Mann und deine Kinder in Kauf“) ans Theater holen. Doch „Irmi“ blieb ihrem Fritz treu. „Die Liebe zu ihm war mir wichtiger“, sagt sie und schaut aus dem Fenster ihres Hauses im Norden, von wo aus sie einen fantastischen Blick auf Hafen und Stadtpanorama genießt.

Höhepunkte ihres Schaffens waren zweifellos die von ihr verfassten Mehrakter „Christine“, der Flensburg wie ein Virus ergriff sowie (in hoch- und niederdeutsch aufgeführt) „Johanna – Aus dem Leben der Mutter Brahms“, für das sie den Sonderpreis im Autorenwettbewerb des Niederdeutschen Bühnenbundes erhielt. Die Komödie „Kinner Kinner“ war schon insofern einzigartig, da sie vier Wempners (Fritz, Irmgard, Sylvia und Viola) auf der Bühne vereinte. Zudem inszenierte sie über 30 Kindertheaterstücke an der NDB und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Erst im 80. Lebensjahr zog Irmgard Wempner sich zurück. Es war nicht Glück oder Zufall, das ihr diese besondere Karriere ermöglichte, auch wenn sie sagt: „Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Es ist das Ergebnis harter Arbeit. „Sie lebte ihre Rollen“ war ein Satz, den sie oft hörte – verbunden mit der Warnung „Du gehst daran kaputt“. Sie selbst sagt bescheiden: „Ich gab das, was ich hatte.“

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erstellt am 31.Aug.2016 | 08:19 Uhr

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